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Friday, November 6, 2026

Pionierprojekt – Gegen Hitzestau: Bier-Abwasser rettet Basler Gründächer

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Pionierprojekt Gegen Hitzestau: Bier-Abwasser rettet Basler Gründächer

Weil Gründächer bei Rekordhitze reihenweise austrocknen und ihren Kühleffekt verlieren, testet Basel eine Alternative: Tröpfchenbewässerung mit gereinigtem Bier-Brauchwasser.

73 Meter über dem Basler Boden wächst eigentlich eine grüne Wiese: Im historisch heissen Sommer in Basel ist die Dachbegründung des Biozentrums zu einer verdorrten Mini-Steppe geworden. Dachbegrünungsexperte Stephan Brenneisen legt die Stirn besorgt in Falten.

Es ist eine Katastrophe. Die Dachbegrünung ist nach kürzester Zeit ausgetrocknet. Somit gibt es keinen Kühlungseffekt mehr.

Der Dozent an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) forscht zum Thema Dachbegrünung. Seine Bilanz nach dem Hitzesommer fällt drastisch aus: «Es ist eine Katastrophe. Die Dachbegrünung ist nach kürzester Zeit ausgetrocknet. Somit gibt es keinen Kühlungseffekt mehr.»

Begrüntes Flachdach mit trockenem Gras und gewölbten Dachfenstern vor Wohnhäusern.
Legende: Innert kürzester Zeit trockneten die Dachbegrünungen in Basel diesen Sommer aus. zVg

Neben der ausbleibenden Kühlung hatte die Trockenheit fatale Folgen für die Biodiversität: «Die Tiere auf den Dächern starben», so Brenneisen. «Nach kürzester Zeit war es vorbei mit dem Leben auf diesen Flächen.»

Brenneisen untersuchte die Auswirkungen des Hitzesommers auf den Basler Dächern auch wissenschaftlich.

Aufnahmen mit Wärmebildkameras brachten ein ernüchterndes Resultat zutage: Die verdorrten Begrünungen heizten sich noch stärker auf als herkömmliche Kiesdächer – vom erhofften Kühleffekt blieb keine Spur mehr.

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  • Bild 1 von 3. Braune Wüste statt Oase: Die Hitzeperiode liess Flora und Fauna auf den Dächern eingehen – und heizte die Flächen stärker auf als reiner Kiesbelag. Bildquelle: zVg.

  • Bild 2 von 3. Braune Stoppelfelder statt reiche Flora: Im Hitzesommer vertrockneten die bepflanzten Dachflächen komplett. Ohne Verdunstung ging auch der Kühleffekt für die Umgebung verloren. Bildquelle: zVg.

  • Bild 3 von 3. Wie heftig und radikal die Dächer austrockneten, überraschte selbst den erfahrenen Forscher: Nach nur zwei Monaten waren die Flächen komplett ausgedorrt – und blieben es über Monate. Bildquelle: zVg.

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Gegen den Hitzekollaps auf den Flachdächern will Jascha van Gogh Gegensteuer geben. Der frühere Student Brenneisens leitet heute Projekte bei der Oekoskop AG und tüftelt an einer automatisierten Bewässerung direkt im Wurzelwerk. Auf einem Hotel im Gundeldingerfeld in Basel wird das System nun erstmals im Alltag getestet.

Um jeden Tropfen optimal zu nutzen, setzt Van Gogh auf feine Tropfschläuche direkt im Wurzelwerk, reguliert über Sensoren im Boden. Herkömmliche Sprinkler seien die falsche Wahl: «Dabei würde ein grosser Teil des Wassers bereits in der heissen Luft verdunsten, bevor es überhaupt die Wurzeln erreicht.»

Kostbares Trinkwasser kommt für das Basler Vorhaben nicht infrage – das wäre Ressourcenverschwendung. Stattdessen nutzt das Team das Abwasser der direkt benachbarten Brauerei.

«Wir haben einen Sandfilter, der die groben Schwebstoffe herausfiltert, damit es nachher durch die Tropfschläuche durchkommt und nicht alles verstopft.» Der pH-Wert werde laufend überwacht: Ist das Wasser zu sauer oder zu basisch, würden die Pflanzen absterben, so Van Gogh.

Hotelgäste und Quartier profitieren von natürlicher Kühle

Finanziert wird der Versuch auf dem ehemaligen Industrieareal durch Stiftungsgelder. Für Architektin Sarah Barth, die das Areal als Verwaltungsratspräsidentin leitet und sich seit Jahren für eine zukunftsfähige Baukultur engagiert, ist das Projekt ein doppelter Gewinn: «Wir erhoffen uns einen kühlenden Effekt für unsere Hotelgäste und für das ganze Quartier», sagt Barth.

Bleiben die Zimmer im Hochsommer durch das feuchte Dach auf natürlichem Weg kühl, spart das teure Energie: «Wir müssen keine Klimaanlage einbauen, die am Ende die Erde noch heisser machen würde.»

Umdenken beim Bau gefordert

Bestehende Gründächer nachträglich mit Filter- und Pumptechnik auszurüsten, ist kostspielig. Bei Neubauten hingegen lasse sich das Brauchwassersystem direkt mitplanen, sagt Experte Brenneisen.

Dafür brauche es allerdings einen Kulturwandel im Bauwesen. Traditionell gelte beim Bauen die Prämisse, Wasser so rasch wie möglich vom Gebäude wegzuleiten. Eine Dachfläche gezielt feucht zu halten, stosse oft auf Skepsis – technisch stelle die Abdichtung heute aber längst kein Problem mehr dar.

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