Klimawandel: 1,5-Grad-Marke wird schon wieder gerissen
Schon im Jahr 2024 lag die globale Erwärmung erstmals in einem Kalenderjahr über 1,5 Grad. Nun wird für das laufende Jahr die Prognose immer klarer: Auch 2026 wird die von der Staatengemeinschaft gesetzte 1,5-Grad-Marke wohl wieder gerissen. Das teilte der EU-Klimadienst Copernicus in Bonn mit. Damit rückt das Klimaziel von Paris immer weiter in die Ferne.
Einen neuen Negativ-Rekord hat demnach bereits der vergangene Monat aufgestellt: Laut Copernicus war der Oktober seit Beginn der Wetteraufzeichnungen weltweit der wärmste. In Europa sei es der zweitwärmste Oktober nach dem von 2022 gewesen.
Die durchschnittliche weltweite Oberflächentemperatur lag laut Copernicus bei 15,35 Grad. Damit lag dieser Oktober um 1,75 Grad über der vorindustriellen Zeit. Es war der dritte Monat in Folge, in der die 1,5-Grad-Grenze überschritten wurde.
Die internationale Gemeinschaft hatte sich im Pariser Klimaabkommen von 2015 darauf verständigt, die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad zu begrenzen - besser noch möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter.
Nach jetzigem Stand wird laut Copernicus 2026 wohl mindestens das zweitwärmste Jahr. Es könnte aber noch schlimmer kommen: Den Klimaexperten zufolge gibt es eine Restwahrscheinlichkeit von 20 Prozent, dass beide Jahre in etwa gleich heiß werden oder dass 2026 ein neues Rekordjahr wird.
Meerestemperaturen auf Rekordniveau
Auch die Meerestemperaturen blieben im Oktober außergewöhnlich hoch. Die Durchschnittstemperatur der Meeresoberfläche außerhalb der Polarregionen erreichte 20,95 Grad, den höchsten jemals für einen Oktober gemessenen Wert.
Damit wurde der bisherige Oktoberrekord aus dem Jahr 2023 übertroffen. Im Pazifik, wo sich das Wetterphänomen El Niño weiter verstärkte, stieg die Abweichung bis auf 3,21 Grad - ein historischer Höchstwert.
In Europa tragen die warmen Temperaturen zu Hitzerekorden und zum Absinken der Wasserpegel in den Flüssen bei. Betroffen waren unter anderem der Rhein, die Donau und die Weichsel. In mehreren Ländern kam es zudem zu heftigen Regenfällen und Überschwemmungen, darunter Großbritannien, Irland, Spanien, Griechenland und die Türkei.
"2026 dürfte das zweite Kalenderjahr werden, in dem die globale Erwärmung über 1,5 Grad Celsius liegt", sagte Samantha Burgess vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen (ECMWF). Voraussichtlich werde dieser Wert auch im Vierjahresdurchschnitt überschritten. "Das verdeutlicht, wie lange sich diese Phase globaler Erwärmung bereits hinzieht", fügte sie hinzu.
UN gehen von "Overshoot" aus
Die Vereinten Nationen gehen mittlerweile auch offiziell davon aus, dass das angestrebte 1,5-Grad-Ziel gerissen wird - das nennt man "Overshoot". Weil dadurch jedoch drastische Klimaextreme und gefährliche Kipppunkte drohen, soll die Überschreitung nach Möglichkeit so kurz und gering wie möglich gehalten werden.
Risiken und Auswirkungen verstärkten sich mit jedem Bruchteil eines Grades und mit jedem Jahr, heißt es in einem Bericht des UN-Umweltprogramms UNEP von September.

Auch der Klimaforscher Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, fordert, den "Overshoot" über die 1,5-Grad-Marke so gering und kurz wie möglich zu halten. Die globale Temperatur müsse durch die Entfernung großer Mengen des Klimagases CO2 aus der Atmosphäre rasch wieder gesenkt werden. Die Menschheit befinde sich derzeit "auf einem Pfad in eine unbeherrschbare Zukunft", so Rockström.
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