Der Papst und Macron - keine innige Freundschaft
Papst Leo XIV. trifft Frankreichs Präsident Macron zum ersten Staatsbesuch seit 18 Jahren. Die Freiheit zur Abtreibung, die seit 2024 in Frankreich gilt, belastet das Verhältnis.
25.09.2026 | 2:14 minPapst Leo XIV. besucht die "älteste Tochter der Kirche", wie Frankreich aufgrund seiner frühen Christianisierung genannt wird. Bis Montag bleibt er dort. Seine Stationen sind Paris, Lourdes und Metz.
Für den großen Gottesdienst am Samstag auf der zentralen Place de la Concorde mussten die Flächen für die Teilnehmenden schon vergrößert werden. Die Nachfrage ist groß, mehrere hunderttausend Menschen werden erwartet.
Erwachsenentaufen in Frankreich beliebt
Frankreich erlebt einen Boom an Erwachsenentaufen und gehört zu den wichtigsten Unterstützern der Christen im Heiligen Land. Für das katholische Kirchenoberhaupt könnte der Besuch ein Heimspiel werden, weil ihm viel Sympathie entgegenschlägt.
Doch ungetrübt sind die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und Frankreich nicht. Das wurde beim ersten öffentlichen Auftritt von Leo XIV. am Morgen im Élysée-Palast in Paris deutlich.
In seiner ersten Enzyklika - erschienen im Mai 2026 - plädierte Papst Leo XIV. dafür, KI im Sinne des Gemeinwohls einzusetzen, und forderte mehr rechtliche Rahmenbedingungen.
25.05.2026 | 2:34 minPapst-Kritik an Abtreibungsgesetz in Frankreich
Im Sommer hatte die französische Nationalversammlung ein Gesetz zur Legalisierung des assistierten Suizids verabschiedet, seit März 2024 ist die "garantierte Freiheit" zur Abtreibung in der Verfassung verankert. Präsident Emmanuel Macron steht hinter diesen Positionen.
Der Papst hingegen mahnte beim Treffen mit Vertretern aus Politik und Zivilgesellschaft "den Schutz des Rechts auf Leben als unverzichtbare Grundlage für alle Menschenrechte" an. Er stelle mit Besorgnis fest, dass Gesellschaften derzeit in die falsche Richtung abdrifteten und Gefahr liefen, "Wissenschaft und Technik in gewinnorientierte Unternehmungen zu verwandeln, die genetische Manipulationen, Leihmutterschaft, den Handel mit Organen oder das Angebot eines geplanten Todes fördern".
In seiner ersten Ostermesse rief Papst Leo XIV. mit Blick auf die Kriege in der Welt dazu auf, die Waffen niederzulegen.
05.04.2026 | 2:30 min"Irrige Überzeugung" - Papst fordert Verbot von Atomwaffen
Schließlich kritisierte der Papst den allgemeinen Rüstungswettlauf und forderte ein Verbot von Atomwaffen. Er sprach von einer zunehmenden "irrigen Überzeugung, der Besitz von Atomwaffen sei ein Garant für Sicherheit".
Frieden ist kein Kräftegleichgewicht, sondern wird Tag für Tag durch Dialog und Gerechtigkeit aufgebaut.
Papst Leo XIV.
Im März hatte der französische Präsident Macron angekündigt, das Atomwaffenarsenal seines Landes zu erhöhen und die nukleare Abschreckung enger mit den europäischen Partnern abzustimmen.
- Macron: Frankreich stockt Atom-Sprengköpfe auf
- Papst Leo: "Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder"
An keiner Stelle ist Europa so abhängig von den USA wie bei nuklearer Verteidigung. Lässt sich das ändern? Was die Gespräche von Merz und Macron über einen Atomschirm bedeuten: ZDFheute ordnete das im Juni ein.
17.02.2026 | 12:22 minGottesdienst in Notre-Dame
So gibt es eine Reihe von Dissonanzen zwischen Papst und Präsident. Im Vorfeld gab es Spekulationen, Leo XIV. habe eine persönliche Führung Macrons durch die wiederaufgebaute Kathedrale Notre-Dame abgelehnt. Offiziell gab es weder Bestätigung noch Dementi.
Am späten Freitagnachmittag wollte Leo mit Priestern und Bischöfen in Notre-Dame einen Gottesdienst feiern. Von Präsident Macron hieß es, er werde wie bei allen anderen Gottesdiensten während der Reise nicht anwesend sein.
Manche Beobachter sahen darin eine Replik auf die Absage der Führung; doch aufgrund der klaren Trennung von Staat und Kirche ist es unüblich, dass die französischen Präsidenten an solchen Gottesdiensten teilnehmen.
Kritiker: Sexualisierte Gewalt in der Kirche zu wenig Thema
Kritik am Papstbesuch kam von Betroffenen sexualisierter Gewalt in der Kirche. Leo XIV. trifft zwar am Sonntag eine kleine Gruppe mit sieben von ihnen, doch Betroffenenverbände hatten sich etwas anderes gewünscht: Die Präsidentin der unabhängigen französischen Anerkennungsstelle für Missbrauchsopfer, Marie Derain de Vaucresson, erklärte, statt nur Einzelnen zuzuhören, hätte der Papst einen ganzen Tag in den Austausch mit 250 oder 300 Betroffenen gehen sollen.
Ein Skandal erschüttert die Pariser Schulen: Dutzende Betreuer an städtischen Grundschulen und Kindergärten stehen in Verdacht, Kindern sexualisierte Gewalt angetan zu haben.
15.04.2026 | 2:04 min2021 hatte eine unabhängige Untersuchungskommission in Frankreich von mehr als 300.000 Opfern sexualisierter Gewalt im kirchlichen Kontext seit 1950 gesprochen. Bisher haben sich bei den entsprechenden kirchlichen Stellen knapp 2.000 Betroffene gemeldet, rund 1.200 wurden finanziell entschädigt.
Metz und Gottesdienst in Lourdes
Ein Höhepunkt des viertägigen Besuchs in Frankreich ist am Montag die Etappe in Metz. Die Stadt ist eng mit einem der Gründerväter der Europäischen Union verbunden: Robert Schuman. Erwartet wird eine Grundsatzrede Leos XIV. zu Europa. Am Sonntag feiert das Kirchenoberhaupt einen Gottesdienst im Marienwallfahrtsort Lourdes.
Jürgen Erbacher ist Leiter der ZDF-Redaktion Religion und Leben.
Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung heute in Europa am 25.09.2026 ab 16:00 Uhr.
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