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Tuesday, October 6, 2026

Offensive gegen die Huthi: Entscheidungsschlacht um Jemens Zukunft?

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Die Bündnispartner haben zugesagt: Im Rahmen des Anfang August gegründeten Mekka-Pakts wollen die Türkei und Pakistan Truppen nach Saudi-Arabien schicken, um das Königreich vor weiteren Angriffen der pro-iranischen Huthi zu schützen. Derweil nimmt die Miliz erneut Ziele in Saudi-Arabien ins Visier. Zugleich verstärkte die von Riad geführte Militärkoalition ihre Luftangriffe im Jemen. Die jemenitischen Regierungstruppen starteten eine groß angelegte Offensive und erzielten nach eigenen Angaben erste Geländegewinne an der strategisch wichtigen Meerenge Bab al-Mandab. Die Huthi weisen dies zurück und konnten zugleich um die im Südwesten des Landes gelegene Stadt Taizz nahe des Roten Meers offenbar weiter vorrücken.

Das Bild bleibt damit widersprüchlich: Während die Regierung am Bab al-Mandab einen Teilerfolg reklamiert, geraten ihre Kräfte bei Taizz selbst unter Druck. Von einem strategischen Durchbruch kann bislang keine Rede sein.

Kampf um die Kontrolle des Jemen

Die beiden jemenitischen Akteure ringen um die politische Macht und territoriale Kontrolle in dem Land. "Letztlich ist es ein Kampf um die politische Vormachtstellung im Jemen - und damit um die Frage, wer die Souveränität über das Staatsgebiet ausübt", sagt Philipp Dienstbier, Leiter des Regionalprogramms der Golfstaaten der Konrad-Adenauer-Stiftung in Jordanien, im Gespräch mit der DW.

Das Problem der Regierung ist ihre innere Zersplitterung. Zu den Anti-Huthi-Kräften gehören Gruppen mit teils völlig unterschiedlichen politischen Zielen - so etwa der Südliche Übergangsrat, der einen unabhängigen Südjemen anstrebt. Auch in der Region Hadramaut im Osten des Jemen wurden Autonomieforderungen laut.

Diese Fragmentierung erschwert die militärische Koordination erheblich. Die verschiedenen Kräfte seien sich keineswegs wohlgesonnen und verfolgten unterschiedliche Interessen, sagt Jens Heibach, Experte für die Golfregion beim German Institute for Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg, im DW-Interview. Darin lägen auch die militärischen Rückschläge der vergangenen Jahre begründet.

Die Huthi hingegen begnügen sich nicht mit territorialen Eroberungen. Raketen, Drohnen, Angriffe auf Schiffe und politische Kommunikation sollen Unsicherheit und Kosten erzeugen und stärkere Gegner - wie etwa Saudi-Arabien - zu Reaktionen zwingen. Mehr als auf taktische Erfolge einzelner Angriffe setzten sie auf deren jeweilige politische und wirtschaftliche Wirkung, schreibt dervom US-Kongress geschaffene Thinktank Irregular Warfare Center.

Kampf um Taizz und Bab al-Mandab

Besonders wichtig ist dabei der Kampf um Taizz. Die Stadt liegt an wichtigen Verkehrswegen zwischen dem Roten Meer und dem Süden des Landes. Nach Einschätzung des Sana'a Center versuchen die Huthi deshalb vor allem, die Verbindungen zwischen Taizz und den von der Regierung kontrollierten Gebieten zu unterbrechen. Sie müssen dafür nicht unbedingt die Stadt selbst erobern, sondern vor allem die umliegenden Höhenzüge und Verkehrswege kontrollieren.

Damit wollen sie zugleich ihre jüngsten Gewinne an der Küste absichern. Durch die Eroberung des Gebiets am Bab al-Mandab konnten sie in den vergangenen Wochen den Verkehr auf einer der wichtigsten internationalen Schifffahrtsrouten beeinflussen. So konnten sie erheblichen regionalen und internationalen Druck erzeugen, heißt es in einer Studie des britischen Think Tanks Royal United Services Institute for Defence and Security Studies (RUSI).

Huthi-Anhänger feiern Einnahme der Insel Perim in der Straße von Bab al-Mandab. Man sieht viele bewaffnete Männer, die ihre Arme, zum Teil mit Waffen, nach oben strecken
Huthi-Anhänger feiern Einnahme der Insel Perim in der Straße von Bab al-Mandab im September 2026Bild: Osamah Abdulrahman/AP Photo/picture alliance

"Die Fähigkeit der Huthi, den Schiffsverkehr zu beeinträchtigen, ist durchaus groß", sagt Heibach. Für diesen Zweck hätten sie die zuletzt eroberten Küstengebiete nicht einmal zwingend benötigt. Die neuen Stellungen erleichterten ihnen allerdings die Überwachung und Kontrolle der Schifffahrt, ergänzt Heibach im Gespräch mit der DW.

Umso mehr gilt es für die Regierung, Taizz zu halten, die Verkehrswege zu sichern und zugleich zu versuchen, die Huthi von der Küste zurückzudrängen. Eine erfolgreiche Gegenoffensive erfordert daher mehr als Luftangriffe. Ohne eine koordinierte Bodenoffensive lassen sich die strategisch wichtigen Höhenzüge und Verkehrswege kaum dauerhaft zurückgewinnen, heißt es in einer Studie des jemenitischen Think Tanks Sanaa Center for Strategic Studies.

Angriffe der Huthi: Eskaliert der Krieg im Nahen Osten?

Wie groß sind die Erfolgschancen?

Womöglich könnten die Regierungstruppen ihre militärischen Erfolgschancen verbessern, sagt Dienstbier. Saudi-Arabien und die jemenitische Regierung hätten seit Monaten versucht, die bislang stark zersplitterten Regierungskräfte besser zu koordinieren und ihre Kommandostrukturen zu vereinheitlichen. Zusammen mit der saudischen Luftunterstützung könne eine besser funktionierende Bodenstreitmacht nun tatsächlich eine neue Dynamik entwickeln.

Allerdings sei dies nicht der erste Versuch, die vom Iran unterstützten Huthi militärisch zurückzudrängen, sagt Heibach. Bereits im vergangenen Jahr seien Waffen geliefert und Kräfte ausgebildet worden, um eine Offensive vorzubereiten. Die Anti-Huthi-Koalition sei dennoch erneut auseinandergebrochen, während die Huthi selbst in die Offensive gingen. An der grundsätzlichen Ausgangslage habe sich seitdem nicht viel verändert, sagt Heibach.

Auch die bisherigen Erfahrungen sprechen gegen einen schnellen Durchbruch. Selbst die massive amerikanische Operation "Rough Rider" konnte die Huthi trotz wochenlanger Angriffe nicht besiegen. Deshalb hält Heibach wenig davon, die bisherige Strategie aus Luftangriffen und Unterstützung der Anti-Huthi-Kräfte einfach fortzusetzen und auf ein anderes Ergebnis zu hoffen.

Satellitenaufnahme von der Aramco-Raffinerie in Saudi-Arabien. Nach Angriffen der Huthi-Miliz steigt dort eine dunkle Rauchwolke in den Himmel
Rauch über der Aramco-Raffinerie in Saudi-Arabien nach Angriffen der Huthi-Miliz, 3.10.2026Bild: European Union/Copernicus Sentinel-3/REUTERS

Der Mekka-Pakt erweitert zugleich die regionale Dimension. Für Riad geht es damit nicht nur um den Ausgang des jemenitischen Machtkampfs, sondern auch um den Schutz des eigenen Territoriums und der internationalen Handelswege.

Der aktuelle Kampf um Taizz und Bab al-Mandab könnte deshalb ein entscheidender Test sein: für die Fähigkeit der Regierung, ihre Kräfte zu einen - und für die Fähigkeit der Huthi, ihre militärischen Erfolge in dauerhaften politischen Einfluss zu verwandeln.

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