The Jerusalem Post'They sent missiles, we sent a bill': Bat Yam mayor serves Iranian diplomat with NIS 250m. lawsuitPunchBEDC raises staff salariesInquirerErwin Tulfo seeks safeguards for workers displaced by AISky TG24Ecuador, migliaia in piazza contro il governo di NoboaBollywood HungamaHrithik Roshan attends LACMA Art + Film Gala 2026, becomes first mainstream Indian actor to grace eventZDF heuteEntdecken Sie das ZDF-NachrichtenstudioWirtualna PolskaPo zamachu w Krakowie. Kto biegł na pomoc, a kto po zasięgi [OPINIA]BBC NewsWalsh-inspired Australia crush irate Samoa to reach World Cup finalStraits Times SportSingapore runner Shaun Goh lowers 10,000m mark for his seventh national record of 20267sur7“C’est un co*****”: un enfant de 8 ans insulte Macron en direct, franceinfo réagitالشرقسامر المصري لـ"الشرق": "أبو جانتي" نضج.. والجزء الثالث مغامرة محسوبةEl Comercio“Stephen Miller encabeza la estrategia de Trump para gobernar sin el Congreso”
The Daily Newsstand · Free, Always
Sunday, November 8, 2026

Mit Weinbeeren gegen Vorurteile

Translate

Mit «keshmesh» treffen Ahmed Ajil und Kambez Nuri einen Nerv: Ihr Podcast über Migration und Männlichkeit zählt rund 15’000 Downloads im Monat und bringt den beiden eine Nomination als «Zürcher des Jahres» ein.

Publiziert: vor 43 Minuten

  • Ahmed Ajil und Kambez Nuri geben im Podcast «keshmesh» Männern mit Migrationshintergrund eine eigene Stimme
  • Beide flohen als Kinder in die Schweiz und erlebten Rassismus und Ausgrenzung
  • Der Kriminologe und der Sozialarbeiter erzählen, wie sie selbst ihre klischierten Männlichkeitsbilder loswurden

Sandra CasaliniRedaktorin

Als Ahmed Ajils (35) kleine Tochter ihren Papa nach «Keshmesh» fragt, wird Kambez Nuri (33) hellhörig. Nicht nur weil er die Leckerei mag, sondern weil in seinem Herkunftsland der gleiche Begriff dafür verwendet wird. «Keshmesh» ist das persische Wort für getrocknete Weinbeeren. Und steht nun als Name des gemeinsamen Erfolgs-Podcasts der beiden symbolisch für alles, was sie verbindet.

Klischierte Männlichkeitsbilder

Ahmed Ajil, geboren im Irak, flüchtet im Alter von drei Jahren mit seiner Familie vor dem Krieg. Er wächst in Oftringen AG auf. Kambez Nuri, Sohn eines afghanischen Politikers, ist sieben, als die Familie vor der Herrschaft der Taliban nach Richterswil ZH flieht. Familiär haben die beiden einen komplett unterschiedlichen Hintergrund. In Ahmed Ajils Zuhause erfüllt sich das Klischee des gewaltvollen, migrantischen Patriarchen. Kambez Nuris Vater ist während der Flucht lange von seiner Familie getrennt. Nuri beschreibt seine Familie als «liebevoll, mit starken feministischen Einflüssen». Trotzdem landet auch er, wie Ajil, in seiner Jugend bei klischierten Männlichkeitsbildern.

«Männer müssen hart sein. Kämpfen, schlegeln – das war mein Ding», sagt Ahmed Ajil. Kambez Nuri hält sich zwar von Schlägereien fern, tritt aber dominant und respekteinflössend auf. Warum, wenn er doch keine entsprechenden Vorbilder zu Hause hat? «Ich war immer der Ausländer, der Taliban. Wenn du täglich abgewertet wirst, wertest du andere ab. Weil es normal ist für dich.» Nuris Bild von Männlichkeit definiert sich stark über Leistung. Er ist dreifacher Schweizer Meister im Schach, spielt für die Nationalmannschaft, trainiert die Junioren, «obwohl mich der Druck und die Erwartungen fertigmachten. Aber als Mann ziehst du das durch».

Bis es doch zu viel wird und Kambez Nuri hinschmeisst. Er beginnt ein Wirtschaftsstudium, bricht es ab und findet sein Glück in einer Ausbildung als Sozialarbeiter. Heute berät Nuri Jugendliche und junge Männer sowie deren Eltern und ist unter anderem Co-Leiter der Fachstelle «Oh Boy», einer Anlaufstelle für Schulen und Fachpersonen.

Eine Diskussion ohne die Betroffenen

Ahmed Ajil führt ironischerweise gerade sein klischiertes Männlichkeitsbild zum Punkt, wo er heute steht. Er studiert Internationale Beziehungen und Kriminologie, weil er zur Kriminalpolizei will, arbeitet als Kriminalanalytiker beim Bundesamt für Polizei (Fedpol). Bei der Auseinandersetzung mit Gewalt im Studium erkennt Ajil, «dass Gewalt eng mit meinem Bild von Männlichkeit verknüpft ist, das machte mich nachdenklich». Dazu kommt, dass er privat merkt, wie anstrengend Eifersucht und Kontrollbedürfnis für eine Beziehung sind.

Er setzt sich mit seinem Vater auseinander und merkt: «Das will ich für mich nicht. Es muss möglich sein, eine andere Art von Männlichkeit zu leben.» Ahmed Ajil ist heute Assistenzprofessor an der Uni Luzern und forscht zu Terrorismusbekämpfung, Radikalisierung und Gewalt. Das Verhältnis zu seinem Vater ist schwierig.

Ahmed Ajil​ und Kambez Nuri lernen sich über eine gemeinsame Freundin kennen. Es ist eine innige Freundschaft auf den ersten Blick. Obwohl sie vieles unterscheidet, eint sie noch mehr. Die Fluchterfahrung in der Kindheit, die Erfahrungen mit Rassismus und Islamfeindlichkeit. Von der Idee eines Podcasts aus Sicht von zwei jungen Männern mit migrantischem Hintergrund ist zunächst nur Ajil​ begeistert. «Der Gedanke, dass noch mehr in mich hineinprojiziert wird, schreckte mich ab», sagt Nuri.

«Aber je mehr wir darüber diskutierten, desto mehr merkte ich: Die Diskussion über Migration, Macht und Männlichkeit schliesst uns, die Betroffenen, gar nicht mit ein.» Wie gross das Bedürfnis ihrer Sicht ist, zeigt sich schnell: Ihr Podcast «Keshmesh» erscheint seit März 2026 alle zwei Wochen und verzeichnet gut 15’000 Downloads pro Monat. Ahmed Ajil und Kambez Nuri sind gefragte Gesprächspartner in Podcasts, Medien, Doks und Podiumsgesprächen. Darüber, dass sie vom Portal Tsueri.ch als «Zürcher des Jahres 2026» nominiert sind – die Wahl findet am 30. November statt –, schmunzelt Ajil: «Für mich als Aargauer ist das eine doppelte Ehre!»

Aufwendiges Herzensprojekt

Natürlich bleiben auch rassistische und islamfeindliche Beleidigungen nicht aus. «Da fragt man sich schon manchmal, warum man sich das antut», sagt Kambez Nuri. Insbesondere da «keshmesh» – das sich ausschliesslich über Spenden finanziert – für Nuri und Ajil, die beide Vollzeitjobs haben, viel zusätzliche Arbeit ist. «Aber es ist unser Herzensprojekt», sagt Nuri. Ajil erzählt: «Kürzlich kam ein junger Mann auf mich zu und sagte, er höre uns und fühle sich verstanden mit seinen Erfahrungen, seiner Migrationsgeschichte. Das hat mich berührt, dafür machen wir das.» Für die jungen Männer von heute – auch wenn der grösste Teil der Reaktionen von Frauen kommt.

«Sie haben oft Erfahrungen mit Sexismus gemacht, die unseren Erfahrungen mit Rassismus ähneln», sagt Ahmed Ajil. Ob Ausgrenzung zwischen ihm und seiner fünfjährigen Tochter bereits ein Thema ist? «Nein. Momentan ist sie stolz auf ihre irakischen Wurzeln und darauf, dass sie Arabisch kann. Aber früher oder später wird auch sie mit Vorurteilen konfrontiert werden.» Dann wird ihr Vater ihr seine Sicht der Dinge erklären – bei einer Handvoll «Keshmesh».

View the original on Blick →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.