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Sunday, September 13, 2026

Post-Sepsis-Syndrom: Überleben mit Spätfolgen

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Viele Sepsis-Überlebende leiden an einem Post-Sepsis-Syndrom. Auch Frank Döring. Wie er in einer Reha wieder auf die Beine kommen will.

11.09.2026 | 5:08 min

In Deutschland erkranken jedes Jahr mindestens 230.000 Menschen an einer Sepsis, mindestens 85.000 von ihnen sterben daran. Experten gehen jedoch von weitaus höheren Zahlen aus.

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wirke die Krankheit zudem bei vielen nach. So sei jeder dritte Sepsis-Patient ohne vorherige Pflegedürftigkeit im ersten Jahr auf Pflege angewiesen, sagt Carolin Fleischmann-Struzek vom Universitätsklinikum Jena. Sie erforscht die Langzeitfolgen von Sepsis.

Im ersten Jahr nach der Entlassung müssen zwei von drei Sepsis-Überlebenden erneut ins Krankenhaus und rund 30 Prozent sterben.

PD Dr. Carolin Fleischmann-Struzek, Versorgungsforscherin

Schuld seien Spätfolgen wie Organschäden und eine erhöhte Infektanfälligkeit. Im Kampf gegen Sepsis sei daher eine gute Nachsorge ähnlich wichtig wie eine frühe Diagnose und optimale Therapie, so die Expertin.

Eine Sepsis ist eine lebensbedrohliche Reaktion auf Infektionen. Eine neue Studie zeigt: In Deutschland ist das Sterberisiko höher als in vielen anderen Ländern.

21.08.2025 | 3:02 min

Warum bei Sepsis jede Minute zählt

Eine Sepsis, umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt, ist die schwerste Verlaufsform einer Infektion. Es kommt zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems, die zu einem lebensbedrohlichen Kreislaufzusammenbruch und Organversagen führen kann.

Lebensbedrohliche Blutvergiftung

:Notfall Sepsis - die unterschätzte Gefahr

In Deutschland erleiden jedes Jahr mindestens 230.000 Menschen eine Sepsis, mehr als 85.000 sterben daran. Es gilt, die Erkrankung möglichst rechtzeitig zu erkennen.

von Petra Neubauer

mit Video1:37

Ein Mann mit blauen Latex-Handschuhen in einem Labor hält eine Blutprobe in der Hand.

Eine Sepsis ist ein Notfall. Ohne Behandlung endet sie tödlich. Wie bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zählt jede Minute. Wird die Krankheit früh erkannt und behandelt, können Ärzte schwere Organschäden oft verhindern und Leben retten.

Eine Sepsis entsteht aus einer Infektion, etwa einer Lungenentzündung, einem Harnwegsinfekt oder einer entzündeten Wunde. Weil Symptome anfangs oft unspezifisch sind, wird eine Sepsis von Betroffenen leicht übersehen. Warnzeichen sind:

  • extremes Krankheitsgefühl, starke Schmerzen
  • Verwirrtheit, Unruhe, Benommenheit
  • schnelle Atmung, Atemnot
  • Herzrasen, niedriger Blutdruck, kalte oder fleckige Haut
  • Fieber oder Untertemperatur, Schüttelfrost
  • verminderte Urinausscheidung

Treten bei einer Infektion ein oder mehrere dieser Symptome auf, sollte man den Notruf 112 wählen oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117.

Sepsis und Langzeitfolgen

Haben Betroffene die Akutphase einer Sepsis überstanden, kämpfen viele mit anhaltenden Beschwerden.

Ungefähr drei von vier Überlebenden einer Sepsis sind von Spätfolgen betroffen.

PD Dr. Carolin Fleischmann-Struzek, Universitätsklinikum Jena

Das können körperliche Einschränkungen, Gedächtnisstörungen oder psychische Folgen sein, sagt Carolin Fleischmann-Struzek. Dieses sogenannte Post-Sepsis-Syndrom (PSS) zeige sich bei jedem Patienten anders.

Nina ist 33, als sich nach einem Krankenhausaufenthalt ihr Leben für immer verändert. Die zweifache Mutter erleidet eine lebensbedrohliche Sepsis mit bleibenden Schäden.

25.01.2022 | 28:59 min

Post-Sepsis-Syndrom und Symptome

Häufige körperliche Folgen sind Muskel- und Nervenschäden, Schmerzen, Herz-Kreislauf-Probleme, Atembeschwerden, chronische Müdigkeit oder eine erhöhte Infektanfälligkeit.

Die kognitiven Folgen reichen von Gedächtnisstörungen über Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme bis zu Sprach- und Wortfindungsstörungen. Psychisch treten vor allem Angst- und Panikstörungen, posttraumatische Belastungsstörungen oder Depressionen auf.

Viele Betroffene merken erst zu Hause, dass sie den Alltag nicht mehr wie früher bewältigen können, so Fleischmann-Struzek. Selbst Ärzte erkennen die Beschwerden oft nicht als Folgen der Sepsis.

Die Ursachen des Post-Sepsis-Syndroms sind nicht vollständig geklärt. Vermutlich sind es mehrere Faktoren, die zusammenkommen, wie Gewebe- und Organschäden, eine anhaltende Fehlfunktion des Immunsystems und Belastungen durch intensivmedizinische Maßnahmen.

Um ein Post-Sepsis-Syndrom nachzuweisen, gibt es noch keine einheitlichen diagnostischen Kriterien oder spezifische Biomarker im Blut. Die Diagnose stützt sich auf die individuelle Krankengeschichte.

Was Betroffenen mit Post-Sepsis-Syndrom hilft

Viele Patienten müssen Atmen, Schlucken, Sprechen oder Gehen neu lernen. Doch auch unsichtbare Symptome dürften nicht übersehen werden. Eine frühe, fachübergreifende Therapie könne gegen die Folgeerkrankungen helfen, sagt Ulf Bodechtel, Chefarzt an der Klinik Bavaria Kreischa. Die Klinik ist eine von wenigen Reha-Einrichtungen, die sich auf die Behandlung von Sepsis-Patienten spezialisiert haben.

Nach vermeintlich milderen Folgen wie Konzentrationsstörungen, Erschöpfung oder Sprechstörungen muss man gezielt suchen, sie erkennen und behandeln.

Dr. Ulf Bodechtel, Facharzt für Neurologie

Auch diese Folgen beeinträchtigen die Lebensqualität und soziale Teilhabe der Betroffenen, so Bodechtel. Nötig seien mehr spezialisierte Therapie-Angebote sowie bessere Aufklärung und Impfungen, um erneute Infektionen und eine weitere Sepsis zu verhindern.

In Deutschland sterben jährlich mindestens 85.000 Menschen an einer Sepsis. Ein Blick nach Schweden zeigt, wie gezielte Maßnahmen schwere Verläufe verhindern können.

13.09.2025 | 1:37 min

Lücken in der Nachsorge von Sepsis-Patienten

Carolin Fleischmann-Struzek hat Sepsis-Überlebende über Jahre wissenschaftlich befragt. Viele seien dauerhaft betroffen und es sei schwer für sie, Hilfe zu bekommen. 2022 verfasste sie ein White Paper, also Vorschläge einer Expertengruppe für eine bessere Versorgung wie standardisierte Screenings, leichterer Zugang zu Reha-Angeboten und bessere Nachsorge.

Nur wenige Kliniken bieten Ambulanzen an, wo sich Betroffene zur Nachsorge vorstellen können.

Carolin Fleischmann-Struzek, Universitätsklinikum Jena

Dabei wachse der Bedarf an Unterstützung, so die Versorgungsforscherin. Denn jedes Jahr kämen zehntausende neue Fälle hinzu.

Eine Sepsis ist tückisch. Oft wird sie zu spät erkannt. Aufklärung, digitales Screening und schnelle Diagnostik sollen helfen, Sepsis rechtzeitig zu erkennen.

30.04.2026 | 12:00 min

Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung "Volle Kanne" am 11.09.2026, ab 09:05 Uhr.

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