Lüge, Verrat, Schuld, Schmerz: "Happy Weekend" mit dem Mechaniker des Todes

Lüge, Verrat, Schuld, Schmerz"Happy Weekend" mit dem Mechaniker des Todes
10.10.2026, 12:31 Uhr
Von Thomas Badtke

Ein Knacken, ein Splittern, ein unmenschlicher Schrei: Für den "Mechaniker des Todes" ist das Musik in seinen Ohren. Er will Rache am Mörder seines "Förderers". Der ins Visier Genommene ahnt nichts, plant vielmehr ein "Happy Weekend" samt Verlobung. Dank Arno Strobel kommt es anders.
Ein verlängertes Wochenende. Eine kleine Auszeit vom Alltag: Das haben Marcel und Katja im Sinn, als sie sich mit dem Auto aufmachen. Doch an einer Tankstelle wird ihnen das Reisegepäck aus dem Kofferraum gestohlen. Während Katja die Polizei anrufen will, versucht Marcel den Ball flach zu halten - auch wenn der Verlobungsring im Koffer war. Ebenfalls darin: ein kleiner GPS-Tracker. Das gesteht Katja nun. Via App können sie ihr abhanden gekommenes Gepäckstück verfolgen - und tun dies auch.
Der kleine blaue Punkt in der App bewegt sich auf die Autobahnauffahrt zu. Marcel und Katja fahren ihm hinterher. Von der Autobahn geht es auf eine Landstraße. Von der Landstraße in einen abseitigen Weg. Vor einem verfallenen Gebäude ist die Jagd zu Ende. Der Punkt bewegt sich nicht mehr. Marcel und Katja schauen sich an, steigen aus dem Auto, gehen in das Gebäude - und finden ihren Koffer. Aber nicht nur den.
Im Koffer liegen auch mehrere Fotos. Die Bilder sind der pure Horror. Eine Leiche mit zersplitterten Knochen, zerdrücktem Brustkorb, zerschlagenem Gesicht. Der Mensch dahinter muss Höllenqualen durchlitten haben. Marcel und Katja bekommen es mit der Angst zu tun. Sie fliehen.
Und landen in ihrem ganz privaten Albtraum. Marcel, bei dem die Fotos irgendetwas längst vergessen Geglaubtes in Gang gesetzt zu haben scheinen, will Katja schützen. Er selbst steckt viel zu tief drin in dem Schlamassel, der seinen Ursprung in einer Zeit hat, in der Marcel noch Sebastian hieß und Katja noch nicht seine große Liebe war, sondern Susann.
Der Vergangenheit kann man nicht entkommen
Er war verdeckter Ermittler, hatte sich bis in die oberste Ebene einer Bande organisierter Krimineller hochgearbeitet. Dann war der Bruder des Clanchefs ums Leben gekommen und Marcel wurde abgezogen. Neuer Name, neuer Wohnort, neue Identität. Aber die Probleme blieben: Der "Mechaniker des Todes", der Mann fürs Grobe bei dem Clan, will den toten Bruder des Bosses rächen. Für ihn war er sein großer "Förderer".
Ab da lässt es Bestsellerautor Arno Strobel dann so richtig krachen! "Happy Weekend - Die perfekte Auszeit. Euer schlimmster Abtraum" heißt sein neuestes Werk, erschienen bei S. Fischer und Argon, das gekonnt zwischen wendungsreichem Psychothriller und gewaltstrotzendem Horrorschocker changiert. Der Bodycount ist nicht von schlechten Eltern. Es trifft Männer, Frauen und ein Kind. Marcels alias Sebastians bester Freund, dessen Frau und Sohn sowie auch Sebastians damalige Freundin landen in den blutigen Fängen des Mechanikers.
Grandioser Rotermund
Der wiederum kennt keine Empathie, arbeitet stoisch das ab, was ihm aufgetragen wurde. Im Zentrum seines "Schaffens" steht ein mechanisches Monstrum, eigens entwickelt, eine geölte Tötungsmaschine, die keine Gnade kennt. Woher auch? Im Hintergrund zieht der Clanchef die Fäden, spannt seine Eltern ein, um Marcel habhaft zu werden. Er soll leiden, dabei zusehen, wie die Maschine des Mechanikers Freunden und Liebsten das Leben aus den Körpern saugt.
Die passenden Geräusche dazu liefert das eigene Kopfkino. Es wird noch angefacht von der Stimme Sascha Rotermunds, einer Koryphäe des Hörbuchsprecherfachs, vor allem, was wahren Psychothrill betrifft. Die Aufs und Abs seiner Betonungen, die lauten und die leisen Töne, die scharfkantig vorgetragenen Dialoge sorgen für ein in den Bann ziehendes Feuerwerk! Gerade wenn man denkt, das war's, mehr geht nicht, dreht sich die Plotschraube noch ein Viertel weiter und weiter und weiter. Ein Ausstieg? Nicht möglich. Eine Auszeit? Die braucht man erst nach dem Hören von "Happy Weekend".
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