Kampf gegen Trockenheit – Kritik an Wasserstrategie des Bundes

In der Schweiz wird viel Wasser verbraucht. Die Landwirtschaft braucht es, um zu bewässern, die Datenzentren, um gekühlt zu werden, die Schlachthöfe, um gereinigt zu werden.
Doch das kühle Nass wird immer mehr zu einem kostbaren Gut. Seit Wochen leidet die Schweiz unter der Trockenheit. Der Bund reagiert darauf mit verschiedenen Massnahmen. Bauern erhalten Unterstützung und Helikopter der Armee transportierten Wasser zu abgelegenen Alpwiesen.
Nun hat Umweltminister Albert Rösti auf eine neue Wassermanagement-Strategie verwiesen, die derzeit in Arbeit ist. Das Ziel: ein sorgsamerer Umgang mit der begrenzten Ressource.
Strategie soll nachgebessert werden
Die geplante Strategie zur Verwaltung des Wassers wird jedoch kritisiert. Sie nütze zu wenig, sagen Stimmen aus Wissenschaft und Politik. Das Problem: Wie viel Wasser die Landwirtschaft und die Industrie genau beziehen, weiss niemand. Kritiker befürchten, dass dies so bleibt.
Jürg Grossen, Präsident der Grünliberalen (GLP), sagt dazu: «Die Wassermanagement-Strategie ist zu wenig weitgehend. Sie beinhaltet keine Datenerhebung. Damit man das machen kann, muss das Gesetz geändert werden.» Die GLP will deshalb mit politischen Vorstössen fordern, dass der Bund beim Umgang mit Wasser nachbessert.
Wir können einfach nicht eine natürlich begrenzte Ressource bewirtschaften, ohne genau zu kennen, woher das Wasser kommt und wohin es geht.
Auch die Wissenschaft kritisiert die Stossrichtung des Bundesrates. Bettina Schaefli, Wasserforscherin an der Universität Bern, befürchtet, dass der Bund das Sammeln von Daten zum Wasserverbrauch zu wenig ernst nimmt. Fehlende Daten seien ein grosses Problem.
«Landwirtschaft und Industrie zusammen verbrauchen bis zu 50 Prozent des Wassers in der Schweiz aus privater Förderung. Das wird kaum gemessen. Und wir können einfach nicht eine natürlich begrenzte Ressource bewirtschaften, ohne genau zu kennen, woher das Wasser kommt und wohin es geht», sagt Schaefli.
Umfassende Daten zum Wasserverbrauch wären für die kantonalen Behörden aber zentral, um bei einem Mangel faire und begründete Entscheidungen treffen zu können. Schaefli fordert deshalb mit Blick auf die Wassermanagement-Strategie des Bundesrats: «Wir müssen vom Stadium von Empfehlungen wegkommen, wie das heute der Fall ist, und wirklich vom Bund präzise Vorgaben erhalten.»
Bund verweist auf laufende Arbeiten
Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) nimmt diese Kritik ernst. Bafu-Direktorin Katrin Schneeberger sagt: «Es laufen aktuell sehr viele Arbeiten im Bereich der Wassermanagement-Strategie und damit auch die Prüfung dieser Datengrundlage. Wir arbeiten an einem Datenkonzept und daraus wird sich dann zeigen, was noch zusätzlich erforderlich ist.»
Auf kantonaler Ebene ist derweil schon mehr geplant. Die Berner Kantonsregierung etwa will nicht auf den Bund warten und plant, selbst Daten zum Wasserverbrauch zu erheben. Auch um für künftige Trockenphasen besser gewappnet zu sein.
Tagesschau, 13.8.2026, 19:30 Uhr ; Yuki Schmid Hossli und Manuel Ramirez
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.