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Sunday, October 18, 2026

Ungehobene Schätze: Fast-Tech als Goldmine

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Ob Mini-Ventilatoren, billige Ladegeräte oder die Smartwatch, die dabei helfen sollte, im neuen Jahr auch wirklich mehr Sport zu machen - in Europa besitzen etwa 44 Prozent der Menschen mindestens sechs "Fast-Tech"-Geräte. Bei mehr als der Hälfte davon liegen ungenutzte oder kaputte Geräte in der Schublade oder werden im normalen Haushaltsmüll entsorgt, anstatt recycelt zu werden.

Das hat WEEE Forum, ein europäischer Verband für die Sammlung elektrischer und elektronischer Abfälle mit Sitz in Brüssel, herausgefunden. Der Markt für Fast-Tech - also Elektronikgeräte mit kurzen Lebenszyklen - boomt. Der Verband zählt dazu Ladegeräte und Leuchtmittel, die weniger als zehn Euro kosten, Hightech-Geräte wie Powerbanks und Fitnesstracker, Apparate und Lifestyle-Produkte wie preisgünstige Mini-Mixer und -Ventilatoren ebenso wie elektronische Einmal-Vapes.

"Diese E-Geräte sind ein bisschen wie Fast-Fashion", sagt Magdalena Charytanowicz, die beim WEEE Forum für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, zur DW.

Ausrangierte Platine
Der Konsum von Fast-Tech-Produkten, zum Beispiel preisgünstigen E-Zigaretten, steigt und trägt zur wachsenden Elektroschrottkrise beiBild: Desmond Tiro/DW

Fast 40 Prozent der Käufer und Käuferinnen von Fast-Tech-Produkten berichteten, sie hätten solche Produkte schon unbenutzt oder innerhalb eines Monats nach dem Kauf entsorgt. Fast 60 Prozent gaben an, ein Produkt nicht länger als sechs Monate genutzt zu haben. Die überwiegende Mehrheit der Befragten war jedoch trotz der kurzen Lebensdauer im Allgemeinen zufrieden mit den Geräten.

Konsumenten scheinen also zu akzeptieren, dass diese "Fast-Tech-Schnäppchen" zwar von minderer Qualität sind, ihre Aufgabe aber für einen gewissen Zeitraum erfüllen und sich dann - wie bei Fast-Fashion - leicht ersetzen lassen.

Schlummernde Rohstoffe

Weltweit werden jährlich etwa 62 Millionen Tonnen Elektrogeräte entsorgt. "Das ist jedes Jahr so viel wie die Chinesische Mauer", sagt Charytanowicz und fügt hinzu, dass diese Menge bis 2030 wohl auf 82 Millionen Tonnen anwachsen wird.

In Europa wird etwa 40 Prozent des Elektroschrotts wiederverwertet, weltweit liegt diese Zahl jedoch bei nur 17 Prozent. Wertvolle Materialien gehen also verloren, während der Müll gleichzeitig die Umwelt vergiftet. 2022 schlummerten in den 10,7 Millionen Tonnen Elektroschrott, die in Europa erzeugt wurden, Millionen von Tonnen kritischer Rohstoffe, darunter Mangan, Gold, Kupfer und Aluminium.

Auslage mit E-Zigaretten
Auch kleine Billiggeräte enthalten wertvolle Rohstoffe und sollten recycelt werdenBild: Joel Carrett/AAP/dpa/picture alliance

Diese Materialien stünden "im Zentrum geopolitischer Spannungen", sagt Charytanowicz mit Verweis auf Konflikte, die weltweit um den Zugang zu seltenen Erden und anderen kritischen Mineralien zunehmen. "Selbst die kleinsten Geräte", die eine Platine oder einen Akku enthalten, seien den Aufwand des Recyclings wert, betont sie.

Das Bewusstsein dafür, wie preisgünstige Elektrogeräte zu entsorgen sind, müsse geschärft werden und die Wiederverwertung sollte so einfach wie möglich gestaltet werden, sagen Verbände wie das WEEE Forum. Der beste Ansatz, die Umweltbelastung eines Produkts zu verringern, bestünde jedoch darin, seine Lebensdauer durch besseres Design und Reparaturmöglichkeiten zu verlängern, denn für das Recyceln von Rohstoffen wird viel Energie benötigt.

Klarere, EU-weit harmonisierte Vorschriften, wie sie derzeit diskutiert werden, könnten dazu beitragen, die Sammlung von Elektronikschrott zu verbessern, hofft Charytan0wicz. Die vor 20 Jahren verabschiedete Richtlinie sei für die sich verändernde Realität nicht wirklich geeignet, meint sie.

Digitalisiertes Gesundheitswesen 

Eine weitere Ursache für den wachsenden Berg an Elektroschrott ist die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Produkte wie Diabetessensoren und Blutdruckmessgeräte mögen die Gesundheitsversorgung revolutionieren, doch bei vielen handelt es sich um Einwegprodukte.

Einer im Dezember 2025 in der Zeitschrift Nature veröffentlichten Studie zufolge könnte der Verkauf von tragbarer Elektronik, sogenannten Wearables, im Gesundheitsbereich bis zum Jahr 2050 weltweit auf zwei Milliarden Geräte jährlich anwachsen und zu weiteren Millionen Tonnen von Elektroschrott führen.

Utensilien zum Messen des Blutzuckerwerts
Mit einem anderen Design könnten viele digitale Geräte im Gesundheitsbereich wiederverwendet oder recycelt werdenBild: Marko Prpic/PIXSELL/picture alliance

Jeremy Faludi lehrt nachhaltiges Design-Engineering an der TU Delft in den Niederlanden. Im Gesundheitsbereich eingesetzte Geräte verwertbar oder wiederverwendbar zu machen, sei eine viel größere Herausforderung als bei anderen Gadgets, sagt er. Dies gelte insbesondere für digitale Geräte, die in Krankenhäusern eingesetzt oder von diesen ausgegeben werden.

Zum Teil liegt das an der Notwendigkeit, die Patienten vor Kontamination zu schützen, insbesondere beim Einsatz digitaler chirurgischer Instrumente, die mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten in Kontakt kommen. "Häufig sind diese so gestaltet, dass sie nicht wiederverwendet werden können, weil sie ohne die Elektronik kaum sterilisiert werden können", betont er.

Modulares Design als Ziel

Faludi war am Projekt Digital health in a Circular Economy (DiCE) beteiligt, eine von der EU finanzierte Initiative, die dabei helfen soll, digitale Geräte im Gesundheitsbereich so zu gestalten, dass "kritische Materialien wiederverwertet und die Umweltauswirkungen verringert werden, ohne die Sicherheit der Patienten zu gefährden".

Mit einem modularen Design zum Beispiel könnten die elektronischen Komponenten von den Bestandteilen getrennt werden, die von Patient zu Patient ausgewechselt werden müssen. So ließen sich die Geräte leichter wiederverwenden.

Das über vier Jahre laufende Projekt bezog Bürger und Bürgerinnen, Krankenhäuser und Hersteller in neun EU-Staaten ein, und ergab beispielsweise, dass wiederverwendbare EKG-Kabel - mit denen Patienten an Herzüberwachungsgeräte angeschlossen werden - die Umweltbelastung um zwischen 81 bis 94 Prozent reduzieren. Gewöhnlich sind diese Kabel für die einmalige Verwendung konzipiert.

Wie Wearables die Herzgesundheit revolutionieren

Vorschriften zur Entsorgung medizinischen Abfalls könnten die Wiederverwendung und das Recycling ebenfalls erschweren, insbesondere, wenn sich die Vorschriften von Land zu Land unterschieden und eher auf vermuteten als auf tatsächlichen Risiken basierten, erläutert Faludi. Etwa 85 Prozent des in Krankenhäusern anfallenden Abfalls ist nicht infektiös, doch der gesamte Abfall landet in denselben Behältern. Eine bessere Sortierung des Mülls sowie EU-weite Regelungen zum Umgang mit nicht-infektiösen Krankenhausabfällen könnte hier helfen.

"Grüne Anreize" für besseres Recycling

Wie so viele andere Elektrogeräte würden Geräte wie Blutdruck- oder Blutzuckermessgeräte oft in Schubladen vergessen oder nicht richtig entsorgt, weil die Menschen nicht wüssten, in welchen Müll sie gehören, sagt Charytanowicz von WEEE Forum, die auch an der DiCE-Initiative beteiligt war. 

Bei Pilotprojekten in Belgien, Spanien und Slowenien, die eine kostenlose Rücksendung per Post und Sammelstellen an öffentlichen Plätzen anboten, wurde festgestellt, dass über 60 Prozent der Menschen bereit waren, unerwünschte Geräte zurückzugeben, solange der Vorgang unkompliziert war.

"Wirklich wichtig ist, dass der Vorgang in die täglichen Abläufe integriert werden kann", betont Charytanowicz und fügt hinzu, dass "Anreize" wie zum Beispiel Botschaften, dass das Recyceln eines Geräts zur Gesundheit einer anderen Person beitragen könnte, die Menschen dazu motivierten, "das Richtige zu tun".

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