Achtung, Treibsand!
wenn es um Trump geht, stehe ich wie auf Treibsand. Nichts ist sicher. Die politische Schwerkraft hat der Mann außer Kraft gesetzt.
Ich durfte ihn als ZDF-Washingtonkorrespondent bei seinem ersten Wahlkampf beobachten. Ein Tag ist mir besonders in Erinnerung geblieben: der 6. August 2015. Die erste TV-Debatte der republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Zehn Kandidaten standen auf der Bühne. In der Mitte Trump. Und der machte daraus eine riesige Shit-Show. Beleidigte jede und jeden. Die Einschalt-Quote der Debattensendung ging durch die Decke. 24 Millionen Zuschauer.
Ein historischer Rekord für eine US-Vorwahlsendung. Im amerikanischen Kabelfernsehen hatten bis dahin nur Sportübertragungen mehr Zuschauer erreicht. Trumps Wut-Show der Quotenbringer. Seitdem hingen die Fernsehkameras an seinen Lippen wie der Junkie an der Nadel. Und heute? Trump wirkt auf mich müde, abwesend, wenn er an seiner gepanzerten Limousine vorbeiläuft.
Jahrelang schien Amerika geradezu süchtig nach seiner Show. Hat die Trump-Droge inzwischen ihre Wirkung verloren? Es gibt Zeichen, dass die Nation sich entzieht.
Ich bin Ulf Röller. Gemeinsam mit dem Team vom auslandsjournal blicke ich hier auf die Frage, wie viel von seiner politischen Anziehungskraft noch übrig ist.
USA-News der Woche
- Was hinter Trumps Kuschelkurs mit Putin steckt
- Wird ausgerechnet Texas für Trump zum Problem?
- Demokrat Newsom: "Wir befinden uns im Kampf unseres Lebens"
Bild der Woche
Nicht ganz auf einer Linie.
Ein Kuss zum Schluss - doch Melania Trump dreht im letzten Moment den Kopf zur Seite. Die Szene im Rosengarten des Weißen Hauses sorgt im Netz für Häme. Anlass des gemeinsamen Auftritts am Montag war eine Initiative der First Lady: Donald Trump unterzeichnete ein Dekret, das die Forschung zur Gesundheit von Frauen stärken soll.
Dabei hat seine Regierung seit 2025 Forschungsgelder gekürzt und wollte sogar eine langjährige Studie zur Frauengesundheit vorzeitig beenden. Nun sollen bestehende Forschungsaktivitäten besser koordiniert werden. Für Trump wieder ein "historischer Schritt".
Kopf der Woche: Amy Acton
Wie die Midterms zur Schlammschlacht werden, sehen wir am Beispiel der demokratischen Gouverneurskandidatin Amy Acton in Ohio. Acton berichtet, in ihrer Kindheit über Jahre hinweg sexuell missbraucht worden zu sein. Ihr Stiefvater wurde damals wegen Vergewaltigung angeklagt, ihre Mutter verlor das Sorgerecht.
Nun zieht ihr republikanischer Rivale, Pharmamilliardär Vivek Ramaswamy, ihre Missbrauchserfahrungen in den Wahlkampf - und investiert dafür Millionen. In einem Werbespot tritt Actons Mutter auf: Vor laufender Kamera bezeichnet sie ihre Tochter als Lügnerin und ruft dazu auf, sie nicht zu wählen.
Der Spot sorgt selbst unter Republikanern für Kopfschütteln - bis hin zu Ohios republikanischem Gouverneur Mike DeWine, der fordert, ihn zurückzuziehen. Vizepräsident JD Vance hingegen ruft seine Parteifreunde dazu auf, nicht zu jammern, sondern die Wahl zu gewinnen. Auch Donald Trump verteidigt den "sehr kraftvollen" Spot.
Trump und Putin und Europa
Am Montag stellte Trump vor Journalisten infrage, ob Selenskyj der Richtige sei, um für die Ukraine zu verhandeln. Vielleicht solle er das jemand anderem überlassen, so der US-Präsident. Einen Tag später traf sein Unterhändler Steve Witkoff den ukrainischen Präsidenten in Oslo, am Mittwoch dann Kremlchef Putin in St. Petersburg. Im Gepäck: Vorschläge für ein Ende des Ukraine-Krieges. Der russische Präsident brachte dabei erneut ein mögliches Dreier-Treffen ins Spiel - allerdings nicht mit Selenskyj, sondern mit Chinas Staatschef Xi Jinping.
Die Midterms erklärt
Wie viel Macht bleibt Trump, wenn seine Show bei den Wählern nicht mehr zieht? Verlieren die Republikaner das Repräsentantenhaus, könnten die Demokraten Untersuchungen gegen seine Regierung vorantreiben. Erobern sie auch den Senat, könnten sie wichtige Personalentscheidungen und den Haushalt blockieren. Doch selbst bei einem Verlust beider Kammern blieben Trump politische Spielräume. Meine Kollegin Katharina Schuster erklärt vier mögliche Szenarien nach der Wahl.
Was ist von Trumps Versprechen geblieben? Und welche Sorgen treiben die Menschen vor den Midterms um? Wir haben uns bei Wählerinnen und Wählern in Virginia umgehört.
19.10.2026 | 1:23 minZahl der Woche: 20 Millionen
So viele Amerikaner haben ihre Stimme für die Midterms bereits abgegeben, knapp 10 Tage vor dem eigentlichen Wahltag. Die vorzeitige Stimmabgabe läuft damit auf Hochtouren: Deutlich mehr Menschen nutzen die Möglichkeit, schon vor dem Wahltag abzustimmen, als bei den Zwischenwahlen 2022. Allerdings haben einige Bundesstaaten die Möglichkeiten zur vorzeitigen Stimmabgabe seitdem ausgeweitet. Entscheidend für den Wahlausgang wird sein, ob die Demokraten oder die Republikaner die eigene Basis besser mobilisieren können.
Unser Podcast diese Woche
In unserer dieswöchigen Podcastfolge berichtet Elmar Theveßen von langen Schlangen vor den Wahllokalen in Texas. Und es geht um die Frage, wie stark die Demokraten Trump nach der Wahl bremsen könnten - und welche Folgen das für Europa, die Ukraine und den Nahen Osten hätte.
Lassen Sie uns zum Schluss aber mal über uns reden: Wie gefällt Ihnen eigentlich unser Newsletter? Schreiben Sie an ZDFheute-Feedback@zdf.de. Ob Ideen, Wünsche oder Kritik - wir nehmen alles!
Bis nächste Woche. Behalten Sie bis dahin festen Boden unter den Füßen.
Ulf Röller und die auslandsjournal-Redaktion
Über dieses Thema berichtete das ZDF im Podcast "Der Trump-Effekt" am 21.10.2026 um 10:00 Uhr.
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