Astronomie: Extrem junge Doppelsterne haben einander erst vor 60 Jahren gefunden
Ein internationales Forschungsteam hat mit dem Radioteleskopverbund ALMA zwei Sterne entdeckt, bei denen wir womöglich in Echtzeit beobachten können, wie sie sich zu einem Doppelsternsystem vereinen. Das haben die Verantwortlichen des Atacama Large Millimeter/submillimeter Array jetzt öffentlich gemacht und erklären, dass die beiden Protosterne einander erst vor 60 Jahren eingefangen haben. In kosmischen Maßstäben entspricht das einem Wimpernschlag. Noch könne man auch gar nicht abschließend sagen, ob die beiden einander jetzt nur vorübergehend begegnet seien, oder ob sie tatsächlich zueinander gefunden haben und fortan ein gemeinsames Sternsystem bilden. Das könne man aber womöglich durch künftige Beobachtungen klären.
Viele Puzzlestücke, eine Erklärung
Wie die Forschungsgruppe ausführt, hat sie das System mit der Bezeichnung IRAS 07299−1651 schon 2019 untersucht. Damals sei man aber noch davon ausgegangen, dass es sich um zwei massive Protosterne handele, die gemeinsam entstehen. Dazu habe lediglich die Ausrichtung ihrer großen Staubscheiben nicht gepasst, weil sie nicht in einer Ebene lagen. Über acht Jahre haben sie dann die Bahnen der beiden Himmelskörper mit ALMA vermessen und die Daten dann mit Messungen anderer Teleskope abgeglichen, darunter des Weltraumteleskops James Webb. Am Ende hätten sie damit die dreidimensionale Architektur des Systems rekonstruieren können. Alle Geräte hätten dabei ein anderes Puzzlestück beigetragen.
Schließlich habe sich ein kohärentes Bild ergeben, das nicht zum Szenario der gemeinsamen Entstehung gepasst habe: Die Analyse legt demnach nahe, dass die beiden Sterne getrennt voneinander entstanden und sich zufällig begegnet sind, als sie sich noch immer in ihren Staubscheiben befanden. Die größte Annäherung aneinander haben sie demnach vor 60 Jahren erreicht und die Staubscheiben scheinen diese intakt überstanden zu haben: „Diese Studie zeigt, dass die frühen Lebensphasen von Sternen recht chaotisch verlaufen können, mit einer zufälligen Begegnung, die zu diesem Gravitationstanz und einer stellaren Kopplung führt“, sagt Studienmitautor Jonathan Tan.
Auf Basis der bisher gesammelten Daten könne man noch nicht sagen, ob die beiden Sterne tatsächlich gravitativ aneinander gebunden seien, schreibt das Team noch. Ihre aktuelle Bewegung liege nahe jener Linie, die zwischen einem gebundenen Orbit und einer künftigen Trennung liege. Die Interaktionen mit dem sie umgebenden Gas könne noch darüber entscheiden, welchen der beiden Wege die Sterne einschlagen. Das Forschungsteam selbst will das weiter beobachten und zudem erforschen, wie häufig solche zufälligen Begegnungen zur Entstehung von Doppelsternsystemen führen. Die Forschungsarbeit selbst wurde in Nature Astronomy veröffentlicht.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.