Teure Spitzenmedizin – Krebserkrankungen durch das Medikament Zolgensma?

Worum geht es? Zolgensma ist ein Medikament zur Behandlung der sogenannten spinalen Muskelatrophie (SMA). Derzeit prüft die US-Arzneimittelbehörde FDA nach eigenen Angaben Berichte über Krebserkrankungen bei mehreren Kindern, die mit dieser Therapie behandelt wurden. SMA ist eine seltene Erbkrankheit. Sie verursacht unter anderem Muskelschwund und führt oft vor Erreichen des zweiten Lebensjahres zum Tod.
Wie funktioniert das Medikament? Zolgensma soll die genetische Ursache der spinalen Muskelatrophie bekämpfen, indem die einmalig intravenös verabreichte Infusion die Funktion des fehlenden oder nicht funktionierenden SMN1-Gens ersetzt. Dabei sollen veränderte Viren – sogenannte AAV-Vektoren – als Genfähren fungieren und eine gesunde Kopie dieses Gens in die Körperzellen einschleusen.
Wie viele Behandelte bekamen Tumore? Die Patientenorganisation SMA Europe zitiert aus einem Schreiben von Novartis, seit der Zulassung seien mehr als 6000 Patienten mit Zolgensma behandelt worden. Insgesamt seien bei dem Unternehmen neun Meldungen zu Tumoren bei Patienten eingegangen. Nach der Therapie aufgetretene Tumoren betrafen nach FDA-Angaben das zentrale und periphere Nervensystem, den Wirbelsäulenbereich und die Niere. Bei zwei Fällen entdeckten Analysen im Tumorgewebe DNA des bei der Therapie eingesetzten Virus.
Liegt es an den AAV-Vektoren? AAV-Vektoren werden auch bei anderen Gentherapien als Genfähren genutzt. Die US-Arzneimittelbehörde verweist explizit auf zwei erst kürzlich publizierte Fachberichte zu Krebsfällen im Rahmen von anderen vergleichbaren Behandlungen. «Aus Tierversuchen wissen wir seit Langem, dass solche Gentherapien Krebs auslösen können», erläuterte der Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin und Gentherapie des Universitätsklinikums Freiburg (D), Toni Cathomen. «Inzwischen liegen entsprechende Befunde bei vier Kindern vor: zwei nach experimentellen Therapien anderer Erkrankungen und zwei nach einer Behandlung mit Zolgensma.»
Schadet es mehr, als es nützt? Das langfristige Krebsrisiko lasse sich aber nicht belastbar beziffern, betonte der Experte aus Deutschland. «Neun Tumormeldungen bei mehr als 6000 Behandelten ergeben keine verlässliche Risikorate: Nicht alle Tumore müssen therapiebedingt sein, die Nachbeobachtungszeiten unterscheiden sich und die molekulare Aufarbeitung ist unvollständig.»
Warum wurde Zolgensma in der Öffentlichkeit bekannt? Es handelt sich um das teuerste Medikament der Welt, das je von Krankenversicherungen übernommen wurde. Es kostet rund 2.1 Millionen Franken pro Dosis. Das Pharmaunternehmen Novartis startete die Verlosung einer Behandlung mit Zolgensma für 100 Kinder im Februar 2020.
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