Nach Sturzflut im Himalaya - Mehr als 380 Tote und hunderte Vermisste
Nach Sturzflut im Himalaya "Es ist ein riesiger Friedhof"
Stand: 27.08.2026 • 17:01 Uhr
Nach der Sturzflut im Himalaya suchen Rettungskräfte weiter nach Überlebenden. Die Flutwelle hatte ganze Dörfer mitgerissen. Augenzeugen berichten von dramatischen Szenen - während in Nepal eine weitere Flutwelle droht.
Nach der verheerenden Sturzflut in der Gebirgsregion zwischen China und Nepal sind bereits mehr als 360 Todesopfer geborgen worden. Das hat die nepalesische Polizei mitgeteilt. Mehr als 1.300 Menschen werden weiterhin vermisst - darunter viele Ausländer. Auch zu acht Deutschen bestehe weiterhin kein Kontakt, hieß es.
Im Katastrophengebiet sind mehr als 5.000 Rettungskräfte von Armee und Polizei im Einsatz. Viele der bisher geborgenen Todesopfer wurden den Angaben zufolge kilometerweit flussabwärts bis an die Grenze zu Indien getrieben. Die Behörden rechnen damit, dass die Opferzahl weiter steigen könnte.
Ganze Dörfer vernichtet
Die vermutlich durch einen Gletscherabbruch ausgelöste Sturzflut war am Mittwoch fast 170 Kilometer weit entlang zweier Flüsse durch Nepal gerast und hatte ganze Ortschaften mitgerissen. Dramatische Videoaufnahmen zeigten, wie eine riesige braune Wand aus Wasser, Geröll und Schlamm auf Häuser zurast, während Menschen panisch versuchen, sich in Sicherheit zu bringen.
"Es gibt keine Siedlungen mehr" - Überlebende in Nepal vor den Trümmern ihrer Häuser
"Alles ist vorbei"
Überlebende berichteten von dramatischen Szenen. "Es war ein riesiger Schwall Schlamm, der direkt auf uns zukam", erzählt ein 68-jähriger Überlebender. Er habe noch versucht, seine Frau auf die Terrasse zu retten. "Aber sie wurde vom Schlamm mitgerissen."
"Alles ist vorbei", sagt der Zollbeamte Omkar Joshi, der per Hubschrauber aus der überschwemmten Stadt Timure gerettet wurde. Die ganze Stadt sei von der Sturzflut aus Schlamm, Geröll und Wasser vernichtet worden, "90 Prozent" der Bewohner seien tot, sagte der 35-Jährige. "Es ist ein riesiger Friedhof. Nur Sand und blutbeschmierte Kiesel sind noch übrig."
Das Ausmaß der Zerstörung sei enorm, sagte der Chef eines Tourismusunternehmens nach einem Hubschrauberflug über das Gebiet: "Es gibt keine Siedlungen mehr. Alles ist einfach platt."
Sorge vor weiteren Flutwellen
Die Rettungsarbeiten werden durch die gewaltigen Schlammmassen erschwert. Straßen sind für schweres Gerät unpassierbar, zudem brachen in Teilen der Region die Kommunikationsverbindungen zusammen. Auch die Hilfsorganisation Caritas bezeichnete die Lage als extrem unübersichtlich. "Das Ausmaß der Zerstörung ist kaum fassbar", so Nothilfekoordinator Raju Pradhan.
Darüber hinaus warnen Chinas Behörden vor einer weiteren Flutwelle. Ein angestauter See oberhalb des Katastrophengebiets droht überzulaufen, hieß es im Staatsfernsehen. In dem See hätten sich bereits zwei Millionen Kubikmeter Wasser gesammelt - und für die kommenden Tage werde weiterer Regen erwartet.
Experten befürchten auch angesichts der riesigen Mengen von Geröll und Trümmern in den von der Sturzflut betroffenen Flussläufen weitere Überschwemmungen. "Stromaufwärts entlang der Flussgrenze zwischen Nepal und China gibt es Blockaden, eine zweite Sturzflut ist möglich", erklärte Qianggong Zhang vom Forschungsinstitut Icimod in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu.
Viele Vermisste aus Indien
Die Rettungstrupps versuchen derweil weiter, mögliche Überlebende zu orten. Besonders viele Vermisste kommen aus Indien. Viele von ihnen waren Pilger auf dem Weg zum heiligen Berg Kailash und zum Manasarovar-See in Tibet. Die Himalaya-Region ist ein bedeutendes Trekking- und Pilgergebiet.
Wie die Tourismusorganisation Nepal Tourism Board mitteilte, konnten inzwischen mehr als 30 vermisste Ausländer gerettet werden, unter ihnen zwei Italiener und eine Person aus der Schweiz. Die nepalesische Armee hat außerdem nach eigenen Angaben Hunderte Menschen aus dem Katastrophengebiet ausgeflogen.
Internationale Hilfe angelaufen
Der nepalesische Regierungschef Balendra Shah besuchte besonders betroffene Gebiete des Landes. Wichtigstes Ziel sei es, den durch die Katastrophe obdachlos gewordenen Menschen zu helfen und durch den Schlamm blockierte Straßen freizuräumen, erklärte sein Büro.
Mehrere Länder sagten Nepal Hilfe zu. Indien schickte Zelte, Lebensmittel und andere Hilfsgüter, die in den betroffenen Gebieten von Hubschraubern abgeworfen werden.
Die USA stellen 500.000 Dollar für Notunterkünfte und Trinkwasser bereit, die Vereinten Nationen schicken Hilfsgüter und Personal. Auch Deutschland und die EU sagten Unterstützung zu.
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