Vorwürfe gegen Soldaten: Sexuelles Fehlverhalten: Bundeswehr meldet 724 Verdachtsfälle

Vorwürfe gegen SoldatenSexuelles Fehlverhalten: Bundeswehr meldet 724 Verdachtsfälle
06.11.2026, 07:45 Uhr

Die Bundeswehr steht in der Kritik - mal wieder. Erst kürzlich sorgen Berichte über Drogenmissbrauch und sexuellem Fehlverhalten in der Truppe für Aufsehen. Bei letzterem liegen nun konkrete Zahlen vor. Sie zeigen, wie groß das Problem wirklich ist.
Die Bundeswehr hat zwischen 2023 und 2025 insgesamt 724 Fälle, bei denen Soldatinnen oder Soldaten wegen eines möglichen Verstoßes gegen die sexuelle Selbstbestimmung beschuldigt waren, an die jeweils zuständigen Staatsanwaltschaften abgegeben. Sexuelles Fehlverhalten könne bereits unterhalb der Strafbarkeitsschwelle einen Verstoß gegen die soldatischen Pflichten darstellen und zu einem gerichtlichen Disziplinarverfahren führen, teilte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums mit.
Die Sprecherin erklärte weiter, dass die Bundeswehrdisziplinaranwaltschaft zwischen 2024 und 2026 insgesamt 452 Verfahren wegen sexuellen Fehlverhaltens eingeleitet habe. Davon seien bis zum 4. November dieses Jahres 163 Verfahren rechtskräftig abgeschlossen worden - in 84 Fällen durch Einstellung. Dabei würden bei der Bildung einer gerichtlichen Disziplinarmaßnahme sämtliche zum Zeitpunkt der Entscheidung nachgewiesenen Pflichtverletzungen herangezogen, fügte die Sprecherin hinzu. Dazu könne auch sexuelles Fehlverhalten zählen.
Die Bundeswehr hat seit Jahren mit einer wachsenden Zahl von Meldungen über sexuelles Fehlverhalten zu tun. Zuletzt wurden davon nur die Skandale an den Standorten Zweibrücken (Rheinland-Pfalz) und Weißenfels (Sachsen-Anhalt) einer größeren Öffentlichkeit bekannt.
Das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr hat infolge dieser Entwicklung eine Dunkelfeldstudie in Auftrag gegeben, um einen Gesamtüberblick über das Problem zu bekommen. Dabei wurden alle Soldatinnen zu ihren persönlichen Erfahrungen befragt. Die Studie ist nach ntv-Informationen abgeschlossen. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius stellt sie in der nächsten Sitzung des Bundestags-Verteidigungsausschusses am Mittwoch nächster Woche vor. Vorher wird die Truppe über die Ergebnisse informiert.
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