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Tuesday, October 13, 2026

Reichweite für Behandlung: Salon stellt Steve Merson an Pranger

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  • Der Churer Schönheitssalon Gemini’s hat eine Kooperationsanfrage von Influencer Steve Merson öffentlich gemacht.
  • Merson bot dem Salon seine Reichweite an und wollte im Gegenzug kostenlose Behandlungen für sich und seinen Kameramann.
  • Inhaberin Lejla Bilalic verteidigt das Reel als bewusst überspitzte Kritik am Umgang von Influencern mit Unternehmen.

Der Churer Schönheitssalon Gemini’s sorgt aktuell für Aufsehen. In einem Reel machte die Inhaberin eine Kooperationsanfrage von Steve Merson öffentlich. Der Influencer bietet dem Salon eine Zusammenarbeit und seine Reichweite an, will im Gegenzug diverse Behandlungen für sich und seinen Kameramann in Anspruch nehmen. «Schweizer Influencer buchen keine Behandlung. Die bewerben sich direkt als Betriebsausgabe», kritisiert die Klinik die Nachricht.

Auf Anfrage von 20 Minuten meint Inhaberin Lejla Bilalic: «Vor dieser Anfrage hatte ich persönlich noch nie von Steve Merson gehört. Besonders die zusätzlich gewünschte Behandlung für seinen Kameramann fand ich lustig. Da habe ich mich gefragt, weshalb dessen Behandlung auch noch Teil unserer Gegenleistung sein sollte.»

20 Minuten hat bei Steve nachgehakt. Der Influencer entgegnet: «Solche Kooperationen sind im Influencer-Marketing eine gängige Form der Zusammenarbeit, die wir persönlich allerdings eher selten nutzen.» Er ist überrascht, dass aus einer so einfachen Anfrage ein so grosses öffentliches Thema geworden ist.

Steve führt aus, dass er auf Instagram eine Zielgruppe zwischen 25 und 35 Jahren erreiche. «Entsprechend hätten wir dem Studio die Möglichkeit geboten, seine Dienstleistungen bei einer für die Beautybranche interessanten Zielgruppe zu präsentieren», erklärt er.

Gemini’s prüft jede Kooperationsanfrage kritisch

Lejla versteht, dass Steves Reichweite wertvoll ist. Aufrufe allein bringen ihrem Unternehmen aber nichts. «Ob ein Unternehmen von Reichweite profitiert, hängt von vielen Faktoren ab: Passt die Community zur Branche? Wo leben die Menschen, die erreicht werden? Interessieren sie sich für unsere Behandlungen? Werden aus den Aufrufen tatsächlich Anfragen und aus diesen Anfragen zahlende Kundinnen und Kunden?»

Bevor Lejla eine Kooperation annimmt, muss sie sich sicher sein, dass die Zielgruppe des Influencers, die vereinbarten Leistungen und die gegenseitige Wertschätzung passen. «Unsere Kosten für Arbeitszeit, Produkte, Geräte und Personal entstehen sicher. Ob die Werbung zusätzlichen Umsatz bringt, garantiert uns niemand. Deshalb muss ich als Unternehmerin abwägen, ob der mögliche Nutzen unseren Einsatz rechtfertigt.»

Wie stehst du zu Beauty-Kooperationen, bei denen Behandlungen gegen Reichweite getauscht werden?

Dem widerspricht Merson nicht. «Eine Behandlung hat selbstverständlich einen wirtschaftlichen Wert. Diesen habe ich nie infrage gestellt. Gleichzeitig hat aber auch eine Werbeleistung einen Wert. Marketing ist für Unternehmen grundsätzlich mit einem gewissen Aufwand verbunden. Ob man dafür ein klassisches Werbebudget einsetzt oder im Rahmen einer Kooperation Dienstleistungen gegen Werbepräsenz tauscht, ist letztlich eine unternehmerische Entscheidung.» Eine Absage vom Studio wäre für ihn komplett in Ordnung gewesen.

«Mein Reel war bewusst überspitzt.»

Lejla Bilalic

Für das Reel bekommt die Unternehmerin gemischte Reaktionen. Einige verstehen ihre Kritik, andere finden sie überheblich. «Mein Reel war bewusst überspitzt. Social Media polarisiert, und nicht jeder muss meinen Humor teilen», erklärt sie. Lejla möchte mit dem Video nicht Steve persönlich angreifen, sondern auf ein ernstes Thema aufmerksam machen: «Influencer möchten für ihre Dienstleistungen bezahlt werden. Unternehmerinnen und Unternehmer genauso.»

Dass sie seinen Namen im Reel nicht zensiert hat, begründet sie damit, dass er die Mail unter seinem öffentlichen Künstlernamen geschrieben hat. «Meiner Meinung nach kann daraus keineswegs persönliche Kritik abgeleitet werden. Wer auf Social Media öffentlich als Influencer auftritt und Kooperationen unter seinem Namen anfragt, lebt letztlich auch von dieser Sichtbarkeit.»

Steve Merson folgen auf Instagram 294’000 Menschen.

Steve Merson folgen auf Instagram 294’000 Menschen.Aris van Essel

Steve kritisiert das Timing des Reels

Steve meint, dass es nicht seine Art wäre, einen privaten Mailverlauf öffentlich zu posten. Er findet es widersprüchlich, dass einerseits seine Reichweite infrage gestellt wird und andererseits sein Name inklusive Profilverlinkung gezielt für einen öffentlichen Beitrag verwendet und die dadurch entstandene Reichweite anschliessend sogar als Erfolg hervorgehoben werde.

«Was mich zusätzlich etwas nachdenklich stimmt, ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung. Meine ursprüngliche Anfrage stammt bereits aus dem Mai. Weshalb diese nun rund fünf Monate später, im Oktober, öffentlich gemacht wurde, kann ich mir ehrlich gesagt nicht erklären», meint er abschliessend. Einen Austausch zwischen ihm und dem Studio gab es seit der Veröffentlichung des Reels nicht.

Leonie Projer

Leonie Projer (pro), Jahrgang 1997, ist stellvertretende Leiterin im Ressort People und arbeitet seit Oktober 2022 bei 20 Minuten. Ihre ersten journalistischen Erfahrungen sammelte sie bei Tele M1 und «ArgoviaToday».

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