Nur Stunden vor Übungsbeginn – «Feindseliges Signal»: Trump bremst Militärübung mit Südkorea aus

- US-Präsident Donald Trump will mit Verweis auf seine «sehr gute Beziehung» zu Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un ein gemeinsames Militärmanöver mit Südkorea deutlich kleiner ausfallen lassen.
- Zudem liess er durchklingen, dass die seit Jahren üblichen Übungen mit den südkoreanischen Streitkräften künftig auch ganz entfallen könnten.
- Die Ankündigung Trumps kam Stunden vor Beginn der Übung. Inzwischen ist sie mit Tausenden Soldaten beiderseits angelaufen.
Trump schrieb auf Truth Social, er sei nicht glücklich darüber, dass die USA vor langer Zeit solchen gemeinsamen Übungen zugestimmt hätten. Diese sendeten ein «völlig unangemessenes und feindseliges Signal» an ein Land, das – solange er Präsident gewesen sei – keine Bedrohung dargestellt und sich respektvoll verhalten habe, schrieb er mit Blick auf Nordkorea. «Deshalb, und weil es zu spät für eine Absage ist, habe ich Kriegsminister Pete Hegseth angewiesen, die gemeinsamen Militärübungen deutlich zu reduzieren!»
Trumps Ankündigung scheint ein Affront gegen den engen Verbündeten Südkorea zu sein, der ähnlich wie Nato-Partner in Europa auf den militärischen Schutz durch die USA zählt. Zudem scheint Trump damit ausgerechnet dem international isolierten Machthaber Nordkoreas einen Gefallen zu tun. Kim droht Südkorea immer wieder mit militärischer Gewalt und bezeichnet den Süden als «Hauptfeind».
SRF-Korrespondent: «Zeichen eines militärischen Rückzugs der USA»
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Kurzeinschätzung von SRF-Ostasien-Korrespondent Samuel Emch
Erneut sendet Trump ein freundliches Signal Richtung Nordkorea. Seit seinem zweiten Amtsantritt hat er mehrfach seine guten Beziehungen zu Machthaber Kim Jong-un hervorgestrichen. Pjöngjang erwidert solche Avancen aus Washington bisher nicht.
Kim Jong-un ist es gelungen, in Moskau und Peking mächtige Freunde und Unterstützer zu gewinnen. Damit ist er heute weniger darauf angewiesen, dass die USA ihre isolierende Sanktionspolitik gegenüber Nordkorea lockern.
Wie sich Trumps Ankündigung konkret auf die bereits gestartete Militärübung auswirken wird, ist weniger wichtig als das Signal, das sie aussendet. Sie kann als Zeichen eines schrittweisen militärischen Rückzugs der USA aus der Region verstanden werden. Das ist nicht nur für Nordkorea relevant, sondern für die ganze Region – zum Beispiel für China, das sich an der militärischen Präsenz der USA stört, gleichzeitig aber seine eigene Schlagkraft zunehmend demonstriert.
Die Partner in der Region hingegen werden sich einmal mehr fragen, wie fest sie sich auf die USA noch stützen können. Neben Südkorea haben auch Japan und die Philippinen ein militärisches Bündnis mit den USA. Für Taiwan sind die USA mit Abstand der wichtigste Waffenlieferant.
Pjöngjang baute seit Trumps erster Amtszeit sein Atomarsenal aus. Zudem unterstützt Nordkorea Russland im Kampf gegen die Ukraine mit Munition und der Entsendung Tausender Soldaten.
Wie Südkoreas amtliche Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, wird das sogenannte «Ulchi Freedom Shield» diesmal nur 14 Feldübungen beinhalten – drei Feldübungen weniger als noch im vergangenen Jahr. Die Reduktion geht laut Yonhap auf Bemühungen des südkoreanischen Präsidenten Lee Jae Myung zurück, der ebenfalls wie Trump eine diplomatische Annäherung mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un sucht.
Trump sucht Nähe zu Kim Jong-un
Erst am Samstag hatte Trump ein Bild von sich Seite an Seite mit Nordkoreas Machthaber verbreitet und das gute Verhältnis zu Kim betont. In seinem neuesten Post betonte er auch, dass die Militärübungen kostspielig seien und ein Grossteil dieser Kosten von den USA getragen werde.
Der US-Präsident suchte in der Vergangenheit immer wieder Kontakt zu Nordkoreas Machthaber und traf ihn während seiner ersten Amtszeit mehrfach zu Gesprächen. Bei einem Gipfeltreffen in Hanoi im Jahre 2019 reiste Kim nach einem diplomatischen Eklat vorzeitig ab. Als Trump in seiner zweiten Amtszeit im Herbst 2025 auf Asien-Reise unterwegs war, äusserte er Interesse an einem weiteren Treffen mit Kim, das seither aber nicht zustande kam.
Nordkorea soll denuklearisiert werden
Bislang hält die US-Regierung an ihrem erklärten Ziel fest, Nordkorea nuklear vollständig abzurüsten. Das weitgehend abgeschottete Land wird wegen seines Atomprogramms mit weitreichenden UN-Sanktionen sowie zusätzlichen US-Sanktionen belegt. So ist es Nordkorea gemäss Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats grundsätzlich untersagt, ballistische Raketen abzufeuern.
Dass es zuletzt trotzdem erneut mehrere Raketentests gab, werteten Expertinnen und Experten als Machtdemonstration und Zeichen des Protests gegen die jährlichen Militärübungen der amerikanischen und südkoreanischen Streitkräfte.
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