InterDigital verklagt Disney auf 101,7 Millionen Euro Schadensersatz
Der Rechtsstreit zwischen InterDigital und Disney in Deutschland weitet sich aus. Der Patentverwerter fordert von Disney nun 101,7 Millionen Euro Schadensersatz wegen der Verletzung eines Patents zur HDR-Bildtechnik. Die Klage liegt beim Landgericht München I unter dem Aktenzeichen 7 O 8870/26, wie der US-Patentverwerter mitteilt.
Grundlage ist das Patent EP 2 132 923. Das Landgericht München I hatte im November 2025 eine Verletzung durch Disney+ festgestellt und eine einstweilige Verfügung erlassen. Die Forderung deckt nach Angaben von InterDigital den Zeitraum vom Disney+-Start in Deutschland im März 2020 bis zu dieser Entscheidung ab. Die Forderung beschränkt sich nicht auf Deutschland. Disney habe Server in der Nähe von Frankfurt genutzt, um patentverletzende Videostreams an Disney+-Abonnenten in 19 weiteren europäischen Ländern auszuliefern, heißt es in der Mitteilung.
Nach der Münchner Entscheidung nahm Disney Dolby Vision aus dem Angebot. Mittlerweile fehlt HDR im deutschen Angebot komplett, auch 4K-Auflösung war zwischenzeitlich nicht verfügbar. Disney räumte seinen Premium-Kunden deshalb ein Sonderkündigungsrecht nach dem Wegfall von 4K und HDR ein. InterDigital wirft Disney vor, trotz dieser Einschränkungen kein Lizenzabkommen abschließen zu wollen.
Acht Verfügungen seit Februar 2025
Der Streit läuft seit Februar 2025. Inzwischen zählt InterDigital acht Unterlassungsverfügungen gegen Disney in Brasilien, Deutschland und vor dem Einheitlichen Patentgericht (Unified Patent Court, UPC). Zuletzt erwirkte InterDigital eine dritte Unterlassungsverfügung vom UPC, die die Cast-Funktion von Disney+ betrifft.
Die Schadensersatzklage berührt die übrigen Verfahren nach Angaben von InterDigital nicht. Dazu gehören auch die beiden Klagen, mit denen der Patentverwerter gegen Disneys Umstieg auf den Videocodec VP9 vorgeht. Lizenzgebühren hat Disney nach Darstellung des Unternehmens bislang nicht gezahlt. InterDigital strebt nach eigenen Angaben ein Lizenzabkommen mit Disney an. Das Medienunternehmen hat sich zu der Forderung bislang nicht öffentlich geäußert.
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