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Thursday, September 17, 2026

Schlaganfall-Gerüchte um Xi Jinping – was ist dran?

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Gerüchten zufolge soll sich der chinesische Staatspräsident Xi Jinping (73) in einem kritischen Zustand befinden. Erste Gesundheitsprobleme seien beim Brics-Gipfel in Indien aufgetreten. Nach seiner Rückkehr nach Peking soll im Spital ein Schlaganfall festgestellt worden sein.

Die Bewertung

Für die Behauptung gibt es keine Belege. Auch die Quelle der Gerüchte ist unbekannt. Es gibt jedoch einige Punkte, die gegen die Behauptung sprechen. Ein eindeutiges Urteil lässt sich nicht fällen.

Seit dem Brics-Gipfel brodeln mal wieder die Gerüchte

Die Bilder, die vom diesjährigen Gipfel der Brics-Staaten (siehe Box) um die Welt gingen, zeigen Xi Jinping wohlauf. Doch dem chinesischen Aktivisten Xie Wanjun zufolge könnten sie nicht die ganze Wahrheit zeigen.

Die Brics-Staaten

«Es kursieren Gerüchte, dass Xi Jinping beim Brics-Gipfel in Indien ohnmächtig wurde», schreibt das Gründungsmitglied der Demokratischen Partei Chinas auf X (hier archiviert). Sogar eine «Notfallbehandlung durch sein Ärzteteam» soll es gegeben haben.

Der Besuch in Indien sei abgebrochen worden und der chinesische Staatspräsident mit einem Sonderflug nach China zurückgekehrt. Dort habe ein «Expertenteam einen schweren ischämischen Schlaganfall, also eine transitorische ischämische Attacke (TIA)» festgestellt. Weiter ist von «einem hohen Risiko schwerwiegender Komplikationen» die Rede. Ob Xi Ende September wie geplant in die USA reisen werde, sei unklar. Gleich mehrere Posts widmet er diesem Thema. Auch ein offenkundig bearbeitetes Bild von dem angeblich kranken Xi postet er (siehe Bildstrecke oben,hier, hier archiviert). Eine Quelle für die Behauptungen nennt Wanjun Xie nicht. Auch Belege liefert er nicht. Es finden sich auch sonst keine.

TIA nicht dasselbe wie ein Schlaganfall

Eine transitorische ischämische Attacke (TIA) ist eine vorübergehende Durchblutungsstörung im Gehirn – meist durch ein kleines Blutgerinnsel. Die Beschwerden ähneln einem Schlaganfall, verschwinden aber oft nach Minuten bis Stunden wieder vollständig. Laut DocCheck Flexikon (hier archiviert) gilt eine TIA als Vorbote eines echten Schlaganfalls und sollte als Notfall abgeklärt werden: In den ersten zwei Tagen nach einer TIA sei das Schlaganfallrisiko um rund 10 Prozent, in den ersten zwei Wochen danach um etwa 15 Prozent erhöht. Etwa jeder dritte TIA-Patient erleide irgendwann in seinem Leben einen Schlaganfall, wobei hiervon etwa 50 Prozent auf das Folgejahr der TIA entfallen.

Anders als es der Wanjun-Xie-Post vermuten lässt, sind eine TIA und ein ischämischer Schlaganfall also nicht dasselbe.

Was wissen wir?

Der Brics-Gipfel fand am 12. und 13. September in Neu-Delhi statt. Xi reiste am 12. September an. Davon zeugen Fotos auf dem X-Account der Ausrichter.

Dass Xi an beiden Tagen dort war, zeigen Fotos der Gipfelbesuchenden. Sowohl von Samstag als auch von Sonntag gibt es Aufnahmen, die den chinesischen Staatspräsidenten zeigen. Mal lacht er, mal schaut er ernst, mal schüttelt er Hände. Es gibt sogar Bilder, die ihn zusammen mit den anderen Brics-Vertretern beim Baumpflanzen oder «Händchenhalten» mit den anderen Staatsmännern zeigen (siehe folgende Bildstrecke). Auf keinem Bild wirkt er kränklich.

«Ist es okay?»

Es gibt Berichte, wonach Narendra Modi in einer Pause nach der Eröffnungsrede in Richtung Xi frage «Ist das in Ordnung?». Manche Menschen deuteten dies so, als sei er um die Gesundheit von Xi besorgt. Doch dagegen spricht die Formulierung der Frage – «Is it okay?» – und ein viraler Ausschnitt (hier archiviert). Darin ist zu sehen, wie versucht wird, ein technisches Problem an seinem Übersetzerkopfhörer beziehungsweise dem dazugehörigen Empfänger zu lösen.

Mitglieder der chinesischen Delegation und Xi hantieren am 12. September an Kopfhörern und Empfängern. Das deutet auf technische Probleme hin.

Mitglieder der chinesischen Delegation und Xi hantieren am 12. September an Kopfhörern und Empfängern. Das deutet auf technische Probleme hin.Screenshot X/@zhao_dashuai

Zwar lässt sich die Szene zeitlich nicht eindeutig einordnen. Dafür ist klar, dass sie sich im grossen Saal des Brics-Gipfels zugetragen hat.

Am 13. September hielt Xi zudem noch eine Rede. Auch davon gibt es Bilder:

Online finden sich zudem Mitschnitte seiner Ausführungen. Was er sagte, lässt sich unter anderem auf der Website der Chinesischen Agentur für Internationale Entwicklungsarbeit (Cidca, hier archiviert) nachlesen. Hinweise darauf, dass es dem chinesischen Präsidenten während des Gipfels schlecht gegangen sein könnte, finden sich auch dort nicht.

Chinas Aussenministerium meldet Rückkehr von Xi

Der Gipfel endete am 13. September. Noch am selben Tag sei Xi gegen Mittag in Indien aufgebrochen (hier archiviert) und nach Peking zurückgekehrt, schreibt das Aussenministerium der Volksrepublik China (hier archiviert). Mit an Bord des Flugzeugs seien «Cai Qi, Mitglied des Ständigen Ausschusses des Politbüros und Direktor des Generalbüros des Zentralkomitees der KPCh, Wang Yi, Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der KPCh und Aussenminister, sowie weitere begleitende Beamte» gewesen. Nachprüfen lässt sich das nicht.

Laut «The Independent» (hier archiviert) reiste Xi vor allen anderen Staats- und Regierungschefs ab. Die frühe Abreise ist jedoch keine Bestätigung für die Gerüchte über Xis Gesundheitszustand. So ist nicht klar, ob dies nicht von vornherein so geplant war. Seit seiner Rückkehr nach China wurde Xi nicht mehr öffentlich gesehen, was die Gerüchteküche weiter anheizt.

Vorbereitungen für Xi-Besuch in den USA laufen

Laut Wanjun Xie warteten die chinesischen Behörden angeblich ab, «ob die für Ende September geplante Reise in die USA abgesagt werden muss.» Doch davon ist in Übersee nichts zu spüren. Laut verschiedenen Medienberichten laufen die Vorbereitungen für den China-USA-Gipfel auf Hochtouren (etwa hier und hier sowie hier und hier archiviert). Dazu zählt auch die Probe der Ankunftszeremonie. Fotos davon finden sich etwa in der Bilddatenbank der Nachrichtenagentur AFP (hier archiviert, siehe Bildstrecke). Der Fox-News-Korrespondent Lucas Tomlinson postete ein Video davon auf X (hier archiviert).

Xis Gesundheit: Nicht das erste Mal im Fokus

Es ist nicht das erste Mal, dass die Gesundheit Xis ein Thema ist. Sein Gesundheitszustand wird seit Langem genau beobachtet, da er die Macht stark um sich konzentriert hat, ohne einen klaren Nachfolger zu haben. 2023 sorgte etwa sein Fehlen beim G20-Gipfel 2023 für Gerüchte um seinen Zustand.

Ein Brics-Teilnehmer ist tatsächlich erkrankt

Anders als die chinesische Regierung, die sich nicht zu den Spekulationen um Xis Gesundheitszustand geäussert hat, hat das südafrikanische Präsidialamt bekannt gegeben, dass Präsident Cyril Ramaphosa nach dem Gipfel erkrankt sei. In einem Beitrag auf dem offiziellen X-Account hiess es am Mittwoch, das medizinische Team des Präsidenten habe ihm nach seiner Rückkehr aus Indien am Montag geraten, sich auszuruhen und zu erholen. Es wird spekuliert, dass das Essen beim Brics-Gipfel mit Ramaphosas Erkrankung in Zusammenhang stehen könnte. Belegt ist dies jedoch nicht.

Fazit

Es gibt keine verlässlichen Belege für einen kritischen Gesundheitszustand Xi Jinpings. Die Gerüchte beruhen auf einer unbelegten Quelle und werden durch die verfügbaren Bilder, Videos und Berichte vom Brics-Gipfel nicht gestützt. Zwar bleibt sein Gesundheitszustand wegen der fehlenden offiziellen Stellungnahme unklar, doch die geplante USA-Reise und die dafür laufenden Vorbereitungen sprechen eher gegen einen schweren medizinischen Notfall. Die Behauptung bleibt daher unbewiesen.

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Fee Anabelle Riebeling

Fee Anabelle Riebeling (fee) arbeitet seit 2014 für 20 Minuten. Sie ist stv. Leiterin Wissen/AI, Data und Leiterin des Fachgremiums Faktencheck & Verifikation.

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