«Sport ist wie Zähneputzen»: So überwindest du den Schweinehund

- Extremläufer Arda Saatçi (29) spricht am Rande des Red-Bull-Events «Max vs 100» mit 20 Minuten über Sport im Alltag.
- Für Saatci ist Routine wichtiger als Motivation: Sport solle man «wie Zähneputzen» sehen.
- Der Deutsch-Türke hat 2024 Berlin–New York (über 3000 km) und 2025 ganz Japan (rund 3000 km) durchlaufen.
Arda Saatçi ist Extremläufer und mit fast drei Millionen Followern auf Instagram eine Inspiration für die Lifestyle-Community. Im Rahmen des Red-Bull-Rennens «Max vs 100» spricht der 29-jährige Deutsch-Türke in Silverstone über seine grössten Herausforderungen, Tipps für Anfänger und die Frage, wie man den inneren Schweinehund überwindet.
Arda Saatci kennt extreme Distanzen. 2024 lief er von Berlin nach New York, insgesamt über 3000 Kilometer. Wobei er nach den Destinationen Frankfurt und Paris von Porto aus nach Boston flog, um von dort aus die restlichen rund 350 Kilometer unter die Füsse zu nehmen.
2025 durchquerte er Japan von Norden nach Süden – ebenfalls rund 3000 Kilometer. Im Mai 2026 nahm er zudem einen 600-Kilometer-Lauf durch das Death Valley bis nach Los Angeles in Angriff. Alles im Kampf gegen den inneren Schweinehund mit dem Label: «You vs. You.»
Doch bevor es beim Red-Bull-Event gegen Formel-1-Weltmeister Max Verstappen auf die Gokart-Strecke geht, gibt Saatci 20 Minuten nicht etwa Rennsport-Tipps, sondern Ratschläge für den Alltag.
Arda Saatçi: «Sport ist wie Zähneputzen»
Wer mit dem Laufen beginnen möchte, soll sich nicht sofort von Zeiten, Distanzen oder Pace-Zahlen verrückt machen lassen. «Erst mal Spass entwickeln», sagt Saatçi. «Gar nicht sich zu sehr an Zahlen festhalten, sondern einfach seine Schuhe binden und rausgehen, laufen, Kopf frei kriegen.»
Auch wer die Motivation nach den ersten Trainings wieder verliert, müsse nicht gleich aufgeben. Für Saatçi liegt die Lösung in der Routine: «Ich würde immer darauf gucken, dass man sich Routinen baut, sich wirklich feste Tage setzt, wo man sagt: Da gehe ich jetzt 100 Prozent laufen.»
Sein Vergleich ist simpel und plakativ: «Sport sollte man eh sehen wie Zähneputzen.» Wer regelmässig trainiere, müsse nicht jeden Tag aufs Neue mit sich verhandeln. «Das festigt sich dann und dann kommt die Motivation so oder so.»
Zuerst Disziplin, dann Lust
Bei ihm selbst seien es genau diese beiden Faktoren, die ihn am Laufen halten. «Meine Routine und meine Disziplin. Das ist das, was mich am Laufen hält.»
Auch die Vorbereitung auf eine sportliche Herausforderung beginnt für Saatçi nicht erst kurz vor dem Start. «Ich schlaf gut. Werde davor noch mal trainieren, bisschen Kopf frei kriegen und dann voll fokussiert reingehen.» Für seine Läufe gelte zudem: «Schlaf ist das A und O. Gut essen davor, viel trinken und dann ist man ready.»
Umgang mit Hass im Netz
Mit seinen spektakulären Projekten erreicht Saatçi ein grosses Publikum. Gleichzeitig kommen mit der Aufmerksamkeit auch kritische Kommentare. Sein Umgang damit? Ein Satz seines Vaters: «Umso heller das Licht wird, umso mehr Motten kommen.»
Saatçi übt sich beim Rummel um seine Person in Gelassenheit: «Es gehört dazu, man kann es eh nicht jedem recht machen.» Entscheidend sei deshalb, auf die Menschen zu schauen, die sich etwas Positives aus seinen Projekten mitnehmen.
Den Fokus setzt er auf Bezugspersonen in seinem direkten Umfeld. «Ich freue mich eigentlich meistens immer, wenn meine Familie zu mir sagt, dass sie stolz auf mich sind und auf das, was wir gemeinsam als Team umgesetzt haben.»
Gegen Verstappen auf der Rennstrecke
Beim Gokart-Rennen mit Max Verstappen war Saatci dagegen der Anfänger. «Das war das erste Mal für mich Gokart», sagt er über das Rennen, das Verstappen gewann. «Ich hab mir das ein bisschen leichter vorgestellt, als es in der Realität war.»
Und was sei härter – ein Ultra oder gegen Verstappen Gokart zu fahren? Saatcis Antwort kommt mit einem Augenzwinkern: «Aus Respekt sage ich: gegen Max Verstappen Gokart zu fahren.»
Wie gehst du selbst mit dem inneren Schweinehund um?
Sebastian Rieder (sri), arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Stv. Leiter Sport. Der Generalist hat stets die besten Schweizer Fussballer im Fokus und begleitet die Nati als Reporter und Videojournalist.
Sarah Linder (lin) arbeitet seit 2025 für 20 Minuten als Social-Media-Managerin mit Fokus auf digitalem Storytelling.
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