Céline Amaudruz wäre die erste Bundesrätin mit kleinen Kindern

- Céline Amaudruz könnte am 9. Dezember die erste SVP-Bundesrätin und die erste mit kleinen Kindern werden.
- Die 47-jährige Genferin ist SVP-Vizepräsidentin und kandidiert für die Nachfolge ihres engen Freundes Guy Parmelin.
- 2016 wurde sie mit knapp zwei Promille am Steuer erwischt, politisch überstand sie das relativ unbeschadet.
Ja, sie will: Céline Amaudruz ist die erste offizielle Bundesratskandidatin der SVP für die Nachfolge von Guy Parmelin. Das gab die Genferin am Donnerstag in Genf bekannt. Sie könnte am 9. Dezember die erste SVP-Frau in der Landesregierung werden, sollte sie gewählt werden.
Doch wer ist die 47-jährige Vizepräsidentin der grössten Partei des Landes? Während sie in der Romandie seit Jahren bestens bekannt ist, kennen sie in der Deutschschweiz praktisch nur Politik-Nerds.
«Täglich Kontakt»: Eng befreundet mit Guy Parmelin
Dass Amaudruz ausgerechnet für die Nachfolge von Guy Parmelin kandidiert, ist speziell. Denn die damals noch relativ unerfahrene Nationalrätin leitete 2015 hinter den Kulissen den Wahlkampf des Waadtländers und strahlte auf den Bildern nach seiner Wahl. Auch heute noch stünden sie «täglich in Kontakt», erzählte sie kürzlich dem «Tages-Anzeiger».
Parmelin spielte auch eine Rolle beim bisherigen Tiefpunkt ihrer Karriere. 2016 wurde sie abends mit knapp zwei Promille am Steuer erwischt. Vom Polizeiposten aus rief Amaudruz den amtierenden Bundesrat an, der ihr riet, mit den Behörden zu kooperieren. «Ich werde mir nie verzeihen, dass ich mit meinem Verhalten andere gefährdet habe», sagt sie rückblickend im «Tagi»-Artikel.
Politisch jedenfalls hat sie die Episode relativ unbeschadet überstanden und fiel in den letzten Jahren mit einer Politik auf Parteilinie auf. Vom offiziellen Kurs abgewichen ist sie teilweise in Frauenfragen. So sagte sie etwa Ja zum Vaterschaftsurlaub oder zur Individualbesteuerung, obwohl die SVP diese Vorlagen ablehnte.
Erste Bundesrätin mit kleinen Kindern zu Hause?
Zu reden gab in den Tagen vor ihrer Kandidatur-Ankündigung auch ihre private Situation. Sie ist verheiratet mit dem zwölf Jahre jüngeren Michael Andersen und Mutter zweier Töchter, wobei die jüngste noch keine zwei Jahre alt ist. Sie wäre die erste Bundesrätin mit kleinen Kindern.
Sie selbst sagte dazu kürzlich dem «SonntagsBlick»: «Die Erfahrung als Mutter bereichert eine Person – insbesondere die Fähigkeit zuzuhören, die Organisationsfähigkeit und das Verantwortungsbewusstsein.» Ausserdem sei sie «gut organisiert» und in der Lage, verschiedenen Verpflichtungen nachzukommen.
Worauf achtest du bei einer Bundesratskandidatur am meisten?
An den Finanzen sollte die Unterstützung bei der Kinderbetreuung jedenfalls nicht scheitern. Amaudruz kommt aus einer vermögenden Familie und arbeitete in Kaderpositionen bei der UBS oder bei der Genfer Privatbank Reyl als Vermögensverwalterin. Die «Bilanz» rechnete sie schon 2017 zu den zehn reichsten Parlamentarierinnen.
Christof Vuille (vuc) leitet seit 2023 das Ressort Politik und ist Mitglied der Redaktionsleitung. Er berichtet für 20 Minuten nah am Puls der Bundespolitik.
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