Taufquote sinkt – Kirchen verlieren weiter Mitglieder – aber auf tieferem Niveau

Taufquote sinkt Kirchen verlieren weiter Mitglieder – aber auf tieferem Niveau
Die grossen Schweizer Landeskirchen schrumpfen weiter. Das zeigt die jüngste Kirchenstatistik. Die Austrittszahlen jedoch sind so tief wie seit Jahren nicht mehr.
«Überraschend stark» sei der Rückgang bei den Kirchenaustritten. So schreibt das Pastoralsoziologische Institut St. Gallen (SPI) in seiner Mitteilung zur Kirchenstatistik. Dennoch: Aus der katholischen Kirche traten demnach schweizweit 27'878 Personen aus, knapp 9000 weniger als 2024. Bei der evangelisch-reformierten Kirche waren es 26'243 Austritte, was einem Rückgang von gut 6300 entspricht. Das ist kein Vergleich mit der Austrittswelle von 2023 – nachdem die Missbrauchsstudie veröffentlicht worden war und die Zahlen doppelt so hoch waren.
Trotz dieser Konsolidierung verlieren die Kirchen weiterhin Mitglieder. Denn es fehlt der Nachwuchs, während die älteren Mitglieder wegsterben. Die Austritts- und Bestattungszahlen übersteigen die Taufzahlen bei weitem, schreibt das SPI. Die katholische Kirche zählte 2025 noch 2.68 Millionen Mitglieder (2024: 2.73 Millionen), die reformierte Kirche kam auf 1.77 Millionen Mitglieder (2024: 1.78 Millionen). Das ist in beiden Kirchen zusammen knapp rund eine Million weniger als noch vor zehn Jahren.
Während bei den Katholiken die Zuwanderung lange für Nachwuchs gesorgt und den Rückgang abgefedert hatte, entwickeln sich nun die reformierte und die katholische Kirche weg von einer Volkskirche und sehen sich vor der Herausforderung, eine neue Rolle zu finden.
Unterschiedliche Gründe
Die Gründe für die Entwicklung waren laut dem Bericht unterschiedlich. Der starke Rückgang der Austritte bei der katholischen Kirche sei darauf zurückzuführen, dass die öffentliche Kritik am Umgang mit sexuellem Missbrauch nachgelassen habe. Diese hatte 2023 zu einer Rekordzahl an Austritten geführt. Bei der reformierten Kirche seien die Austritte weniger von spezifischen Ereignissen abhängig. Dort spiele die generell mangelnde Relevanz der Kirche im Leben der Mitglieder eine grössere Rolle.
Auch die Zahl der kirchlichen Trauungen ging zurück. In der katholischen Kirche wurden 1651 Ehen geschlossen, in der reformierten 1318. Der SPI-Bericht schliesst daraus, dass der Trend bei den Taufen weiter sinken dürfte, da weniger kirchlich geprägte Familien entstünden.
Erwachsenentaufen sichtbar, aber kein Boom
Mediale Berichte über einen angeblichen Boom bei Erwachsenentaufen stellen laut der Kirchenstatistik keine Trendwende dar. Zwar erreichte die Zahl der katholischen Erwachsenentaufen in der Schweiz mit 339 einen Höchststand. Statistisch ist sie aber kaum aussagekräftig.
Die Daten zeigten vielmehr eine generelle Verschiebung des Taufalters nach oben, heisst es weiter. Der Anteil der Taufen im ersten Lebensjahr gehe zurück, während Taufen von älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zunähmen.
Trend zu älteren Täuflingen
Die gestiegene mediale Aufmerksamkeit für Erwachsenentaufen sei ein Hinweis auf einen kulturellen Wandel. Religion werde heute öffentlicher und selbstbewusster gelebt, unter anderem durch soziale Medien.
Das SPI stellt zudem fest, dass Eltern ihre Kinder später taufen lassen: «Über die Jahre hinweg kann beobachtet werden, dass das Taufalter generell ansteigt», schreibt das SPI. Neben einem stärkeren Trend zur «Nicht-Taufe» gebe es einen kleineren Trend innerhalb der Taufen hin zur Verschiebung des Taufalters vom ersten Lebensjahr auf einen späteren Zeitpunkt.
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