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Thursday, September 17, 2026

Hattest du diesen NZZ-Artikel im Briefkasten? Das steckt dahinter

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  • Die SVP-nahe Organisation Pro Schweiz verschickt ein NZZ-Interview zur Neutralitätsinitiative als Flyer in Millionen Schweizer Briefkästen.
  • Die NZZ genehmigte den Sonderdruck kommerziell, wusste aber nicht, dass ein Massenversand geplant war.
  • Pro-Schweiz-Geschäftsführer Werner Gartenmann weist eine Täuschungsabsicht zurück und gibt an, 200 Franken für die Rechtefreigabe bezahlt zu haben.

Paul Widmer (77) war über Jahrzehnte als Diplomat für die Schweiz unterwegs – unter anderem als Botschafter in Kroatien oder im Europarat. Kürzlich äusserte er sich in einem NZZ-Interview als Befürworter der Neutralitätsinitiative.

«Befürworter einer starken Neutralität als Putin-Agenten abzustempeln, ist inakzeptabel», erzählte er im Gespräch unter anderem. Das gefällt dem Ja-Lager bei der SVP-nahen Organisation Pro Schweiz offenbar gut.

Flyer im NZZ-Style kurz vor der Abstimmung

Rund drei Wochen nach dem Interview und zehn Tage vor der Abstimmung landet das Interview nämlich in Millionen von Schweizer Briefkästen. Erst auf der Rückseite wird klar, dass es sich nicht um eine NZZ-Werbung handelt, sondern um einen Flyer der rechten Organisation.

Erst auf der Rückseite wird klar, dass es sich um eine politische Werbung für die Neutralitätsinitiative von Pro Schweiz handelt. Das ärgert mehrere 20-Minuten-Leser.

Erst auf der Rückseite wird klar, dass es sich um eine politische Werbung für die Neutralitätsinitiative von Pro Schweiz handelt. Das ärgert mehrere 20-Minuten-Leser.privat

Ein 20-Minuten-Leser ärgerte sich darüber und findet: «Mir reichts langsam mit all der Abstimmungspropaganda – und wäre ich die NZZ, würde ich mich schämen, dass ihr Name und ihre Marke in diesem Kontext benutzt werden.»

NZZ: «Ausgestaltung als politische Wurfsendung lag uns nicht vor»

Tatsächlich hat die NZZ die Zweitverwendung des Interviews als Sonderdruck im Rahmen ihres üblichen Prozesses genehmigt, wie Sprecherin Karin Heim bestätigt. Dabei habe es sich um eine kommerzielle Rechtefreigabe gehandelt und «nicht um einen redaktionellen Entscheid», erklärte sie.

Brisant: Die NZZ wusste nicht, dass ein Massenversand geplant war. «Die konkrete Ausgestaltung als politische Wurfsendung lag uns bei der Freigabe nicht vor», so Heim. Man habe «den internen Freigabeprozess für entsprechende Anfragen inzwischen angepasst». Die Frage, ob weitere Schritte vorgesehen seien, beantwortet sie nicht.

Initianten: «Absender war klar und wir haben sauber gearbeitet»

Haben die Initianten die NZZ also getäuscht? Das weist Werner Gartenmann, Geschäftsführer bei Pro Schweiz, klar von sich. Er hatte direkten Kontakt mit der NZZ und per Mail einen Sonderdruck angefragt, was bewilligt wurde. «Wir haben dafür eine Gebühr bezahlt. Ein Gut zum Druck wurde nicht verlangt», so Gartenmann.

Auch Paul Widmer selbst habe den Versand des «hochinteressanten Interviews» freigegeben. «Für uns war immer klar, dass wir einen Massenversand machen. Eine Täuschung weise ich klar zurück, wennschon handelt es sich um ein Missverständnis. Mein Absender war klar und wir haben sauber gearbeitet», hält Gartenmann fest. Gemäss dem Mail-Verkehr, der 20 Minuten vorliegt, betrug die Gebühr 200 Franken.

Welche Art von Abstimmungsflyer würdest du am ehesten lesen?

Das Interview wurde wie bereits die Abstimmungszeitung in alle Deutschschweizer Haushalte verschickt. Auch sämtliche Romands sollen in diesen Tagen mit einer übersetzten Version versorgt werden. Gesamthaft dürfte die Auflage bei über vier Millionen Exemplaren liegen. Ob die teure Schlussoffensive hilft, zeigt sich am 27. September. Gemäss neuster Umfrage liegen die Gegner klar vorne.

Christof Vuille

Christof Vuille (vuc) leitet seit 2023 das Ressort Politik und ist Mitglied der Redaktionsleitung. Er berichtet für 20 Minuten nah am Puls der Bundespolitik.

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