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Sunday, October 4, 2026

Kannst du eine Erkältung noch abwehren, wenn sie im Anmarsch ist?

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Morgens kratzt es nur ein wenig im Hals. Ein paar Stunden später läuft die Nase und langsam wird klar: Da ist eine Erkältung im Anflug. Wer jetzt mit Tee, Vitaminen und anderen Hausmitteln gegensteuert, hofft häufig, den Infekt noch abfangen zu können.

Die schlechte Nachricht: Dafür ist es bereits zu spät. «Bei ersten Symptomen lässt sich eine Erkältung nicht mehr vollständig verhindern», sagt Dr. med. Nina Lutz, Oberärztin Infektiologie am Stadtspital Zürich, gegenüber 20 Minuten. Ganz machtlos bist du trotzdem nicht. Laut der Infektiologin lässt sich der Verlauf allenfalls etwas abmildern. Vor allem zwei simple Dinge sind jetzt wichtig – genügend trinken und sich Ruhe gönnen.

Über die Expertin

Bringt Zink tatsächlich etwas?

Doch wie schaut es mit bewährten Hausmitteln aus? Viele greifen bei den ersten Anzeichen einer Erkältung zu Zink, Vitamin C oder Ingwer-Shots. Am ehesten sieht Lutz bei Zink einen möglichen Effekt. «Möglicherweise verkürzt die Einnahme von Zink die Dauer der Erkältung.» Dafür müsse man allerdings früh damit beginnen, idealerweise innerhalb der ersten 24 Stunden.

Grosse Erwartungen sollte man trotzdem nicht haben. Lutz betont, dass die Datenlage gering sei. Zudem könne Zink als unangenehme Nebenwirkung Geschmacksstörungen verursachen. Das deckt sich mit einer Übersichtsarbeit von 2024. Darin wurden 34 Studien mit insgesamt 8526 Teilnehmenden ausgewertet. Demnach könnte Zink eine bestehende Erkältung verkürzen. Die Forschenden stufen die Evidenz dafür allerdings als wenig verlässlich ein.

Erkältung oder Grippe?

Beides kann dich ausknocken, aber der Verlauf ist entscheidend: Eine Erkältung schleicht sich meist langsam an. Erst kratzt der Hals, dann läuft die Nase, später kommt leichter Husten dazu. Fieber ist selten und wenn, dann nur mild. Nach etwa einer Woche bist du in der Regel wieder fit. Die Grippe dagegen trifft dich wie der Schlag: Innerhalb weniger Stunden fühlst du dich plötzlich krank und abgeschlagen. Hohes Fieber, starke Glieder- und Kopfschmerzen, Schüttelfrost und grosse Erschöpfung sind typisch. Der Husten ist oft trocken und hartnäckig, Schnupfen ist eher selten. Meist dauert es länger, bis du wieder auf den Beinen bist.

Vitamin C und Ingwer stoppen keine Erkältung

Beim Ingwer fällt die Einschätzung von Lutz noch deutlicher aus: Für dessen Wirkung gebe es keine Belege. Auch Vitamin C bringe wenig, wenn die Erkältung bereits da ist.

Eine Studie kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Wer erst nach Auftreten der Symptome mit Vitamin C beginnt, kann nach der bisherigen Studienlage nicht mit einer verlässlichen Verkürzung oder Linderung der Erkältung rechnen.

Wie stehst du zu Zink, Vitamin C und anderen Mitteln gegen eine beginnende Erkältung?

Beschwerden nicht abwehren, aber erträglicher machen

Wer sich mies fühlt, kann die Beschwerden behandeln. Lutz nennt etwa Paracetamol oder ähnliche Mittel gegen Hals- und Kopfschmerzen sowie Nasenspülungen bei einer verstopften Nase.

Einen Haken gibt es aber: «Dies hilft gegen die Symptome. Die Dauer der Erkältung wird dadurch aber wohl nicht wesentlich beeinflusst», sagt Lutz. Statt die Erkältung möglichst schnell loszuwerden, geht es in dieser Phase also vor allem darum, die Beschwerden erträglicher zu machen.

Hilft dieser 24-Stunden-Plan gegen Erkältungen?

Der britische Professor Ron Eccles von der Cardiff University hat einen Tagesplan zusammengestellt, der den Körper bei einer beginnenden Erkältung unterstützen soll:

  • 7 Uhr: Heiss duschen. Soll Muskeln entspannen und Atemwege öffnen.
  • 8 Uhr: Vitaminreich frühstücken. Eccles empfiehlt Haferflocken mit Beeren und Orangensaft.
  • 10 Uhr: Inhalieren und Beschwerden mit Medikamenten behandeln. 
    12 Uhr: Spazieren gehen. Bei einer leichten Erkältung ohne Fieber.
    13 Uhr: Proteinreich zu Mittag essen. Wichtig für die Bildung von Immunzellen.
    15 Uhr: Tee trinken. Soll helfen, Schleim zu verflüssigen.
    18 Uhr: Scharf zu Abend essen.
    20 Uhr: Warm baden. Soll Muskeln entspannen und bei der Regeneration helfen.
    22 Uhr: Früh schlafen gehen. Soll die Erholung unterstützen. Auf Kaffee, Alkohol und Bildschirmzeit im Bett verzichten.

Das sagt ein Schweizer Infektiologe dazu

Dr. Silvio Brugger, leitender Oberarzt an der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene des Universitätsspitals Zürich, hat den Plan für 20 Minuten letztes Jahr im Oktober eingeordnet. Die wissenschaftliche Evidenz dafür, dass sich damit eine beginnende Erkältung komplett abwehren lässt, sei «äusserst gering».

Viele der Massnahmen seien jedoch unbedenklich und könnten das Wohlbefinden verbessern. Bewährt hätten sich vor allem einfache Massnahmen wie genügend Schlaf und Flüssigkeit, leichte Bewegung und möglichst wenig Stress. Inhalationen, Nasenspülungen und Medikamente wie Paracetamol könnten zudem Beschwerden lindern, bekämpften das Virus selbst aber nicht.

Mit Erkältung arbeiten oder Sport machen?

Ob du deinen Alltag normal weiterführen kannst, hängt laut Lutz davon ab, wie stark die Beschwerden sind. Bei Fieber und Abgeschlagenheit empfiehlt die Infektiologin, sich zu schonen und auf Sport zu verzichten. «Mit Halskratzen einer Arbeitstätigkeit nachzugehen, ist aber möglich», sagt Lutz.

Nicht hinter jedem Husten und Halsweh steckt eine harmlose Erkältung. Bei Atemnot oder Brustschmerzen empfiehlt Lutz eine ärztliche Kontrolle. Aufmerksam solltest du auch werden, wenn es dir zunächst besser geht und danach erneut Fieber auftritt, etwa zusammen mit Husten oder starken Kopfschmerzen. Dann empfiehlt die Infektiologin einen Besuch bei der Hausärztin oder beim Hausarzt. Dort lässt sich abklären, ob sich im Verlauf zusätzlich eine bakterielle Infektion entwickelt hat und eine Behandlung nötig ist.

Gelingt es dir manchmal, eine Erkältung noch abzuwehren? Was machst du dann?

Carolina Lermann

Carolina Lermann (ler) arbeitet seit Mai 2023 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin für Body & Soul im Lifestyle-Ressort und schreibt über Erziehung, Sport und Psychologie.

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