Saudi-Arabien unter Druck: Der schwierige Kampf gegen die Huthi
Energieanlagen, aber vor allem Flughäfen: Die islamistische Huthi-Miliz im Jemen setzt in ihrem Feldzug gegen Saudi-Arabien konsequent auf Gewalt. Bei einem Raketenangriff auf den internationalen Flughafen von Riad kamen am Samstag 13 Menschen ums Leben, mehr als 300 wurden verletzt. Bei einem zweiten Angriff am Sonntag tötete die Miliz einen weiteren Zivilisten, es gab elf Verletzte.
Der Flughafen bleibt auf unbestimmte Zeit geschlossen. Binnen 24 Stunden griffen die Huthi nach eigenen Angaben zudem den Flughafen Dammam und zwei Aramco-Anlagen an. Energieminister Abdulasis bin Salman warnte vor den Folgen für die Energiesicherheit und kündigte eine harte Reaktion an. Tatsächlich greift Saudi-Arabien nach einem Bericht des US-amerikanischen Thinktanks American Enterprise Institute (AEI) gezielt Raketenabschussrampen, Lagerstätten und andere militärische Infrastruktur der Huthi an. Bereits 136 militärische Ziele seien zerstört worden, zitiert das Institut in seinem Bericht vom 11. Oktober den saudischen Militärsprecher Turki al-Maliki.

Allerdings ist Saudi-Arabien der Huthi-Miliz trotz jahrelanger Militärintervention nicht Herr geworden. Die 2015 gegründete internationale Koalition ist zerfallen, die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihre Truppen abgezogen.
Die Huthi kontrollieren weiterhin große Teile des Nordjemen, beschießen seit Jahren saudisches Gebiet und behindern mit Angriffen auf Schiffe den internationalen Verkehr durch das Rote Meer und die strategisch wichtige Meerenge Bab al-Mandab. Anfang September beschädigten Drohnen zudem die saudische Ost-West-Ölpipeline schwer. Die vorübergehende Stilllegung beeinträchtigte die Ölexporte und erhöhte die Risiken für die Energiemärkte.
Auf der Suche nach Partnern
Seit Wochen bemüht sich Riad um Partner im Kampf gegen die Huthi-Miliz. Ende September sagten Großbritannien und Frankreich militärische Unterstützung zur Verteidigung saudischer Infrastruktur zu. London stellte Luftbetankung für saudische Kampfflugzeuge in Aussicht, Paris kündigte Soldaten, Radarsysteme und Luftverteidigungstechnik zum Schutz des Ölterminals Yanbu an.
Und nachdem die USA es zuletzt abgelehnt hatten, an der Seite Saudi-Arabiens gegen die Huthi zu kämpfen, könnte es in Washington nun zu einem Sinneswandel kommen, schreibt der Politikanalyst Osamah Al-Rawhani in einer Studie des Sanaa Center for Strategic Studies. Allerdings sei offen, ob daraus tatsächlich eine erfolgreiche Offensive entstehen könne.
Um eroberte Gebiete zu halten und Gegenangriffe führen zu können, brauche es erhebliche finanzielle Mittel, politisches Engagement und die nötige Entschlossenheit, schreibt Al-Rawhani. Es sei zweifelhaft, ob Saudi-Arabien die erforderliche Ausdauer aufbringen werde. Zwar könnte das Königreich seine derzeitige Strategie angesichts künftiger Entwicklungen, etwa des Krieges zwischen Iran und den USA, ändern. "Sollten die Kriegskosten weiter steigen, könnte Riad nach einem Weg suchen, sich aus dem Konflikt zurückzuziehen", so Al-Rawhani.
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Ähnlich sieht es Marcus Schneider, Projektleiter im Kompetenzzentrum Frieden und Sicherheit im Mittleren Osten und Nordafrika der Friedrich-Ebert-Stiftung. "Um die Huthi auszuschalten, bräuchte es Bodentruppen - mit einem solchen Krieg hat Riad keine Erfahrung, zumal in einem fremden Land", sagte Schneider vor wenigen Tagen der DW. Für die saudische Führung gehe es deshalb weniger um einen militärischen Sieg als darum, ihre Verwundbarkeit zu reduzieren, ein möglichst breites Bündnis an Partnern sowie politische Handlungsspielräume zu gewinnen.
"Die Huthi sind im Jemen gut verankert und können auch beträchtliche Schläge wegstecken. Saudi-Arabien braucht für seine ökonomische Vision 2030 vor allem Stabilität - diese ist derzeit weiter entfernt denn je", so Schneider. Wichtig sei zudem die militärische Asymmetrie: Saudi-Arabien verfüge über moderne Waffen und gebe enorme Summen für seine Streitkräfte aus. Die Huthi hingegen müssten keinen klassischen Krieg gewinnen. Es reiche, Raketen und Drohnen einzusetzen, Infrastruktur zu bedrohen und den Schiffsverkehr zu verunsichern.
Neues Engagement der USA?
Hoffnung macht nach Einschätzung des Analyse-Magazins Critical Threats das nach einer ersten Absage nun wieder gestiegene Engagement der USA. Die Unterstützung konzentriere sich auf Aufklärung, Zielerfassung und Luftverteidigung. Zugleich unterstützt Saudi-Arabien die Truppen der international anerkannten jemenitischen Regierung, die seit einigen Wochen verstärkt gegen die Huthi kämpfen. Ziel ist es, deren Nachschubwege zu unterbrechen.

Das US-amerikanische Analyseinstituts The Soufan Center schreibt nach den Angriffen auf den Flughafen von Riad, Washington erwäge nun einen gemeinsamen Vergeltungsschlag mit Saudi-Arabien.
Die VAE vor Richtungswechsel?
Möglicherweise kann Saudi-Arabien auch wieder auf einen anderen Partner aus der Region setzen: die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Anwar Gargash, der diplomatische Berater des Präsidenten der VAE, sprach sich Medienberichten zufolge für eine engere sicherheitspolitische Zusammenarbeit zwischen den Golfstaaten aus. "Wir sind alle Ziele", erklärte er auf X.
Die Angriffe der Huthi auf Saudi-Arabien hätten die Sicherheit der gesamten Region untergraben. "Es ist notwendig, die Zusammenarbeit der Golfstaaten, insbesondere im Bereich Sicherheit und Verteidigung, wiederzubeleben und das kollektive Sicherheitssystem zu stärken", fügte er hinzu.
Auch Pakistan, das Anfang August dieses Jahres gemeinsam mit Saudi-Arabien und der Türkei den Mekka-Pakt unterzeichnet hatte, schloss einen Militäreinsatz zunächst aus. Inzwischen beteiligt sich das Land Medienberichten zufolge jedoch mit Luftangriffen auf Huthi-Raketen- und Drohnenstellungen. Bodentruppen will Pakistan allerdings nicht entsenden. Die Türkei, ebenfalls Mitglied des Mekka-Pakts, schließt einen offensiven Militäreinsatz dagegen aus, stellt aber Luftverteidigungstechnik zur Verfügung.
Auf der Flucht vor dem Krieg im Jemen
Saudi-Arabien kann somit zwar auf zusätzliche militärische Unterstützung hoffen, heißt es in der Analyse des Soufan Center. Ob daraus eine wirksame Strategie wird, hängt jedoch davon ab, ob die Partner über begrenzte Luftangriffe und politische Solidaritätsbekundungen hinausgehen. Und ob die zersplitterten jemenitischen Regierungskräfte ihre militärischen Operationen besser koordinieren können.
Inzwischen hat sich Iran als Vermittler zwischen Saudi-Arabien und den Huthi angeboten. Ob Saudi-Arabien das Angebot akzeptiert, ist angesichts der iranischen Unterstützung der Huthi und der jüngsten Angriffe auf das Königreich fraglich. Offen ist zudem, ob Teheran genügend Einfluss auf die jemenitische Miliz hat, um sie zu einem Stopp der Angriffe zu bewegen.
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