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Friday, October 23, 2026

Erste SRG-Umfrage – Knappes Ja bei der Initiative gegen die Heiratsstrafe

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  • Die Initiative gegen die Heiratsstrafe startet mit einem Ja-Vorsprung in die Hauptkampagnenphase.
  • Das zeigt die erste SRG-Umfrage des Forschungsinstitutes GFS.
  • Aber: 11 Prozent des Stimmvolkes hat sich noch keine Meinung gebildet.

Rund sieben Wochen vor der Abstimmung über die Initiative gegen die Heiratsstrafe liegt die Ja-Seite knapp vorne. 55 Prozent der Stimmberechtigten würden die Initiative bestimmt oder eher annehmen, 34 Prozent würden sie bestimmt oder eher ablehnen.

Ein überparteiliches Komitee hat die Initiative lanciert. Gegnerinnen und Gegner befürchten Schwierigkeiten bei der Umsetzung und ein kompliziertes Nebeneinander zweier Steuersysteme.

Weisse Hochzeitstorte mit Figuren von Braut und Bräutigam.
Legende: KEYSTONE/Christian Beutler

Heute werden Ehepaare und unverheiratete Paare unterschiedlich besteuert. Am 8. März 2026 hat die Stimmbevölkerung Ja gesagt zur Individualbesteuerung. Diese tritt auf Anfang 2032 in Kraft. Das heisst: jede und jeder füllt künftig eine eigene Steuererklärung aus – auch Verheiratete. Die Initiative «Ja zu fairen Bundessteuern auch für Ehepaare» will jedoch für die direkte Bundessteuer an der gemeinsamen Besteuerung von Ehepaaren festhalten.

Sie verlangt, dass Einkommen von Ehepaaren weiterhin zusammengerechnet und diese gegenüber anderen Steuerpflichtigen nicht benachteiligt werden. Das Parlament hätte drei Jahre Zeit für die Umsetzung. Tritt bis 2030 kein Gesetz in Kraft, soll es für Ehepaare zwei Steuer-Veranlagungen geben: eine gemeinsame und eine gemäss der Vorgaben für Unverheiratete. Das Ehepaar bezahlt den tieferen Betrag. Je nach Umsetzung rechnet der Bund mit geringeren Steuereinnahmen in der Höhe von 680 Millionen bis 3 Milliarden Franken pro Jahr.

Bundesrat und Parlament empfehlen ein Nein.

Die Meinungsbildung ist noch wenig fortgeschritten. «Das eröffnet noch Spielraum für beide Seiten», sagt Corina Schena, Politikwissenschaftlerin des Forschungsinstituts GFS Bern.

Verheiratete sagen häufiger Ja

Bei der Parteibindung zeigt sich ein klares Muster: Die Sympathisierenden der Mitte unterstützen die Initiative am stärksten. Auch unter den SVP-Anhängern zeichnet sich ein klares Ja ab (64 Prozent). Deutlich verhaltener fällt die Zustimmung bei der FDP aus: Nur 52 Prozent der FDP-Sympathisanten hätten die Initiative angenommen, wäre am 11. Oktober abgestimmt worden.

Bei SP und Grünen liegt die Zustimmung bei je 40 Prozent, bei der GLP bei 45 Prozent. Allerdings weisen die linken Parteien noch viele Unentschlossene auf (15 Prozent).

Eine zentrale Trennlinie verläuft entlang des Beziehungsstatus'. Verheiratete und Personen in eingetragener Partnerschaft unterstützen die Initiative deutlich häufiger als Alleinstehende. «Die eigene Betroffenheit spielt eine grosse Rolle», sagt Corina Schena.

Auch regional zeigen sich deutliche Unterschiede: In ländlichen Gebieten liegt die Zustimmung bei 67 Prozent, in städtischen Gebieten bei 51 Prozent. «Für das bürgerlich-konservative Pro-Lager gibt es noch viel Potenzial im ländlichen Raum», sagt Schena. Bei den Altersgruppen fällt vor allem auf: Unter den Jungen (18-39-Jährige) sind noch viele unentschieden (16 Prozent).

Mehr Zustimmung zu den Argumenten als zur Initiative

Die Pro-Argumente verfangen deutlich: Am stärksten überzeugt das Argument, dass der Staat kein bestimmtes Lebensmodell steuerlich bevorzugen soll. 69 Prozent stimmen dieser Aussage zu.

Die Argumente auf der Gegenseite überzeugen weniger deutlich. 51 Prozent stimmen zu, dass durch die Initiative unterschiedliche Steuersysteme zwischen Bund und Kantonen entstehen könnten. Nur 40 Prozent teilen die Befürchtung, eine Annahme führe zu hohen Mindereinnahmen.

Auffällig ist die grosse Unsicherheit: Bei allen drei Kontra-Argumenten können jeweils rund 20 Prozent keine Einschätzung abgeben. Die möglichen Folgen der Initiative scheinen damit noch wenig bekannt oder schwer einschätzbar zu sein.

Ein Paar in formeller Kleidung hält sich an den Händen.
Legende: Die Initiative gegen die Heiratsstrafe will, dass Ehepaare bei der direkten Bundessteuer nicht mehr bezahlen als unverheiratete Paare. KEYSTONE/Gaetan Bally

«Die Kontra-Argumente sind noch nicht bei der Bevölkerung angekommen – die Pro-Argumente hingegen schon», bilanziert Corina Schena. Gespannt ist sie, ob die Gegenseite in den kommenden Wochen verstärkt auf das Gegenargument verweist, die Vorlage überschneide sich mit der Individualbesteuerung. «Das könnte ein Indiz für ein wachsendes Nein sein.»

Die argumentative Zustimmung fällt höher aus als die gegenwärtige Stimmabsicht. «Das würde tendenziell für ein Anwachsen des Ja-Anteils sprechen», sagt Schena. Dagegen spreche hingegen der historische Trend zum Nein bei Initiativen. «Es ist fraglich, ob die Initiative diesen Vorsprung über die Ziellinie bringen kann.»

Die Umfrage zu den Abstimmungen vom 29. November 2026 ist im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut GFS Bern zwischen dem 5. und 18. Oktober 2026 durchgeführt worden. Der mittlere Befragungszeitraum war der 11. Oktober 2026. Insgesamt wurden die Antworten von 14'874 Stimmberechtigten für die Auswertung berücksichtigt.

Der statistische Fehler beträgt ±2.8 Prozentpunkte. Das heisst: Bei einem Ergebnis von 50 Prozent liegt der effektive Wert mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 47.2 und 52.8 Prozent. Dabei sind kleinere Abweichungen wahrscheinlicher, grössere unwahrscheinlicher.

Telefonische Befragung

Telefonisch befragt wurden 506 stimmberechtigte Personen mit Wohnsitz in der Schweiz. Die Interviews wurden per Festnetz und Handy durchgeführt. Diese Stichprobe ist sprachregional gewichtet und repräsentativ für die Schweizer Stimmberechtigten.

Online-Befragung

Zusätzlich konnten online bereinigte Angaben von 13'853 Personen und via Social Media 515 Personen verwendet werden. Die Teilnehmenden wurden dazu unter anderem über die Webportale der SRG rekrutiert.

Da sich die Teilnehmenden der Umfrage selber rekrutieren (sogenanntes Opt-in-Verfahren), ist die Zusammensetzung der Stichprobe nicht repräsentativ für die Grundgesamtheit. So nehmen zum Beispiel typischerweise mehr Männer als Frauen an politischen Umfragen teil. Diese Daten werden jedoch mittels Gewichtungen an die tatsächliche Zusammensetzung der Stimmberechtigten angepasst. Es werden dabei räumliche (Wohnort), soziodemografische (Alter oder Geschlecht) und politische Gewichtungsfaktoren eingesetzt. Durch diese Gewichtung wird die Repräsentativität der Stichprobe optimiert. Ziel ist, auch die Stichprobengrösse in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz zu erhöhen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Seite von GFS Bern.

News, Hintergründe und Analysen zu den Abstimmungen vom 29. November 2026.

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