Frankfurter Buchmesse – Wie die Literaturagentin ein Talent erkennt

An der Frankfurter Buchmesse werden Karrieren gemacht und Manuskripte zu Bestsellern. Mittendrin: die Literaturagentin Katharina Altas. Wie sie ein Talent erkennt und wie ein Nobelpreis das Leben einer Autorin verändert, erklärt sie im Interview.
Katharina Altas
Literaturagentin
Katharina Altas ist Literaturagentin. Im Jahr 2010 hat sie die Agentur Altas gegründert. Für ihre Arbeit wurde sie 2022 mit dem «Weiterschreiben Spezialpreis Vermittlung» der Stadt Bern ausgezeichnet.
SRF News: Frau Altas, Sie sind auf der Frankfurter Buchmesse, um für Ihre Autorinnen und Autoren zu verhandeln. Wie erkennen Sie ein Talent?
Ich gehe recht intuitiv vor und halte mich zuerst an den Text. Ich frage mich: Ist die Sprache originell? Passt der Plot? Finde ich dafür einen Verlag? Erst danach treffe ich die Autoren, um zu schauen, ob auch die Chemie stimmt. Das ist sehr wichtig. Ich habe mit meinen Autoren nicht nur eine reine Geschäftsbeziehung, im besten Fall ist man befreundet.
Ist die Sprache wichtiger als der Inhalt?
Das kommt darauf an. Bei Belletristik ist die Sprache massgeblich. Bei Sachbüchern kann der Inhalt relevanter sein, wenn das Thema eine gesellschaftliche Relevanz hat. Der Text muss aber trotzdem ordentlich geschrieben sein.
Ich verfolge Trends, aber ich muss als Agentin hinter dem stehen, was ich vertrete.
Arbeiten Sie auch mit den Autoren an den Texten?
Ja, das mache ich. Ich arbeite mit meinen Autoren an den Texten und entwickle sie manchmal sogar mit ihnen. Auch am Exposé, denn das ist der erste Eindruck bei den Lektorinnen und Lektoren.
Verfolgen Sie Trends, um auf dem Markt zu bestehen?
Ich verfolge Trends, aber ich muss als Agentin hinter dem stehen, was ich vertrete. Ich muss überzeugen können, dass ein Manuskript gut ist und es verdient, veröffentlicht zu werden. Genres wie Fantasy und Romance interessieren mich persönlich nicht, also kann ich sie auch nicht vertreten.
Das Thema KI ist ganz gross in der Branche.
Ein grosser Trend ist künstliche Intelligenz. Wie gehen Sie damit um?
Das Thema KI ist ganz gross in der Branche. Ich habe zwei neue Klauseln in meine Verträge aufgenommen: Die Autoren garantieren, dass der Text ohne KI geschrieben wurde, und der Verlag verpflichtet sich, den Text nicht für KI-Trainings zu verwenden. Unser Urheberrecht basiert auf dem geistigen Eigentum von Menschen. Deshalb hielte ich es für wichtig, wenn die Buchbranche auf einer Konferenz eine Art Charta für den Umgang mit KI verfassen würde.
Nur fünf Prozent der Autorinnen und Autoren können vom Bücherverkauf leben. Wie rechnet sich Ihr Beruf?
Es ist eine Mischrechnung. Ich vertrete viele Autorinnen und Autoren, solche, die populär schreiben, und solche, die literarisch schreiben. Zudem nehme ich zwischendurch externe Mandate an, um die Agentur zu finanzieren. Es ist nicht nur ein Geschäft für mich, ich mache das auch aus Leidenschaft.
Der Nobelpreis öffnet die ganz grosse Weltbühne, die Preisträgerin oder der Preisträger werden weltweit wahrgenommen.
Welche Bedeutung haben Literaturpreise?
Sie sind ein wichtiges Instrument für die Branche, um Aufmerksamkeit zu generieren – eine Art Spotlight. Sie helfen Autorinnen und Autoren, wahrgenommen zu werden, und den Verlagen, den Verkauf anzukurbeln. Ausserdem können Preise über zukünftige Buchverträge, Lesungen oder Dozenturen entscheiden.
Die Frankfurter Buchmesse ist ein wichtiger jährlicher Fixpunkt für Literaturagentinnen und ‑agenten. Sie ist weniger eine reine Buchausstellung für das Publikum, sondern vielmehr der zentrale Marktplatz für das Geschäft hinter dem Buch. Hier treffen sich Verlage, Autoren und Agenten aus aller Welt zu einem intensiven Marathon aus zum Teil vorab geplanten Terminen.
Im geschäftigen «Agents & Scouts Center» werden Manuskripte vorgestellt und die Rechte und Lizenzen für Bücher, Übersetzungen, Hörbücher oder Verfilmungen verkauft. An diesen wenigen Tagen können die Weichen für die Bestseller der kommenden Jahre gestellt werden. Dieses Jahr fallen die Frankfurter Buchmesse und die Verleihung des Literaturnobelpreises zeitlich zusammen.
Ist der Nobelpreis der Olymp?
Ja, definitiv. Der Nobelpreis öffnet die ganz grosse Weltbühne, die Preisträgerin oder der Preisträger werden weltweit wahrgenommen. Eine Auszeichnung mit dem Literaturnobelpreis verändert das Leben komplett – es gibt ein Leben davor und ein Leben danach.
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