«Die Schreie haben mich erschüttert»

Auto mit vier Insassen geht in Wohlen AG in Flammen auf – jetzt sprechen Zeugen und Angehörige
«Die Schreie haben mich erschüttert»
Nach dem Selbstunfall in Wohlen AG kämpfen mehrere junge Menschen mit schweren Verletzungen. Der Vater eines Schwerverletzten spricht mit Blick über den Zustand seines 18-jährigen Sohnes – und richtet emotionale Worte an die Ersthelfer.
Publiziert: 13:09 Uhr
- Ein Fiat Punto prallt Mittwochabend in Wohlen AG gegen Baum
- Passanten retten vier junge Insassen, mehrere Helfer erleiden Verletzungen
- Zwei Schwerverletzte: Einer liegt im Koma, muss operiert werden
Am Mittwochabend kommt ein Fiat Punto auf der Alten Bremgarterstrasse in Wohlen AG von der Strasse ab und prallt frontal gegen einen Baum. Das Auto fängt Feuer. Im Wagen befinden sich vier junge Menschen aus der Region im Alter zwischen 17 und 21 Jahren.
Passanten eilen zum brennenden Fahrzeug und schaffen es, alle vier Insassen zu bergen. Mehrere Helfer erleiden dabei selbst Verbrennungen. Zwei Insassen werden mit schwersten Verletzungen per Rega in Spitäler geflogen, die beiden anderen werden mittelschwer bis schwer verletzt.
Einer der Schwerverletzten ist Nino T.* (18). Sein Vater Roberto T.* (48) sagt zu Blick, dass sein Sohn im künstlichen Koma liege und eine grosse Operation vor sich habe. Mit seinem Sohn sprechen konnte er seit dem Unfall noch nicht.
Nino liegt im künstlichen Koma
Der Vater berichtet, dass sein Sohn schwere Verletzungen am Kopf und im Gesicht sowie Brüche an Bein und Arm erlitten habe. Sein Sohn müsse unter anderem am Kopf operiert werden. «Wir hoffen natürlich das Beste.»
Trotz der Sorge um seinen Sohn ist es dem 48-Jährigen ein grosses Anliegen, den Ersthelfern zu danken. «Wie ich mitbekommen habe, waren sie Schutzengel. Ich möchte mich ganz tief von Herzen bedanken», sagt er. Sein Dank gelte den Helfern nicht nur wegen seines Sohnes, sondern wegen aller Insassen des Autos.
Die Ersthelfer hatten die vier Insassen aus dem brennenden Auto gerettet. Mehrere von ihnen wurden bei der Rettungsaktion selbst verletzt. Laut der Kantonspolizei Aargau habe ihr beherztes Eingreifen an diesem Abend das Leben der Insassen gerettet.
Wer sass am Steuer?
Nach Angaben des Vaters hatte Nino seinen Führerausweis erst seit kurzer Zeit. Die anderen Insassen hätten keinen Führerausweis. Laut Roberto T. gehört ihm das Unfallauto. Er vermutet deshalb, dass sein Sohn am Steuer sass. Bestätigt ist dies bislang nicht.
Die Kantonspolizei Aargau klärt weiterhin den genauen Unfallhergang und die Unfallursache. Damit ist auch noch nicht abschliessend geklärt, wer zum Unfallzeitpunkt am Steuer sass.
Wie dramatisch die Situation an der Unfallstelle war, schildert David P.* (33). Er war gerade mit dem Auto von Wohlen in Richtung Bremgarten unterwegs, als sich vor ihm ein Stau bildete. «Zunächst wusste ich nicht, was passiert war. Doch dann sah ich Rauch und Flammen», so der 33-Jährige.
Als er aussteigt, sieht er, dass ein Auto in Flammen steht. P. fragt einen Polizisten, ob Hilfe benötigt werde. Dieser antwortet ihm, dass bereits genügend Helfer vor Ort seien. Was er dort hörte, lässt ihn nicht los: «Was mich am meisten erschüttert hat, waren die Schreie.» Die Eindrücke seien nur schwer zu vergessen.
«Ich hoffe auf das Beste für alle»
Wohin die Gruppe unterwegs war, kann der Vater nicht mit Sicherheit sagen. Möglicherweise hätten die jungen Leute ein Fastfood-Restaurant besuchen wollen.
Für den 48-Jährigen sind diese Fragen derzeit zweitrangig. Er kennt auch die anderen Insassen persönlich. «Ich kenne jeden Einzelnen persönlich. Sie sind Freunde miteinander.»
Sein grösster Wunsch sei, dass alle wieder gesund nach Hause kommen. «Ich denke an meinen Sohn. Ich denke an die anderen Insassen», sagt er. «Ich bin selber jetzt zerstört und hoffe nur das Beste für alle.»
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