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Tuesday, September 29, 2026

Westjordanland: Siedler verhindern Rückkehr vertriebener Palästinenser

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Israelische Sicherheitskräfte und Journalisten laufen über das Grundstück der Familie Tubassi.

Stand: 29.09.2026 • 17:50 Uhr

Selbst Israels Premier schaltete sich in den Fall ein: Familie Tubassi wurde von jüdischen Siedlern aus ihrem Haus im Westjordanland vertrieben. Sie wehrte sich erfolgreich vor Gericht. Doch auch das half ihr nicht.

Von Felicitas Boeselager, ARD Tel Aviv

Seit fast 70 Tagen kann Familie Tubassi nicht mehr in ihr Haus in Dschalud im Westjordanland zurückkehren. Am Telefon erzählt Mahmude Tubassi, wie er Ende Juli von extremistischen israelischen Siedlern vertrieben wurde.

95 Tage lang war das Haus belagert. Jeden Tag kamen sie, warfen Steine auf das Haus und beschädigten es. Sie schnitten Wasser und Strom ab und blockierten den Weg. Ich hatte kein Essen mehr. Mit Waffen haben sie mich gezwungen, entweder das Haus zu verlassen oder zu sterben.

Mahmude Tubassi

Als sich die Situation weiter zuspitzte, verließ Tubassi schließlich sein Haus gemeinsam mit seiner Familie. Aber er wehrte sich vor Gericht gegen die Vertreibung und bekam Recht: Er musste zurückkehren dürfen. So eskortierten ihn israelische Soldaten und Grenzpolizisten in einer Autokolonne zurück in sein Dorf.

Mahmude Tubassi schaut mit seiner Frau aus einiger Entfernung auf ihr gemeinsames Grundstück.

Neue Angriffe nach Rückkehr

Sie seien kaum fünf Minuten wieder daheim gewesen, da hätten die Siedler erneut angegriffen, Steine geworfen und geschrien, erzählt Tubassi. Er sei überrascht gewesen von der Anzahl der Siedler, fast 150 seien es gewesen.

Der Palästinenser erzählt, dass die Soldaten versuchten, ihn und seine Familie zu verteidigen, dass sie Pfefferspray gegen die Siedler einsetzten. Aber als es ihnen nicht gelang, die Situation zu kontrollieren, brachten sie die Familie zurück zu den Autos. "Als die Siedler sahen, dass wir in ein Militärauto einstiegen, schlitzten sie die Reifen des Wagens auf", erzählt er.

Nach Angaben der israelischen Armee wurden bei den Aufständen drei Grenzpolizisten verletzt. Das Militär bestätigt, dass gewaltbereite Siedler Steine geworfen, Wege blockiert, Gebäude und Autos angezündet haben. Zwei von ihnen nahm die Polizei fest.

Premier verurteilt Angriffe einer "Handvoll Randalierer"

Überraschend äußerte sich Premierminister Benjamin Netanjahu zu dem Vorfall: Er verurteile die gewalttätigen Ausschreitungen aufs Schärfste sowie die Angriffe auf die Sicherheitskräfte, die vor Ort eintrafen, heißt es in einer Mitteilung aus seinem Büro. Die Handvoll Randalierer repräsentierten nicht die gesetzestreue Siedlergemeinschaft in Judäa und Samaria. So bezeichnet Netanjahu das von Israel besetzte Westjordanland.

Weiter sagte er, er stehe voll und ganz hinter den Angehörigen des Militärs und der Grenzpolizei, die sich für die Bekämpfung des Terrorismus und die Gewährleistung der Sicherheit einsetzen.

Die Situation im Westjordanland spitzt sich seit Monaten zu. Immer wieder attackieren extremistische Siedler palästinensische Dörfer, die israelische Regierung greift nach Ansicht vieler Kritiker nicht ausreichend gegen die Siedler durch.

Familie Tubassi lebt nun in anderem Dorf

Familie Tubassi kann nicht in ihr Zuhause zurückkehren. Mahmude Tubassi berichtet, dass sie schließlich in einen anderen Van umstiegen, nachdem der erste nicht mehr fahren konnte. "Wir haben durch die Fenster des Militärjeeps geschaut und gesehen, dass sie unsere Häuser angezündet haben."

Tubassi geht davon aus, dass sein Haus vollständig zerstört ist. Schon vorher hätten die extremistischen Siedler es schwer beschädigt. Er ist nun mit seiner Familie in einem anderen Dorf im Westjordanland untergekommen und sagt: "Gestern hatte ich das Gefühl, dass es mein Ende sein wird. Wir haben den Tod gesehen, sind fast gestorben und nun zum Leben zurückgekommen. Jetzt haben wir ein neues Leben."

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