Kreuzfahrt-Weltreise endet vorzeitig in Kambodscha
Kreuzfahrt-Weltreise abgebrochen "Schon seit Monaten ging es bergab"
Stand: 02.11.2026 • 11:51 Uhr
Für manche sollte es eine Kreuzfahrt bis ans Lebensende werden - doch jetzt endete die Reise der "MV Odyssey" vorzeitig in Kambodscha. Grund sind laut Reederei die stark gestiegenen Treibstoffpreise.
Die Traumreise ist nun vorbei. Paul und Lynn Montoya aus den USA wollten eigentlich ihre Rente auf hoher See genießen. Eine Kabine auf dem Kreuzfahrtschiff "MV Odyssey" sollte es möglich machen. Sie verkauften ihr Haus und Auto, um sich für umgerechnet 160.000 Euro eine der Kabinen auf dem Schiff leisten zu können - so wie rund 200 andere Passagiere.
Entweder für immer, so wie die Montoyas, oder eine Kabine auf Zeit, die man mieten konnte, erzählt Paul Montoya. Nun sitzt er vor aufgetürmten Koffern und resümiert: "Wir haben viel Zeit damit verbracht, Unternehmen zu führen und unsere Familie großzuziehen - die Kreuzfahrt war unsere Gelegenheit, nun die Welt zu sehen." Doch nun haben sie ihr Hab und Gut wieder in zwei Koffer gequetscht und sitzen am Hafen von Sihanoukville in Kambodscha. Dort musste das Schiff gezwungenermaßen anlegen.
Treibstoffkosten stark gestiegen
Die Kosten seien zu hoch, insbesondere die Treibstoffpreise, so sagen es der Kapitän und die Betreiberfirma aus den USA. Man könne sich eine Weiterfahrt einfach nicht mehr leisten. Statt 1.600 Euro für eine Kabine stiegen die Kosten auf bis zu 7.000 Euro monatlich. Der Grund: der Iran-Krieg - heißt es jedenfalls von den Betreibern.
Passagier Paul Montoya hatte es kommen sehen: "Schon seit Monaten ging es bergab. Die Reederei des Schiffes hat immer mehr Geld verlangt, um die Fahrt fortsetzen zu können. Im April baten sie zum ersten Mal um einen Kredit für Treibstoff." Viele Passagiere beteiligten sich - auch in der Annahme, dass sie das Geld mit Zinsen zurückerhalten würden. Dass es viele Probleme gäbe, war vielen damals schon klar, so Montoya.
Erst sei das Internet schlechter geworden, dann das Essen, so Passagierin Barbara Figiel. Für sie war das Schiff eineinhalb Jahre ihr Zuhause. Viele der Gäste wollten kein Extrageld zahlen, sagt sie - für andere hingegen wäre es die Weiterreise wert gewesen, auch um den Traum am Leben zu halten.
"Wir wussten, dass etwas nicht stimmte"
Die Reederei bat die Passagiere immer wieder um mehr und mehr Geld, schildert Figiel. "Wir haben echt noch eine Kabine gekauft, damit es hier weiterging und um der Organisation zu helfen. Aber irgendwann fragt man sich: Wieviel Geld kann man ausgeben, um wortwörtlich ein sinkendes Schiff zu retten?"
Die plötzliche Ankündigung, innerhalb von nur sieben Stunden mit all ihren Habseligkeiten von Bord gehen zu müssen, traf Barbara Figiel unvorbereitet.
Paul und Lynn Montoya verlassen ihr Hotel in Kambodscha.
Der Schock sitzt noch tief
Für Figiel ist es immer noch ein kleiner Schock. Sie sagt, sie habe den Tag über die meiste Zeit geweint: "Als wir zum Schiff zurückgingen, um ein paar Wertsachen und andere Dinge zu holen, konnte ich nicht aufhören zu weinen. Ich habe mich von allen verabschiedet. Alle haben dasselbe gefühlt wie ich."
Hoffnung auf Weiterfahrt
Die Hoffnung, dass sich ein neuer Investor findet, ist groß. Einige der Passagiere überlegen nun sogar, das Schiff auf eigene Faust weiterzubetreiben, erzählt Rentnerin Laurie Poss. "Ich würde sagen, ich glaube nicht, dass es ausschließlich an den Treibstoffkosten lag. Es gab schon vorher finanzielle Probleme", so Poss. Sie hoffe, dass die Kreuzfahrt in irgendeiner Form weitergeht und das Schiff im Besitz der Passagiere sein könne. "Wir haben eine unglaublich talentierte Gemeinschaft. Geschäftsleute, kreative Köpfe. Das ist phänomenal", so die 74-Jährige.
Jetzt heißt es für viele Passagiere: warten am Hafen und schauen wie es weitergeht. Andere sind bereits abgereist, unter den Betroffenen sind auch fünf Deutsche.
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