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Tuesday, October 20, 2026

US-Verhalten gegenüber Ukraine – Friedensforscher: «Kurzfristige Betrachtung ist hochgefährlich»

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Das Verhältnis zwischen den USA und der Ukraine ist angespannt. US-Präsident Donald Trump schürt Zweifel, ob die USA die Ukraine weiterhin unterstützen wollen. Mit der Aussage «Wir haben der Ukraine sehr viel gegeben und sie haben uns nichts gegeben» hat Trump aufhorchen lassen. Der Konflikt- und Friedensforscher Michael Brzoska erklärt, was man von einem Land im Krieg überhaupt erwarten kann.

Michael Brzoska

Friedens- und Konfliktforscher

Michael Brzoska ist Friedens- und Konfliktforscher und beschäftigt sich seit über 40 Jahren mit sicherheitspolitischen Themen. Brzoska arbeitet unter anderem für das Institut für Friedensforschung- und Sicherheitspolitik der Universität Hamburg, dessen Direktor er bis vor zehn Jahren war.

SRF News: Was haben Sie gedacht, als Sie die Aussage Trumps gehört haben?

Michael Brzoska: Typisch Donald Trump. Er denkt «transaktionalistisch», das heisst, Trump guckt immer: «Wo ist mein Vorteil?» Und das auch noch sehr kurzfristig. Momentan ist es so, dass es kurzfristig für Trump wenig Vorteile gibt, wenn er die Ukraine unterstützt. Dies, weil er versucht, mit den Russen, mit Wladimir Putin, ins Geschäft zu kommen, um dann möglicherweise bessere Karten in seinem eigenen Wahlkampf zu haben.

Trump hofft, dass, wenn Putin ihn mit Lieferungen von Benzin, möglicherweise auch Öl, unterstützt, dies die Preise in den USA senkt. Und da ist ihm die Ukraine im Weg, weil die Ukraine natürlich dagegen protestiert.

Ist es eine Entwicklung heutzutage, dass man bei Unterstützungsleistungen viel eher mal in Kosten und Nutzen denkt, oder ist dies eine Trump-spezifische Haltung?

Das Denken in Kosten und Nutzen ist weitverbreitet und durchaus auch richtig. Man muss das ernst nehmen und nicht nur, obwohl das auch wichtig ist, nach Werten handeln oder seine eigenen Vorteile ausser Acht lassen. Aber man muss Kosten und Nutzen nicht nur sehr kurzfristig bedenken, wie dies Trump tut, sondern auch langfristig denken, und dann verändern sich häufig die Kosten-Nutzen-Kalküle.

Wenn man auf die Ukraine schaut, ist eine kurzfristige Betrachtung hochgefährlich. Bei einer langfristigen Betrachtung komme ich jedenfalls eindeutig zum Ergebnis, dass die Ukraine weiter unterstützt werden sollte.

Was bringt es, wenn man ein Land wie die Ukraine, auf lange Sicht hin unterstützt?

Die jetzige Situation ist für Russland, für die Ukraine, aber auch für den Rest Europas schwierig, teuer und erfordert viele Opfer in der Ukraine und Russland. Diesen Konflikt zu beenden, bringt grosse Vorteile. Der politische Vorteil wäre, dass die Spannungen in Europa, die nun auch die Aufrüstung antreiben, weniger würden. Es würde auch wirtschaftlich wahrscheinlich für alle von Vorteil sein, wenn mit Russland der Handel wieder laufen könnte.

Die grösste Gegenleistung, die die Ukraine im Moment bringt, ist, dass sie der russischen Expansion Einhalt gebietet.

Es gibt also klare Vorteile einer Beendigung des Konfliktes, allerdings natürlich nur zu Bedingungen, die auch langfristig Frieden sichern können. Dass man nur kurzfristig aufhört zu kämpfen, kann nicht sein, aber die Aussicht auf einen längerfristigen Frieden ist nicht gut, weil alle Beteiligten weiter an Aufrüstung festhalten.

Was kann man denn von einem Land im Krieg überhaupt als Gegenleistung erwarten?

Die grösste Gegenleistung, die die Ukraine im Moment bringt, ist, dass sie der russischen Expansion Einhalt gebietet und damit den Russen auch deutlich macht, dass es eben nicht so einfach ist, mit militärischer Macht irgendetwas zu erreichen.

Was die Ukraine zudem bieten kann, ist, dass sie sich immer stärker an westlichen Werten orientiert und insofern wohl auch längerfristig ein Teil der europäischen westlichen Integration wird. Damit stärkt sie zum Beispiel auch langfristig die Europäische Union. Aber das ist natürlich erst wirklich von Vorteil für die Europäische Union, wenn der Krieg in der Ukraine aufhört.

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