Denkmal für Schweizer Rockband – Züri West bekommen einen Stern – am Himmel über Bern

Ja, Kuno Lauener, der Frontmann von Züri West, lebt seit vielen Jahren in Bern-Bethlehem. Und nein, er wohnt nicht in einem der Hochhäuser, die das Quartier am westlichen Berner Stadtrand prägen. Sein Herz aber schlägt für dessen soziale und kulturelle Vielfalt.
Und so macht es Sinn, dass man einigen seiner Songs nun in Bethlehem begegnet. Auf unerwartete Weise. Fans der Berner Mundartrockband dürfte dies ebenso ansprechen wie Menschen, die noch nie von ihr gehört haben.
Western in Niederwangen
Zum Beispiel begegnet man den Songs in Form einer übergrossen Teppichstange. Einst gehörten solche Stangen zum Inventar jeder Schweizer Siedlung. Mit dem Triumphzug des Staubsaugers verschwanden sie, oder haben nur noch Nostalgiewert.
Wie im Lied «1968» von Züri West, in dem ein hochdramatischer Western erzählt wird. Dort wird die Teppichstange einer Siedlung in Niederwangen zum Treffpunkt einer Gang abenteuerlustiger Kinder.
Jetzt steht eine Teppichstange in der neu angelegten Grünfläche des Holenackers, übergross, goldfarben bemalt. Kinder klettern daran hoch, spannen ihre kleinen Hände um das dicke Rohr, bis die Schwerkraft sie zum Loslassen zwingt.
Er habe den Massstab bewusst vergrössert, sagt der Künstler Christian Grogg. Das Ganze sei mehr Skulptur als Kinderspielgerät. Dass die Kinder sie trotzdem in Beschlag nehmen, freut ihn.
Fantasie-Boost
Eine weitere Installation von Grogg präsentiert sich knapp eine Woche nach ihrer Einweihung bereits mit Filzstift-Kritzeleien bemalt: Sterne aus Beton, zwei Meter im Durchmesser, 50 Zentimeter hoch. Wie hingeworfen liegen sie am Weg zur Siedlung. Vor einer Woche waren sie noch weiss. Jetzt ist einer von ihnen bunt.
Die Sterne sind eine weitere Reminiszenz an Züri West. Von Lauener hingekritzelte Sterne finden sich auf vielen seiner Alben, sind so etwas wie ein Markenzeichen.
Anfang Bildergalerie
-
Bild 1 von 3. Züri West am Wegesrand: Die Installation ist bereits angenommen und verziert worden. Bildquelle: Christian Grogg.
-
Bild 2 von 3. Ein weiterer der Riesensterne ruht am Rand einer Grünfläche … Bildquelle: SRF/Bernard Senn.
-
Bild 3 von 3. … und einer von ihnen strahlt in luftiger Höhe, hoch über Bern-Bethlehem. Bildquelle: Christian Grogg.
Ende der Bildergalerie
Zurück zum Anfang der Bildergalerie.
Sterne sind universell, leicht lesbar und regen die Fantasie an. Deshalb hat Grogg vier von ihnen im Holenacker platziert. Drei auf dem Boden und einen in 80 Metern Höhe, auf dem Dach des höchsten Hochhauses. Von dort strahlt er nun weitherum und hat das Zeug zum Wahrzeichen.
Kunst für den Alltag
Weitere Installationen sind im Entstehen: So soll der Eingangsbereich des Hochhauses mit der Nummer 85 zu einer Art Pinnwand für Zeichnungen und zum Setzkasten für Gegenstände aus dem Lauener-Universum werden.
Das halböffentliche Entrée sei kein Ausstellungsraum, sagt Grogg. Vielmehr ein Ort für Bilder und Dinge, die den Bewohnerinnen und Bewohnern aus aller Welt vielleicht ein Lächeln entlocken. Oder einen Gedanken mit in den Tag geben. An einer der Hochhauswände wird bald auch ein träfer Vierzeiler von Kuno Lauener zu lesen sein.
Quitten mit Potenzial
Eine besonders reizvolle Reminiszenz an die Band, die wegen der Krankheit ihres Frontmanns nie mehr in Originalbesetzung auftreten wird, ist ein Quittenbaum. Bald wird er gepflanzt. Die Quitten gehören dann den Menschen im Holenacker. Und solch ein Quittenbaum hat multikulturelles Potenzial.
Wer mit Laueners Texten vertraut ist, dürfte dann beim Anblick der gelben, etwas knittrigen Früchte schmunzeln. Denn in einem 2017 veröffentlichten Song heisst es: «Siebe Haar a drizäh Reihe / D′Friise het chli glitte / D′Gsichtszüg hange mir uf ds Chini / I gseh fängs us wie ne Quitte.»
Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 25.9.2026, 17:10 Uhr.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.