Stadt vertreibt Rehe vom Friedhof, weil sie Grabschmuck frassen

- Winterthur vertreibt rund 15 Rehe vom Friedhof Rosenberg, weil sie wiederholt Grabschmuck frassen.
- Trauergäste und Hinterbliebene hatten sich mehrfach beschwert, tierschonende Massnahmen halfen nicht dauerhaft.
- Neue Tore mit automatischem Schliessmechanismus sollen die Tiere künftig draussen halten.
Der Friedhof Rosenberg beim angrenzenden Lindbergwald in Winterthur ist ein beliebtes Zuhause für Rehe. Doch Mitarbeitende von Stadtgrün Winterthur mussten die Tiere am frühen Montagmorgen in einer mit der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung abgesprochenen und bewilligten Aktion zurück in den Lindbergwald treiben. Grund dafür sind wiederholte Reklamationen von Trauergästen und Hinterbliebenen. Dies teilt die Stadt Winterthur am Montag mit.
Denn die rund 15 Rehe frassen mit Vorliebe frischen Grabschmuck und frische Grabbepflanzung, wodurch die Grabgestaltung verwüstet wurde. Verschiedene tierschonende Vergrämungsmassnahmen blieben gemäss Stadt Winterthur ohne langanhaltenden Erfolg.
Bewilligte Vertreibungsaktion
Für die bewilligte Vertreibungsaktion wurde der Zaun im Nordwestteil des Friedhofes vorübergehend abmontiert. Treibegruppen durchkämmten das gesamte Friedhofsareal von Osten her. Sie stimmten sich über Funk miteinander ab.
Dabei legten sie besonderes Augenmerk darauf, das Treiben so langsam und ruhig wie möglich durchzuführen, damit die Rehe nicht aufgeschreckt werden und panisch flüchten. Die Tiere sollten langsam nach Westen in den Wald ausweichen können. Weder Tiere noch Menschen wurden bei der Aktion verletzt. Im Anschluss an den Rehtrieb stellten die Mitarbeitenden von Stadtgrün die Zäune wieder auf.
Bauliche Massnahmen an Friedhofstoren
Damit die Vertreibungsaktion erfolgreich bleibt, wurden drei neue Tore im Bereich der Werkgebäude montiert, deren Türen sich nach Benutzung automatisch schliessen. Diese Massnahme bewilligte der Stadtrat im Juni mit einem Verpflichtungskredit von 100’000 Franken. Zudem konnte das grosse, historische Haupttor beim Eingang mit einem automatischen Schliessmechanismus ausgestattet werden, damit es auch von gehbehinderten Personen problemlos benutzt werden kann.
Neben den technischen Massnahmen ist gemäss Stadt Winterthur auch das Verhalten der Friedhofsbesuchenden entscheidend. Die mit Federn ausgestatteten Türen auf der Waldseite des Friedhofs müssen nach Benutzung unbedingt geschlossen bleiben und dürfen nicht blockiert werden.
Rehe werden wohl zurückkehren
Weil die Anlage für das Rehwild derart attraktiv ist, muss davon ausgegangen werden, dass trotz aller Massnahmen einzelne Rehe auf den Friedhof zurückkehren könnten. Dazu reichen den schlanken Tieren bereits kleinste unbemerkte Lücken im Zaun oder eine offen gelassene Türe.
Das Ziel von Stadtgrün Winterthur sei es auch, unter dem Arbeitstitel «Lebensraum Friedhof» ein gutes und vertretbares Gleichgewicht zwischen natürlicher Fauna und Flora und den Bedürfnissen der Menschen, insbesondere der trauernden Hinterbliebenen, aufrechtzuerhalten.
Lisa Arnold (lia) arbeitet seit März 2026 bei 20 Minuten als Praktikantin im Ressort Zürich.
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