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Saturday, October 24, 2026

Killer-Pillen sind zurück in der Schweiz

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Trump-Kopf mit üblem Inhalt

Killer-Pillen sind zurück in der Schweiz

Für Partygänger ist der Stoff ein Albtraum. Schon geringe Mengen können tödlich sein. Nun ist die bedrohliche Substanz zurück in Europa.

Publiziert: vor 41 Minuten

  • Im Zürcher Drug Checking wurde im Juni eine als MDMA gekaufte Pille mit gefährlichem PMMA abgegeben
  • Seit Sommer weisen Drug Checkings PMMA in mehreren Ländern nach, in der Schweiz in Zürich und Biel BE
  • In der Vergangenheit kam es zu mehreren Todesfällen in Zusammenhang mit PMMA-Pillen
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Robin BäniRedaktor

Anfang Juni landet eine gefährliche Pille im Zürcher Drogeninformationszentrum. Sie passt auf eine Fingerkuppe und wiegt weniger als eine Büroklammer. Die Person, die sie beim Drug Checking abgibt, hatte die Pille als MDMA erworben, eine bekannte, illegale Partydroge. Dann zeigt der Test etwas anderes.

In der Probe steckt Para-Methoxymethamphetamin, kurz PMMA. Für Partygänger ist der Stoff ein Albtraum. Schon geringe Mengen können lebensgefährlich sein. Jahrelang galt die Substanz in der Drogenszene als verschwunden. Nun ist sie zurück in Europa, und Fachleute rätseln, weshalb.

Ein violetter Skorpion

Die Liste der betroffenen Länder ist lang: Österreich, Belgien, Deutschland, England, Italien, Spanien, die Niederlande. Überall haben Drug Checkings seit diesem Sommer die bedrohliche Substanz nachgewiesen. In der Schweiz beschränken sich die Fälle bislang auf die Stadt Zürich, abgesehen von einem Fund in Biel BE. Die Pillen kommen in unterschiedlichen Formen und Farben daher. Mal ist ein violetter Skorpion zu sehen, dann ein schwarzes Red-Bull-Logo oder ein roter Kopf von Donald Trump.

Zuletzt kursierte PMMA vor über zehn Jahren in grösseren Mengen auf dem Schwarzmarkt. Zwischen 2010 und 2014 kam es zu mehreren Todesfällen, die mit dem Stoff in Verbindung stehen. Allein in Norwegen sind innert eines halben Jahres 12 Menschen gestorben, 22 erlitten schwere Vergiftungen. Aus Irland sind mindestens 6 Todesfälle bekannt, aus Kanada 27.

Zwar lasse sich nicht jeder Fall ausschliesslich auf PMMA zurückführen, schreibt das Trans-European Drug Information Network (TEDI). Das Muster sei aber eindeutig: «Die Substanz ist weitaus gefährlicher als MDMA.» Besonders dann, wenn Betroffene nicht wüssten, was sie einnehmen.

Über 43 Grad Körpertemperatur

Gleich mehrere Eigenschaften machen den Konsum von PMMA-Pillen besonders riskant. «Der Stoff wirkt heimtückisch», sagt Joël Bellmont (43), Co-Leiter des Drogeninformationszentrums in Zürich. Bei MDMA setzt die Wirkung nach 30 bis 60 Minuten ein, bei PMMA erst nach 1 bis 2,5 Stunden. «Wer den Stoff konsumiert, hält ihn für zu schwach, legt nach, und so kann es zur Überdosierung kommen», erklärt Bellmont das übliche Vergiftungsmuster.

Hinzu kommt: PMMA löst nur ein schwaches Rauschgefühl aus, belastet den Körper aber enorm. Schon geringe Mengen setzen massenhaft Serotonin frei, einen körpereigenen Botenstoff, der unter anderem negative Gefühle dämpft. In dieser Menge treibt er das Herz-Kreislauf-System aber an seine Grenzen. Zugleich blockiert PMMA ein Enzym, das Serotonin normalerweise abbaut. Die Folgen: Krampfanfälle, Brustschmerzen, Atemnot und schlimmstenfalls eine Überhitzung. Bei den bekannten Todesfällen sind teils Körpertemperaturen von über 43 Grad dokumentiert.

«Wir tappen im Dunkeln»

Weshalb PMMA nun plötzlich wieder in Pillen auftaucht, ist unklar. «Wir tappen komplett im Dunkeln», sagt Bellmont. Eigentlich ergebe es keinen Sinn, MDMA mit dieser Substanz zu strecken. MDMA sei derzeit ohnehin in grossen Mengen und günstig verfügbar. Zudem sei PMMA nicht besonders preiswert und lasse sich nur durch eine komplexe Synthese herstellen.

In der Schweiz wurden Pillen mit PMMA zuletzt Ende September nachgewiesen. Bellmont hofft, dass es sich hierzulande um ein zeitlich begrenztes Phänomen handelt. Der gefährliche Stoff kursiert aber weiterhin in Europa, wie das Trans-European Drug Information Network berichtet. Bellmont sagt: «Der Stoff kann jederzeit wieder in der Schweiz auftreten.» Es sei daher wichtig, alle Pillen testen zu lassen. Ohnehin sei eine allgemeine Zunahme von verunreinigten Pillen zu beobachten. Mit allerlei hochpotenten Mitteln.

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