Gefährliches Vorhofflimmern erkennen und behandeln
Monika Zentner war immer sehr aktiv. Dennoch geriet ihr Herz irgendwann aus dem Rhythmus. Diagnose: Vorhofflimmern. Wie ihr geholfen werden konnte.
02.11.2026 | 5:02 min"Herz aus dem Takt!" - so lautet das Motto der Herzwochen 2026 der Deutschen Herzstiftung. Dabei geht es um Vorhofflimmern, eine häufige Herzrhythmusstörung, bei der das Herz zu schnell schlagen und dauerhaft aus dem Takt geraten kann. Betroffene können Vorhofflimmern als heftiges Herzklopfen, Engegefühl in der Brust, Atemnot oder Schwindel erleben. Es reduziert die Belastbarkeit und Lebensqualität sehr stark.
Was bei Vorhofflimmern geschieht
Der Rhythmus des Herzschlags wird durch elektrische Impulse gesteuert. Die Zellen des sogenannten Sinusknotens geben normalerweise den Takt dafür vor: 60 bis 90 Schläge pro Minute. Bei Vorhofflimmern kommt es an den Einmündungen der Lungenvenen in den linken Vorhof zu chaotischen Impulsen, die den Sinusknoten quasi überstimmen und die Herzschlagfrequenz auf bis zu 200 Schläge pro Minute erhöhen können. Die Pumpleistung des Herzens ist dabei deutlich reduziert.
Vorhofflimmern, verengte Herzkranzgefäße, erhöhtes Cholesterin: Im Frauenherzzentrum der Universitätsmedizin Frankfurt steht das Herz von Frauen im Fokus, denn bei ihnen werden Herzerkrankungen seltener erkannt.
28.05.2026 | 5:21 minMögliche Folgen des Vorhofflimmerns
Vorhofflimmern selbst ist zwar nicht direkt lebensbedrohlich, es erhöht aber das Risiko für schwerwiegende Folgeerkrankungen. Daher sei diese Herzrhythmusstörung als gefährlich einzustufen, erläutert Joachim Ehrlich, Kardiologe am St. Josefs-Hospital in Wiesbaden.
Vorhofflimmern ist nichts, was man sich von der Jacke wischt, sondern eine ernst zu nehmende Krankheit, die Herzschwäche und Schlaganfälle durch Blutgerinnsel verursachen kann.
Prof. Dr. Joachim Ehrlich, Kardiologe, Wiesbaden
Zu Herzschwäche kann es durch die erhöhte Herzbelastung kommen und die verminderte Pumpleistung begünstigt die Gerinnselbildung.
Etwa vier Millionen Menschen in Deutschland haben eine chronische Herzschwäche. Neue Medikamente, sogenannte SGLT2-Inhibitoren, geben einigen Betroffenen nun Hoffnung.
18.05.2026 | 5:10 minRisikofaktoren für Herzrhythmusstörungen
Das Risiko, an Vorhofflimmern zu erkranken, steigt mit dem Alter. Weitere Risikofaktoren sind etwa Bluthochdruck, Übergewicht, Bewegungsmangel, Herzkrankheiten wie eine undichte Herzklappe sowie Rauchen, hoher Alkoholkonsum und chronischer Stress.
Die Diagnose erfolgt durch Kardiologen mittels Puls- und Blutdruckmessung, EKG und Herzultraschall. Hilfsmittel auf Basis smarter Technologien ermöglichen Betroffenen zudem die laufende Überwachung der Herzfunktion.
Es gibt mehrere Modelle von Smart-Watches oder Smart-Ringen, die Blutdruck und Puls messen, zum Teil sogar ein EKG schreiben können. Betroffene haben die Möglichkeit, die Daten in verschiedenen Apps auswerten zu lassen und Warnungen hinsichtlich eines unregelmäßigen Herzrhythmus zu erhalten. Mit Empfehlungen etwa für mehr Bewegung motivieren diese Apps auch dazu, gesünder zu leben.
Wie Vorhofflimmern behandelt wird
Ziel der Therapie ist es, Schlaganfällen vorzubeugen und den Herzrhythmus zu normalisieren. Dazu werden Blutverdünner sowie Medikamente zur Regulierung der Herzfrequenz und Behandlung einer Herzschwäche eingesetzt.
Wenn das nicht ausreicht oder bereits eine Herzschwäche besteht, kommt eine sogenannte Katheter-Ablation infrage. Dabei wird ein Katheter über die Leiste zum Herzen geführt. Dort, wo die falschen elektrischen Impulse entstehen, wird dann das Herzgewebe verödet. Dadurch entsteht eine Narbe, die verhindert, dass die Fehlimpulse weitergeleitet werden.
Kinder mit Herzfehler brauchen teils früh einen Herzschrittmacher, der oft ausgetauscht werden muss. Forschende in Aachen entwickeln "BioPacer" aus körpereigenen Zellen als mögliche Alternative.
29.09.2026 | 1:50 minEin solcher Eingriff erfolgt unter Sedierung des Patienten und dauert etwa 45 Minuten. Komplikationen wie Blutungen sind selten, aber möglich. Um das Risiko eines Schlaganfalls während der Katheterablation zu minimieren, überprüfen die Ärzte zuvor mittels Herzultraschall, ob am Ort des Eingriffs Blutgerinnsel vorliegen. Das Verfahren ist laut Joachim Ehrlich etabliert.
Seit fast 30 Jahren haben wir das Prinzip der Ablation und es wird immer mehr verfeinert.
Prof. Dr. Joachim Ehrlich, Kardiologe, Wiesbaden
Eine Ablation kann auch mit dem Einsetzen eines Herzschrittmachers kombiniert werden. Studien zeigen, dass dieses Verfahren vor allem für ältere Patienten geeignet ist.
In einer Studie wurde untersucht, wie es Patienten nach Ablation im Vergleich zu Patienten nach Ablation in Kombination mit eingesetztem Herzschrittmacher geht.
Das Ergebnis: Bei Menschen über 75 Jahren mit dauerhaftem Vorhofflimmern führt die Ablation in Kombination mit Herzschrittmacher nach dem Eingriff zu deutlich weniger Problemen und Krankenhausaufenthalten.
Ein neues Katheter-Verfahren verspricht eine deutlich schonendere und effektivere Behandlung bei Vorhofflimmern als die bisher gängige Methode.
04.08.2025 | 3:20 minWas Betroffene selbst tun können
Alter und genetische Veranlagung sind nicht beeinflussbar. Umso wichtiger ist es, andere Risiken für Vorhofflimmern so gering wie möglich zu halten. Dazu gehört es laut Ehrlich auch, auf eine gute Einstellung des Blutdrucks zu achten. Betroffene sollten zudem leichten Ausdauersport treiben, sich gesund ernähren und Übergewicht vermeiden, so der Herzspezialist weiter.
Viele Studien belegen: Eine Ablation in Kombination mit Bewegung oder Gewichtsreduzierung führt zu höherer Lebensqualität als die Ablation allein.
Prof. Dr. Joachim Ehrlich, Kardiologe, Wiesbaden
Selbstredend sollten Patienten nach Vorhofflimmern laut Ehrlich außerdem auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum verzichten.
Leben mit implantiertem Defibrillator
:Was Betroffene zu ICD-Defibrillatoren wissen solltenWer gefährliche Herzrhythmusstörungen hat, lebt in ständiger Angst vor dem plötzlichen Herztod. Ein implantierter Defibrillator kann schützen.
von Anne Waltermann
mit Video5:11
FAQ
Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung "Volle Kanne" am 02.11.2026 ab 09:05 Uhr.
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