Vranjes spricht über Golla-Rückkehr: "Es gibt ja eine Klausel"
Johannes Golla möchte zurück zur SG Flensburg-Handewitt - doch wie realistisch ist eine Rückkehr des Kreisläufers? Im Interview mit handball-world spricht Sportchef Ljubomir Vranjes über die Haltung der SG und eine entscheidende Vertragsklausel. Zudem gibt der Schwede Einblicke in seine Transferstrategie und die Herausforderungen frühzeitiger Kaderplanung.

Johannes Golla will zur SG Flensburg-Handewitt zurückkehren. IMAGO/Eibner
Johannes Golla hat den Wunsch geäußert, zur SG Flensburg-Handewitt zurückzukehren. Wie ist der aktuelle Stand? Stehen Sie dazu mit ihm oder der MT Melsungen in Gesprächen?
Ljubomir Vranjes: Momentan nicht. Wir unterstützen Johannes und seine Familie natürlich. Und wenn es eine Möglichkeit geben sollte, dass er zurück wechseln kann, dann sind wir auch offen. Es gibt ja eine Klausel, und sollte Johannes die ziehen, sind wir natürlich bereit.
Sie sprechen eine Klausel an, die eine mögliche Rückkehr erleichtern könnte. Was können Sie über diese Vereinbarung sagen?
Vranjes: Ich werde nicht über Inhalte sprechen. Das ist eine Sache zwischen Johannes, der MTM und uns. Wir wollen das nicht in den Medien diskutieren. Wir wollen das professionell im Hintergrund lösen. Über Johannes und Melsungen und die SG jetzt öffentlich zu reden, finde ich nicht notwendig, da auch andere Spieler eine Klausel haben. Zum Beispiel Simon Pytlick, der bis 2030 unterschrieben hatte. Er hat auch seine Klausel gezogen für 2027. Das ist so. Ob man das jetzt gut findet oder nicht gut findet - da gibt es wahrscheinlich viele, viele verschiedene Meinungen. Aber man muss es akzeptieren, sonst schreibt man keine Klausel.
Der Fall Golla hat eine grundsätzliche Debatte über Ausstiegsklauseln und frühe Vereinswechsel ausgelöst. Die HBL beschäftigt sich mit der Einführung eines Transferfensters. Wäre das aus Ihrer Sicht ein sinnvoller Schritt?
Vranjes: Das ist schwer. Wenn das nur ein Wechsel innerhalb Deutschlands ist, ja. Aber wir sehen uns europaweit nach Spielern um, die für uns sehr interessant sind. Dann reicht das nicht, wenn Deutschland das nun macht. Das kann ein Schritt sein. Was man überlegen muss, ist ja, als Verein - ich rede nur von meiner Sichtweise -, ob ich überhaupt eine Klausel in einem Vertrag haben möchte.
Nach Informationen von handball-world enthalten die Verträge der Costa-Brüder und von Victor Klöve keine Klauseln. Ist das der Ansatz der SG?
Vranjes: Die Frage ist ja: Warum kommt ein Spieler zu uns? Wenn das für ihn wichtig ist, nach zwei Jahren eine Klausel zu haben - ist er dann überzeugt oder ist er nicht überzeugt, bei uns zu spielen? Das ist etwas, womit ich mich gerade beschäftige. Ich versuche, Spieler von der SG und unserem Weg zu überzeugen, damit sie sich für uns entscheiden und nicht nur für einen Arbeitsvertrag. Ich mag es, wenn man für etwas Gemeinsames steht. Ich bin froh, dass uns das bei einigen Vertragsgesprächen gelungen ist.
Die Kaderplanung beginnt bei vielen Klubs immer früher. Wie schwierig ist es geworden, langfristig zu planen - gerade mit Blick auf auslaufende Verträge?
Vranjes: Alle Vereine machen das. Es sind ja nicht nur Melsungen oder die SG oder Berlin. Und dann ist das schwer. Ich weiß nicht, wie man das lösen kann. Wir schauen natürlich auch schon für 2028. Verträge laufen aus bei uns. Und da muss man natürlich sehen, in welche Richtung wir gehen wollen. Wollen wir mit unseren Spielern verlängern? 2027 ist dafür zu spät. Der Handball ist in eine Richtung gegangen, wo man sich wirklich früh orientieren muss, wenn man einen Spieler haben will. Sonst ist er weg. Das ist ein Risiko.
Kann ein Spieler zwei Jahre im Voraus wissen, ob er dann noch genauso zu einem Verein steht? Bei Johannes Golla scheint die familiäre Situation eine wichtige Rolle zu spielen.
Vranjes: Ich weiß nicht genau, was bei Johannes ist. Zu uns kam er und hat über seine familiäre Situation gesprochen. Wir haben das verstanden und auch gesagt, dass wir hinter ihm und seiner Familie, Elena und den Kindern, stehen. Er ist acht Jahre hier gewesen. Es wäre komisch, wenn wir das nicht tun würden. Ich glaube nicht, dass es eine Geldsache ist. Sondern er fühlt sich nicht wohl, also seine Familie. Da muss man ihn fragen.
Ist es Ihr Ziel, Johannes Golla möglichst bald wieder im Trikot der SG zu sehen?
Vranjes: Erst einmal müssen Johannes und die MT Melsungen ihre Themen klären. Da mischen wir uns nicht ein. Anders als bereits berichtet, ist unser Beiratsmitglied Dr. Jan Reese nicht der bevollmächtigte Rechtsbeistand von Johannes. Wie gesagt, wir sind bereit, wenn sich eine Möglichkeit ergibt.
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