Grossbritannien – Der Niedergang der britischen Shoppingmeilen

«Hygienische Perfektion, so modern wie die von morgen» – so lautete einst der Slogan für eine brandneue eisgekühlte Crevettentheke im Einkaufszentrum Grants im Londoner Vorort Croydon.
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Bild 1 von 3. 1947: Einkaufsfreudige in einem Geschäft in Croydon. Bildquelle: Getty Images / Fox Photos / Hulton Archive.
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Bild 2 von 3. 1942 – Frauen stehen an in Croydon. Bildquelle: Getty Images / George W. Hales / Fox Photos.
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Bild 3 von 3. 1947 – Socken in Croydon. Bildquelle: Keystone / Getty Images.
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Das war in den 1940er-Jahren. Croydon galt als erfolgreiche, exklusive Shoppingmeile. Sogar aus Frankreich reisten Wohlhabende an, um hier massgeschneidert bekleidet zu werden. Heute gilt die Strasse als eine der elendsten im ganzen Land. Der Zerfall ist deutlich sichtbar. Fassaden fehlt der Unterhalt, Geschäften die Kundschaft.
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Bild 1 von 4. Geöffnet jeden Tag von 6 bis 23 Uhr. Oder eben nicht. Dieser Supermarkt bleibt geschlossen. Bildquelle: Fiona Endres.
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Bild 2 von 4. «Entschuldigung, wir haben geschlossen» – solche Schilder sieht man in Croydon heute viele. Bildquelle: Fiona Endres.
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Bild 3 von 4. Sicherheitsmitarbeitende bewachen Läden, die zu sind. Bildquelle: Fiona Endres.
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Bild 4 von 4. Nur internationale Ketten und Vape-Shops können hier bestehen. Bildquelle: Fiona Endres.
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In Croydon sind vor allem überdimensionierte Bauprojekte Schuld am Niedergang. Insbesondere rund um das Whitgift-Einkaufszentrum. In diesem sind nun zwei Drittel der rund 100 Läden geschlossen.
Ruine statt Milliardenprojekt
Steven Downes betreibt als unabhängiger Journalist die Plattform Inside Croydon. Er sagt, vor 14 Jahren hätten Politik und Betreiber versprochen, mit einem Projekt Wohnraum und Einkauf zu fördern, im Wert von über einer Milliarde britischer Pfund: «Doch bis heute ist nichts passiert.» Dies habe auch andere Geschäfte verunsichert: «Und diese haben Croydon auch verlassen», so Downes.
Solche leeren Zentren und verkommenen Strassen gibt es im ganzen Land. Und sie werden immer mehr zu Tatorten von Verbrechen.
Eine Recherche der BBC zeigte kürzlich das Ausmass: Allein in einem Jahr wurden 3600 Geschäfte im ganzen Land an einer High Street beim Verkaufen von illegalen Gütern erwischt. Die Reporter deckten sogar ein Netzwerk von Tabakschmugglern auf, die in den Kellern der Geschäfte ihr Business betrieben.
Ist die britische Einkaufsstrasse noch zu retten?
Und es gibt Geldwäsche: Die nationale Korruptionsbehörde spricht von einer Milliarde Pfund, die jedes Jahr über Geschäfte in den Einkaufsstrassen gewaschen werden. Im Fokus sind vor allem Barbershops und Läden, die Vape-Zigaretten verkaufen.
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Bild 1 von 3. In der nordenglischen Küstenstadt Hartlepool geht es der High Street auch nicht gut. Bildquelle: Getty Images / Ian Forsyth.
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Bild 2 von 3. Und auch in Stoke-on-Trent, einer der grössten Städte Mittel-Englands. Bildquelle: Getty Images / Christopher Furlong.
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Bild 3 von 3. Genauso in Willenhall, einem Vorort von Birmingham. Bildquelle: Getty Images / Christopher Furlong.
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So sind die High Streets in ganz Grossbritannien zum Politikum geworden.
Die Parteien streiten sich um Lösungen. Von tieferen Unternehmenssteuern, über rigoroses Vorgehen gegen Kriminalität bis zu temporären Nutzungen für Pop-up-Stores.
Das sind die Vorschläge der Parteien:
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Bild 1 von 4. Premierminister Andy Burnhams Labour-Partei: Die Gemeinden sollen gestärkte Rechte erhalten, um die Ausbreitung von Wettbüros und Vape-Shops auf den High Streets aktiv zu stoppen. Finanziert durch höhere Abgaben für Online-Riesen wie Amazon ist zudem eine Senkung der Gewerbesteuer für Pubs und Kulturstätten um 20 Prozent vorgesehen. Bildquelle: Reuters/House of Commons.
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Bild 2 von 4. Kemi Badenoch, Konservative: Ihre Vision ist die vollständige Abschaffung der Gewerbesteuer für alle kleineren Läden. Zudem sollen das steuerfreie Einkaufen für ausländische Touristen wieder eingeführt und tausende zusätzliche Polizisten gegen Ladendiebstahl eingesetzt werden. Bildquelle: Reuters/Chris J Ratcliffe.
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Bild 3 von 4. Zack Polanski, Grüne: Er will eine Mietpreisbremse für kleine Geschäfte, um diese vor der Verdrängung durch Grosskonzerne zu schützen. Zudem sollen Gemeinden das Recht erhalten, leer stehende Immobilien zu übernehmen und für soziale oder kulturelle Projekte zu nutzen. Bildquelle: Reuters/Hannah McKay.
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Bild 4 von 4. Nigel Farage, Reform UK: Vorgeschlagen ist eine komplette Befreiung kleiner und mittlerer Geschäfte von der Gewerbesteuer, um deren Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Die Kosten dafür sollen durch eine neue 4-prozentige Steuer auf Onlinelieferungen grosser Konzerne gedeckt werden. Bildquelle: Reuters/Temilade Adelaja.
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Der Zerfall der Einkaufsstrassen sei ein grosser Verlust, sagt Professorin Victoria Kelley von der University for Creative Arts: «Weil dann keine Orte mehr sind, wo Menschen sich begegnen und Produkte anfassen können».
Marktplatz der Erinnerungen
Für ihre Forschung stellte Kelley bei einem Strassenmarkt im Londoner Stadtteil Lewisham einen Stand auf. An diesem verkaufte sie keine Waren, sondern lauschte den Erinnerungen der Menschen, die auf der Strasse unterwegs sind.
«Viele sagten, dies sei ein Ort der Gemeinschaft, wo sie verschiedene Leute mit verschiedenen Hintergründen treffen können. Ein fruchtbarer und lebendiger Raum, wo Gespräche entstehen», so Kelley.
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