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Sunday, October 4, 2026

Darum ist langfristiger Erfolg mit Daytrading so schwierig

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  • Drei Männer haben 20 Minuten von ihren Erfahrungen beim Daytrading erzählt.
  • Laut Finance-Professorin Anina Hille ist es beim Daytrading sehr schwierig, langfristig erfolgreich zu sein.
  • Die Forschung zeige ein ernüchterndes Bild über die Erfolgsrate. Dass junge Menschen sich mit dem Investieren befassen, sei aber grundsätzlich positiv.

Einmal nicht hingeschaut, ein Trade nicht geschlossen – und 30’000 Franken waren weg. Daytrading, also kurzfristiges Handeln an der Börse, kann hohe Gewinne bescheren, es gibt aber auch grosse Risiken. Das hat etwa Mike, 26, selber erlebt. Anina Hille, Professorin für Finance am Institut für Finanzdienstleistungen Zug der Hochschule Luzern, über Investieren, Trading und die damit verbundenen Risiken.

Frau Hille, betreiben heute mehr junge Menschen Daytrading als früher?

Ob junge Menschen heute tatsächlich häufiger Daytrading betreiben als frühere Generationen im gleichen Alter, ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Klar ist aber, dass der Zugang zum kurzfristigen Handel durch digitale Plattformen und niedrige Transaktionskosten deutlich einfacher geworden ist. Grundsätzlich ist es erfreulich, wenn sich junge Menschen mit dem Investieren befassen. Wegen der steigenden Lebenserwartung wird der langfristige Vermögensaufbau immer wichtiger – es gilt, längere Leben zu finanzieren. Entscheidend ist aber, ob jemand breit diversifiziert und langfristig investiert oder kurzfristig spekuliert.

Grundsätzlich ist es laut Hille erfreulich, wenn Menschen sich mit ihren Finanzen und dem Investieren auseinandersetzen.

Grundsätzlich ist es laut Hille erfreulich, wenn Menschen sich mit ihren Finanzen und dem Investieren auseinandersetzen.Moritz Hager

Was unterscheidet Daytrading vom gewöhnlichen Investieren?

Beim langfristigen Investieren hält man Aktien oder ETFs über längere Zeit und beteiligt sich damit an Unternehmen und an der wirtschaftlichen Entwicklung. Beim Daytrading werden Positionen typischerweise innerhalb eines Handelstags eröffnet und wieder geschlossen. Davon zu unterscheiden ist der Hochfrequenzhandel professioneller Marktteilnehmer. Dabei werden Orders automatisiert und algorithmisch mit extrem kurzen Reaktionszeiten – teilweise im Mikrosekundenbereich – platziert, geändert oder gelöscht. Dafür ist eine hoch spezialisierte technische Infrastruktur erforderlich. Private Daytrader bewegen sich damit in Märkten, in denen professionelle Akteure teilweise erhebliche Technologie-, Daten- und Kostenvorteile haben.

Was zeigen Ihre Untersuchungen über das Anlageverhalten junger Menschen?

Jüngere Menschen sind grundsätzlich offen gegenüber Kapitalmarktanlagen und digitalen Anlageformen. Gleichzeitig sehen wir bei ihnen eine grössere Bandbreite beim Anlagehorizont: Viele investieren langfristig, aber kurzfristige Anlageziele wie Spass und Spekulation kommen vergleichsweise häufiger vor. Eine neue repräsentative IFZ-Studie zeigt zudem, dass sich junge Anleger:innen deutlich häufiger über Finfluencer informieren als ältere: Unter den bereits investierenden Personen der Generation Z haben dies 61 Prozent mindestens einmal getan; bei Millennials sind es 32 Prozent. Solche Inhalte können den Einstieg ins Thema erleichtern, verbinden Börse aber oft mit schnellen, sehr konkreten Handelsideen. Das ist nicht per se problematisch – entscheidend ist, Information nicht mit einer belastbaren Anlageempfehlung zu verwechseln. Anlageziele und Risikoverhalten hängen zudem nicht nur vom Alter ab, sondern auch von Lebensphase, Einkommen und Vermögen.

«Die Forschung zeichnet ein ernüchterndes Bild über den langfristigen Erfolg von Daytradern.»

Wie viele private Daytrader verdienen langfristig Geld?

Die Forschung zeichnet ein ernüchterndes Bild. Eine grosse Langzeitstudie aus Taiwan zeigte beispielsweise, dass weniger als ein Prozent der untersuchten Daytrader zuverlässig und wiederholt eine positive Rendite über der Marktrendite erzielte – nach Kosten. Die Ergebnisse lassen sich nicht eins zu eins auf heutige Schweizer Anleger übertragen, zeigen aber, wie schwierig es ist, mit Daytrading langfristig systematisch erfolgreich zu sein.

Wenn Trading zum Problem wird

Welche Warnzeichen gibt es?
Entscheidend ist laut Sucht Schweiz, ob jemand sein Verhalten noch kontrollieren kann. Erste Warnzeichen können sein, dass eine Person Geld einsetzt, dessen Verlust sie sich nicht leisten kann, oder dass das Trading Stress und Angstgefühle auslöst.

Wie ähnlich ist Daytrading dem Glücksspiel?
«An der Börse zu traden ohne Risiko ist schlicht und einfach unmöglich», betont Sucht Schweiz. Trading könne unter bestimmten Voraussetzungen einem Glücksspiel ähneln. Besonders problematisch sei beim Daytrading die Erwartung sehr schneller Gewinne: «Je kürzer die Zeitspanne zwischen Einsatz und Rückzahlung ist, desto grösser ist der Einfluss des Zufalls, und desto mehr nähert man sich Glücksspielen und Geldwetten an.»

Was können Angehörige tun?
«Aus Scham oder weil sie das Problem verleugnen, suchen nur wenige Betroffene von sich aus Hilfe», heisst es von der Fachstelle. Oft würden sie ihr Verhalten erst als problematisch wahrnehmen, wenn die Situation bereits sehr schwierig sei. Deshalb sei es wichtig, dass das Umfeld frühzeitig reagiere. Angehörige könnten dazu beitragen, dass Betroffene fachliche Unterstützung annehmen.

Wo gibt es Hilfe?
Anlaufstellen sind Suchtberatungsstellen, Psychotherapeutinnen und -therapeuten, Ärztinnen und Ärzte sowie Schuldenberatungsstellen. «Es gibt Unterstützung für alle», betont Sucht Schweiz. Fachpersonen können auch abklären, ob die Schwierigkeiten direkt mit dem Trading zusammenhängen oder ein anderes psychisches Problem dahintersteckt.

Gibt es eine Strategie, die Erfolg garantiert?

Nein. Niemand weiss zuverlässig, wie sich die Märkte entwickeln werden. Für technische Handelsstrategien wie gleitende Durchschnitte gibt es empirische Evidenz, dass sie in bestimmten Märkten und Marktphasen durchaus profitabel sind. Eine verlässlich positive Rendite lässt sich daraus jedoch nicht ableiten – und eine Garantie schon gar nicht. Bei klaren Renditeversprechen sollte man deshalb sehr vorsichtig sein.

Weshalb sind Hebelprodukte besonders gefährlich?

Bei stark gehebelten Produkten können bereits kleine Kursbewegungen grosse Gewinne, aber ebenso grosse Verluste auslösen. Ein Hebel von 1:10 bedeutet beispielsweise, dass eine Kursbewegung von einem Prozent – vereinfacht gerechnet – einer Veränderung von zehn Prozent auf das eingesetzte Kapital entspricht. Je nach Produkt und regulatorischem Schutz kann so sehr schnell das gesamte eingesetzte Kapital verloren gehen; bei bestimmten Derivaten können darüber hinausgehende Verpflichtungen entstehen.

Sinnvoll ist, den grössten Teil des Vermögens breit diversifiziert und langfristig anzulegen.

Schützt ein Stop-Loss vor einem solchen Totalverlust?

Ein Stop-Loss kann Verluste begrenzen, ist aber keine Garantie. Bei starken Kurssprüngen oder geringer Liquidität kann die tatsächliche Ausführung deutlich unter dem gesetzten Stop-Preis erfolgen.

Was sollten Einsteiger beachten?

Gerade bei Empfehlungen aus sozialen Medien oder von KI-Tools gilt: Sie können ein guter Ausgangspunkt für die eigene Recherche sein, ersetzen aber weder das Verständnis des Produkts noch eine unabhängige Prüfung von Risiken, Kosten und Interessenkonflikten. Sie sollten die Produkte und Märkte, in denen sie handeln, wirklich verstehen – insbesondere mögliche Verluste und die Wirkung eines Hebels. Auch Handelskosten wie Gebühren und Spreads können bei häufigem Trading die Rendite erheblich schmälern. Sinnvoll ist, den grössten Teil des Vermögens breit diversifiziert und langfristig anzulegen. Wer zusätzlich spekulieren möchte, sollte dafür nur einen kleinen, klar begrenzten Betrag einsetzen, dessen Verlust finanziell tragbar wäre.

Wie stehst du zu Daytrading als Weg zum schnellen Geld?

Daniel Graf

Daniel Graf (dgr) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Leiter des Ressorts News und seit September 2023 Mitglied der Redaktionsleitung.

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