50-jährige Zivilschutzanlage – Zivilschutzanlage Sonnenberg: Das Revival des Mega-Bunkers

50-jährige Zivilschutzanlage Zivilschutzanlage Sonnenberg: Das Revival des Mega-Bunkers
Im Falle eines Atomangriffs sollten 20'000 Menschen in den Sonnenberg. Die Anlage stösst wieder auf Interesse – sogar beim Bundesrat.
Durch den Sonnenbergtunnel führt die Autobahn A2 an der Stadt Luzern vorbei. Während des Kalten Kriegs hatte der Strassentunnel aber noch einen zweiten Zweck. Im Ernstfall hätten die zwei Röhren zur grössten Zivilschutzanlage der Schweiz umgebaut werden sollen. Und das binnen weniger Tage.
Solche Anlagen sind wieder von viel grösserer Bedeutung als vor 20 Jahren.
Dicke Betontore hätten den Tunnel auf beiden Seiten geschlossen. Der Zivilschutz hätte Blöcke à 64 Personen mit dreistöckigen Betten in die Röhre gebaut. 20'000 Menschen hätten so etwa vor einer atomaren Explosion und der folgenden Verseuchung Zuflucht suchen sollen.
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Bild 1 von 8. Bei voller Auslastung waren in der Zivilschutzanlage eher prosaische sanitäre Anlagen angedacht. Bildquelle: Keystone / Urs Flüeler.
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Bild 2 von 8. Im Ereignisfall wäre der Sonnenbergtunnel in Blöcke à 64 Personen unterteilt worden. Bildquelle: Keystone / Urs Flüeler.
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Bild 3 von 8. Spartanische Umkleidekabinen und Waschbecken in der Anlage. Bildquelle: Keystone / Mischa Christen.
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Bild 4 von 8. In dreistöckigen Kajütenbetten hätten Menschen im Ernstfall auf engstem Raum schlafen sollen. Bildquelle: Keystone / Mischa Christen.
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Bild 5 von 8. Interessierte bei einer Führung durch die Zivilschutzanlage 2006. Bildquelle: Keystone / Urs Flüeler.
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Bild 6 von 8. Die «Eiserne Ration» aus den Zivilschutzanlagen wurde Anfang der 1990er-Jahre teils gratis nach Osteuropa exportiert, teils an Schweizer Schweine verfüttert. Bildquelle: Keystone / Mischa Christen.
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Bild 7 von 8. Hier geht es hinein in die Zivilschutzanlage Sonnenberg in Kriens LU. Bildquelle: Keystone / Mischa Christen.
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Bild 8 von 8. Ein kleines Spital befindet sich in der Zivilschutzanlage. Bildquelle: SRF / Raphael Prinz.
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Geschützt dank Luftfilter, einem Notstromaggregat und einem Notspital inklusive Operationssaal. Zwei Wochen lang hätte ein Teil der Luzerner Bevölkerung so im Sonnenberg überleben sollen.
Probe aufs Exempel misslang
1976 gebaut, testete der Zivilschutz den Ernstfall in der Mega-Anlage 1987 zum ersten Mal. Für die Übung «Ameise» wurden beide Röhren des Sonnenbergtunnels für mehrere Tage gesperrt. Der Nord-Süd-Verkehr auf der Strasse musste währenddessen auf andere Wege ausweichen.
Zivilschützer lebten tagelang in der Anlage, bauten die Infrastruktur auf und testeten die geplanten Abläufe. Die Übung wurde jedoch zum Flop. Vieles funktionierte nicht, bauliche Mängel kamen zum Vorschein. Die beteiligten Zivilschützer schafften es nicht, die erforderlichen Betten in kurzer Zeit aufzubauen.
Wir führen 300–320 Gruppen pro Jahr hier durch.
Es gab von Anfang an Stimmen, die den Nutzen der Anlage anzweifelten. Die Rede war von Zivilschutz-Gigantismus. Mit dem Ende des Kalten Kriegs kam die Zivilschutzanlage zunehmend unter Druck.
Übung «Ameise» 1987
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Bild 1 von 3. Für die Übung «Ameise» wurden die eineinhalb Meter dicken Panzertore geschlossen. Mit einem Gewicht von je 350 Tonnen waren sie konstruiert worden, um einer atomaren Explosion standzuhalten. Bildquelle: Keystone/STR.
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Bild 2 von 3. 1987 wurde die Zivilschutzanlage Sonnenberg getestet. Die Nationalstrasse N2 wurde dazu tagelang gesperrt. Bildquelle: Keystone/STR.
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Bild 3 von 3. Zivilschützer hatten bei der Übung «Ameise» die Aufgabe, die Zivilschutzanlage zu testen. Bildquelle: Keystone/STR.
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2005 wurde entschieden, die Anlage teilweise rückzubauen und nur noch für 2000 Menschen auszulegen. Treiber des Rückbaus waren nicht zuletzt die hohen Unterhaltskosten der Anlage.
Interesse an der Anlage nimmt wieder zu
Seit 2008 gibt es Führungen durch den siebenstöckigen Bau im Berg – etwa für Schulklassen oder anderweitig interessierte Gruppen. Nach dem russischen Grossangriff auf die Ukraine 2022 sei das Interesse an der Anlage gestiegen, sagt Historikerin Andrea Huwyler-Bachmann. Sie ist Präsidentin des Vereins «unterirdisch überleben», der Führungen durch die Rundgänge organisiert.
«Wir führen 300–320 Gruppen pro Jahr hier durch», sagt Andrea Huwyler-Bachmann, «das heisst fast eine pro Tag». Trotz der vielen Führungen ist die Zivilschutzanlage Sonnenberg aber nicht zum Museum verkommen. Nach wie vor ist sie ein offizieller Schutzraum für 2000 Menschen.
Bundesrat Martin Pfister, der die Anlage zum 50-Jahr-Jubiläum besichtigte, sagt: «Solche Anlagen sind wieder von viel grösserer Bedeutung als vor 20 Jahren. Wenn Sie heute die Kriegsschauplätze anschauen, dann wird weit hinter der Front gekämpft. Die Bevölkerung ist auf Schutz angewiesen.»
Die Vorstellung, dass man wochenlang in einer solchen Anlage lebt, das ist heute nicht mehr zeitgemäss.
Die Bedeutung einer derartigen Anlage wäre heute aber eine andere als noch im Kalten Krieg, so Bundesrat Pfister: «Die Vorstellung, dass man wochenlang in einer solchen Anlage lebt, ist heute nicht mehr zeitgemäss, aber dass man sich kurzfristig schützen kann.»
Zivilschutzanlagen werden heute nicht mehr in so grossen Dimensionen geplant wie noch im Kalten Krieg. Und auch die Szenarien für eine Evakuierung sind nicht mehr die gleichen wie vor 50 Jahren. Der Bundesrat ist aber überzeugt, dass die Zivilschutzanlagen für den Schutz der Bevölkerung wieder wichtiger werden.
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