Lebensgefährliche Nylonschnur über Landebahn: «Das macht Angst»

- Zweimal innert sechs Tagen: Eine dünne Nylonschnur gefährdete Piloten in Stechelberg.
- Ein Speedflyer meidet die Region seither, Fluglehrer berichten, Schüler hätten verletzt werden können.
- Die Kantonspolizei Bern hat die Ermittlungen aufgenommen.
Die Gefahr in Stechelberg BE ist kaum zu sehen: eine dünne Nylonschnur, gespannt über einen Landeplatz. Für Gleitschirmpiloten, Basejumper und Speedflyer kann sie verheerende Folgen haben. Zweimal wurde innert weniger Tage eine solche Schnur entdeckt. Wer dahintersteckt, ist unklar. Doch die Verunsicherung ist in den Gesprächen vor Ort spürbar.
Am 11. September verfingen sich die Steuerleinen eines Gleitschirmpiloten in einer Nylonschnur. Er blieb unverletzt. Sechs Tage später wurde erneut ein Faden entdeckt, diesmal über einem Basejump-Landeplatz. Die Swiss Base Association warnte vor Lebensgefahr. Ein Speedflyer sagte zu 20 Minuten, er meide die Region inzwischen. Wenn er dennoch fliege, prüfe er den Landeplatz vorab sorgfältig. Er sagt: «Sonst fühle ich mich nicht sicher.»
«Ich hatte gerade heute einen Schüler, der dort hindurchgeflogen ist»
Nach den beiden Vorfällen hat sich 20 Minuten in Stechelberg umgehört. Ein Fluglehrer erzählt: «Es macht einem schon Angst, wenn man daran denkt, dass es solche Menschen gibt, die so etwas machen.» Die Gefahr betrifft auch seine Schüler: «Es ist für alle gefährlich – ich hatte gerade heute einen Schüler, der dort hindurchgeflogen ist.»
Besonders gefährdet seien Speedflyer. «Der Unterschied bei den Speedflyern ist, dass sie sehr schnell hereinkommen und eine lange Strecke knapp über dem Boden fliegen.» Doch auch mit einem anderen Schirm könne man in den Faden geraten. «Aber auch für den Rest kann es immer sein, dass man den Wind falsch einschätzt, zu weit fliegt und dann in diesen Faden gerät.»
Dass es sich um eine dünne Angelschnur handelt, mache sie nicht harmlos. Sie könne grossen Schaden anrichten, wenn sie jemandem ins Gesicht gerate. Auf den Standort verzichten will der Fluglehrer dennoch nicht: «Ich werde aber weiterhin hier fliegen, das hält mich nicht davon ab.»
Vor dem Fliegen das Feld kontrollieren
Auch ein allein fliegender Pilot ist besorgt. «Es ist schlimm, dass jemand so etwas macht – das macht Angst.» Für Speedflyer schätzt er die Gefahr besonders hoch ein. Ihn beschäftigt aber auch, was die Vorfälle für den Alltag am Landeplatz bedeuten: «Es ist traurig, wenn man heutzutage nicht mal mehr das machen kann, ohne dass jeden Morgen jemand das Feld ablaufen und kontrollieren muss, ob ein Faden gespannt ist.»
Einheimische erzählen vom Tourismusfrust
In den Gesprächen mit Einheimischen kommt auch der Ärger über den Tourismus zur Sprache. Ein Bauer berichtet von fremden Autos und Müll auf seinen Wiesen. Einzelne Befragte können sich vorstellen, dass Frust hinter den Vorfällen steckt – Belege dafür gibt es nicht. Der Bauer betont, eine solche Aktion wäre keinesfalls der richtige Weg: «Es gibt bessere Wege.» Ein anderer Einheimischer beurteilt die Lage im Dorf ohnehin gelassener: «Der Tourismus ist für uns hier nicht so schlimm.»
Wer die Schnüre gespannt hat und mit welchem Motiv, bleibt offen. Die Kantonspolizei Bern bestätigt auf Anfrage zwei Meldungen zu Schnüren auf Landeplätzen von Basejumpern und Gleitschirmfliegern in Lauterbrunnen. Die Ermittlungen laufen. Weitere Angaben macht die Polizei derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen nicht.
Maurin Vonplon (mav), Jahrgang 2006, arbeitet seit August 2026 bei 20 Minuten als Praktikant im Ressort Bern.
Flurin Pestalozzi (flu) arbeitet seit 2025 bei 20 Minuten und ist Korrespondent in Bern.
Zoé Stoller (sto) arbeitet seit 2021 bei 20 Minuten und ist stellvertretende Leiterin des Ressorts Regionen.
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