Ernährungssicherheit – Hightech statt Kleinbauern: Chinas Landwirtschaft im Umbruch

Wo früher Dutzende Bauern tagelang Samen in die Erde setzten, rattert heute ein Fliessband, das dieselbe Arbeit innert Stunden erledigt. In Keimräumen, die Bankentresoren ähneln, spriessen Pflänzchen im Schnellverfahren.
Hightech-Samen aus dem Labor
Zwischen Raps- und Reisfeldern entsteht hier in Xiejingan ein grosses Innovationszentrum für die Landwirtschaft. Der Grosskonzern Transfar will bis zu 200 Unternehmen aufs Land locken, welche hier die Agrarzukunft Chinas entwickeln. Die Gentech-Unternehmerin Duan Gehong züchtet in ihrer hermetisch abgeriegelten Klimakammer Mais, Tomaten und Raps.
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Bild 1 von 8. Start-up-Unternehmerin Duan Gehong züchtet neue, ertragreichere Pflanzensorten. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 8. Das Startup Woyu verändert Raps, Mais und Tomaten mit der CRISPR-Genschere, um sie resistenter oder nahrhafter zu machen. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 8. Beim Grosskonzern Transfar werden Setzlinge in grossen Mengen produziert. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 8. Die industriell gezogenen Maissetzlinge haben eine höhere Überlebensrate als herkömmlich angepflanzter Mais. Bildquelle: SRF.
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Bild 5 von 8. Noch vor der Aufzucht hat Transfar die Maissetzlinge an Bauernbetriebe in der Region verkauft. Bildquelle: SRF.
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Bild 6 von 8. Ein Fliessband beim Agrar-Konzern sät in fünf Stunden 120'000 Pflanzen, so viele wie 60 Bauern an einem Tag von Hand. Bildquelle: SRF.
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Bild 7 von 8. Neben der Setzlingsproduktion forscht Transfar auch an neuen Pflanzensorten. Bildquelle: SRF.
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Bild 8 von 8. Neue Tomatensorten können vor Ort gekostet werden. Bildquelle: SRF.
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Ihr Start-up Woyu nutzt die Genschere CRISPR, um die Pflanzen widerstandsfähiger gegen Krankheiten und Schädlinge zu machen und die Erträge zu steigern.
Peking hat vor wenigen Jahren die Regeln für mit der Genschere veränderte Pflanzen gelockert. Nun sei es einfacher, das Saatgut auf den Markt zu bringen, sagt Duan.
Xi will eigene Reisschüssel füllen
Das ist im Sinne der Regierung, denn die Landwirtschaft soll produktiver werden. Schliesslich muss das Land rund 17 Prozent der Weltbevölkerung ernähren, mit lediglich rund acht Prozent der weltweiten Ackerflächen.
China muss sich selbst ernähren können. Das ist die Devise von Staatschef Xi Jinping. Das ist leichter gesagt als getan. Zwar produziert kein Land der Welt so viele Lebensmittel wie die Volksrepublik. Doch der Hunger der wachsenden Mittelschicht nach Fleisch hat China zugleich zu einem der weltweit grössten Importeure von Agrarprodukten gemacht.
Kleinbauern bleiben zurück
Während in den Hightech-Laboren die Zukunft gezüchtet wird, sieht die Realität auf den Feldern Chinas anders aus. Im nördlichen Dingzhuangzi steht Bauer Ding im kalten Wind auf seinem Weizenfeld. Seine gesamte Anbaufläche ist etwa so gross wie vier Fussballplätze. Was für Schweizer Verhältnisse klein erscheint, ist in China weit überdurchschnittlich.
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Bild 1 von 6. Bauer Ding (ganz links), sein Nachbar und sein Cousin sind Kleinbauern. Diese prägen die chinesische Landwirtschaft heute noch. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 6. Chinas Bauern bewirtschaften im Schnitt nur 0.5-1 Hektare. Schweizer Bauernbetriebe sind rund 30- bis 40-mal grösser. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 6. Syngenta mit Hauptsitz in der Schweiz betreibt in China Hightech-Dienstleistungszentren für Bauern. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 6. Die Bauern sollen mit der Syngenta-Technologie mehr und besseren Reis produzieren und damit mehr Geld verdienen. Bildquelle: SRF.
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Bild 5 von 6. Mit Satellitenaufnahmen und Drohnen wird das Wachstum auf den Feldern überwacht und analysiert. Bildquelle: SRF.
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Bild 6 von 6. Die Bauern erhalten aufs Mobiltelefon Informationen zu Wetter, Schädlingsbefall und anderen Problemen auf ihren Feldern. Bildquelle: SRF.
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Die Kleinteiligkeit ist eines von zwei prägenden Merkmalen der chinesischen Landwirtschaft. Das zweite ist das Alter der rund 300 Millionen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Mit 58 Jahren ist Ding noch vergleichsweise jung.
Von den staatlichen Hightech-Versprechen kommt bei Ding wenig an: «Bei uns kam noch nie jemand mit solchen Hochleistungsorten vorbei.»
Schweizer Know-how auf Chinas Äcker
Peking will die kleinteilige Landwirtschaft ohnehin lieber heute als morgen professionalisieren. Um dieses Ziel zu erreichen, greift China auch auf Schweizer Know-how zurück. Der Basler Agrochemiekonzern Syngenta wurde 2017 vom chinesischen Staatskonzern ChemChina übernommen.
Nun baut Syngenta in China ein Netz moderner Dienstleistungszentren auf: Drohnen, Satellitenüberwachung und Sensoren, die Alarm schlagen, sobald ein Schädling im Anmarsch ist. Das Ziel ist eine hocheffiziente, aber auch umweltschonendere Produktion.
Kleinbauern wie Ding haben weder das Geld noch die Flächen für diese Technik. In Chinas neuer Agrarwelt haben sie immer weniger Platz. Ding wird seinen Acker bestellen, bis es nicht mehr geht. Sein Sohn jedoch wisse nicht einmal mehr, wo die eigenen Felder liegen.
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