Alles in Grau? Dann setzt du auf den meistgehassten Wohntrend

Graue Wände, graues Sofa, grauer Boden und dazu Küchenschränke in – Überraschung – Grau: In den 2010er-Jahren stand dieser Look für modernes, unkompliziertes Wohnen. Inzwischen hat das sogenannte Millennial Grey ein echtes Imageproblem. Das zeigt eine Auswertung aus den USA.
Was wurde ausgewertet?
Für eine Auswertung analysierte der US-Bilderrahmen-Anbieter Level Frames 3958 Kommentare aus 45 Reddit-Foren zu Einrichtungstrends. Eintönige, graue Einrichtungen sammelten von allen untersuchten Looks die meisten negativen Nennungen. 96 Prozent der erfassten Erwähnungen waren kritisch.
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Noch unbeliebter, aber weniger häufig erwähnt
Ein Trend wurde sogar noch öfter negativ bewertet: Schiebetüren im Scheunentor-Look fanden gar 97,9 Prozent scheusslich. Grau landet trotzdem auf Rang eins, weil es insgesamt deutlich mehr Beschwerden sammelte.
Da die Bewertung auf englischsprachigen Reddit-Beiträgen basiert und mehrere der untersuchten Trends stark vom US-Wohnstil geprägt sind, dürften viele Stimmen aus den USA kommen. Ganz fremd sind uns die Looks aber nicht: Mehrere davon waren auch in Europa und teils in der Schweiz weit verbreitet.
Millennial Grey
Gemeint ist nicht einfach eine graue Wand, sondern der Allover-Look aus kühlen Grau- und Silbertönen: Böden, Möbel, Wände und Küchen verschmelzen zu einer möglichst neutralen Fläche. Das wirkt schlicht, elegant – und unfassbar langweilig. «Deprimierend», schreiben etwa mehrere User.
Millennial Grey war keineswegs nur ein US‑Phänomen. Das deutsche Magazin «Schöner Wohnen» beschreibt die graue Palette als stilprägend für viele Wohnungen der Millennial-Generation. Heute geht der Trend wieder stärker zu warmem Holz, Braun und kräftigen Farben.
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Schiebetüren im Scheunentor-Look
Die sogenannten Barn Doors sind schwere Schiebetüren, die wie Scheunentore aussehen und meist an einer sichtbaren schwarzen Metallschiene hängen. Sie gehören zum Modern-Farmhouse-Stil und sollen rustikal wirken und Platz sparen. Ein User bezeichnet sie als «die ultimative Illusion von Privatsphäre». Mehrfach wird bemängelt, dass durch den Spalt an der Seite Gerüche, Geräusche und Licht durchkommen.
Die Schiebetüren im Scheunen-Look kamen aus Nordamerika, erreichten aber auch Europa. Der britische Ratgeber «Houzz UK» schrieb bereits 2017 darüber, dass solche Türen zunehmend in Wohnhäusern auftauchten. Für die Schweiz lässt sich allerdings kein vergleichbarer Massenhype belegen.
Neutraler Minimalismus
Beiges Sofa, cremefarbener Teppich, helle Wände, kaum Deko: Beim neutralen Minimalismus sollen wenige Gegenstände und eine zurückhaltende Farbpalette Ruhe schaffen. Dieser Trend ist ähnlich wie Millennial Grey – einfach mit einer etwas erweiterten, aber nicht minder langweiligen Farbpalette. «Es ist der Inbegriff von Sad Beige Baby, einfach für Erwachsene», lästert ein User. Er bezieht sich dabei auf den Trend, dass immer mehr Kinderspielzeuge und -zimmer in gedeckten Tönen gehalten werden.
Komplett weisse Küchen
Weisse Schränke, weisse Arbeitsfläche, weisse Wände: Lange galt die monochrome Küche als hell, sauber und zeitlos. In der Reddit-Auswertung waren aber 95,3 Prozent der Erwähnungen negativ. «Steril, langweilig und verdammt mühsam zu putzen. Macht ihr denn nie Lasagne?», fragt etwa eine Userin.
Offene Grundrisse
Küche, Ess- und Wohnzimmer ohne trennende Wände: Open Concept soll Räume grösser und heller wirken lassen und Menschen beim Kochen und Wohnen zusammenbringen. Davon sind aber nicht alle überzeugt: «Ich hasse offene Grundrisse so sehr. Die Zeit, in der man viele Gäste hat und sie praktisch sind, ist winzig im Vergleich zu der Zeit, in der man dort lebt und sich Privatsphäre und eine Pause von den Geräuschen der anderen wünscht», schreibt ein Reddit-User. «Gebt mir Wände und Türen!», findet ein anderer.
Gerade dieser Trend ist auch in der Schweiz verbreitet. Schweizer Architektur- und Renovationsanbieter führen das Öffnen von Küche und Wohnzimmer weiterhin als häufigen Umbauwunsch.
Welchen Wohntrend findest du besonders schrecklich?
Meret Steiger (mst), arbeitet seit 2016 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin für Living und Auto & Mobilität und berichtet über Wohnen, Einrichten und Architektur.
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