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Friday, October 23, 2026

Faktencheck: Wie erkenne ich staatliche Propaganda?

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Der US-Iran Krieg im Jahr 2026 wurde nicht nur mit Waffen ausgetragen, sondern auch mit Worten, Bildern und Videos in den sozialen Medien. 

Von "The Lego Movie" inspirierte, KI-generierte Animationen stellten die militärische Macht des Irans dar, während ein anderes Animationsvideo eine überdimensionale Version des US-Vizepräsidenten JD Vance zeigte, der wie Godzilla durch Teheran wütete. 

Accounts, die solche Inhalte teilen, haben Millionen von Aufrufen gesammelt und sind ein gutes Beispiel für Propaganda im Zeitalter der künstlichen Intelligenz. 

Diese Beispiele zeigen zudem, wie sich Propaganda – obwohl kein neues Phänomen – gemeinsam mit der Technologie weiterentwickelt.

Aber was ist Propaganda überhaupt? Und wie erkenne ich sie? Dieser Text vom DW-Faktencheckteam liefert Antworten auf diese Fragen. 

Die KI generierte Aufnahme zeigt einen Flugzeugträger auf dem Meer, der von einem Schiff mit iranischer Flagge beobachtet wird
Propaganda auf Knopfdruck: Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) revolutioniert die Herstellung und Verbreitung von manipulierten Inhalten enormBild: X

Was ist Propaganda?

Politiker benutzen Propagandagezielt, um das Denken, Handeln und Fühlen von Menschen zu beeinflussen.

Bestimmte Fakten werden hervorgehoben, während andere ausgelassen oder falsch dargestellt werden. Die Darstellung von Informationen geschieht also selektiv.  

Nicht nur autoritäre Staaten wie Russland, China und Nordkorea nutzen Propaganda, sondern auch demokratische Länder. Ein wesentlicher Unterschied zwischen den politischen Systemen, die Propaganda verbreiten, besteht darin, dass Propaganda in autoritären Staaten oft stark zentralisiert und streng kontrolliert ist. 

In demokratischen Gesellschaften ist Propaganda oft pluralistischer und wird von einem breiteren Spektrum von Akteuren produziert. Zudem ist der Zugang zu alternativen Medien und Informationen in Demokratien weitaus freier.

Propaganda kann Menschen dazu bewegen, auf eine bestimmte Art und Weise zu handeln oder sich zu verhalten, erklärt Piers Robinson, Politikwissenschaftler von der Organisation für Propagandastudien, im DW-Interview. 

Irak-Krieg, Beispiel für Desinformation

Als Beispiel nennt Robinson die Rechtfertigung US-amerikanischer Politiker für den Irakkrieg 2003. "In diesem Fall haben sie den Irak als größere Bedrohung erscheinen lassen, als er tatsächlich war", so Robinson.

So hätten US-amerikanische Regierungspolitiker verkündet, Saddam Hussein sei im Besitz von Massenvernichtungswaffen gewesen. Diese wurden allerdings nie gefunden. Angebliche Beweisfotos der CIA waren also gezielte Desinformation und Propaganda.

Der Irakkrieg verdeutlicht ein weiteres zentrales Ziel von Propaganda: Die Herabwürdigung politischer Gegner, rivalisierender Länder oder die Diskreditierung von Kulturen und Werten, die als unerwünscht oder bedrohlich angesehen werden. 

Großbritannien London 2026 | Daily Telegraph KI-Bild & Axel-Springer-Übernahme. Trump inszeniert sich mit KI als Jesus. Er trägt ein weißes Gewand mit einem roten Überhang, dahinter weht eine US-Fahne  -KI-Bild & Axel-Springer-Übernahme
Heiland oder Herrscher? US-Präsident Donald Trump stellte sich mit Hilfe von KI als Jesus dar – mittlerweile hat er den Post gelöschtBild: Vuk Valcic/SOPA Images/ZUMA/picture alliance

US-Präsident Donald Trump ist ein typisches Beispiel dafür. Forscher, die seine politische Rhetorik analysieren, verweisen darauf, dass er häufig Beschimpfungen benutzt, um politische Gegner zu diffamieren. Ein weiteres Mittel sind übertriebene Behauptungen, mit denen er Einwanderer abwertend darstellt. 

Welche Rolle spielen Medien bei der Verbreitung politischer Propaganda?

"Medienorganisationen können Propagandabotschaften entweder bewusst oder versehentlich verbreiten und verstärken", erklärt Christian Mihr von Reporter ohne Grenzen (RSF) gegenüber der DW. 

Dem staatlich finanzierten russischen Fernsehsender Russia Today wird beispielsweise oft vorgeworfen, als Sprachrohr des Kremls zu dienen. Die Berichterstattung des Senders spiegelt weitgehend die offizielle Position der russischen Regierung wider. 

Russia Today
Der russische Staatssender Russia Today hat Ableger in mehreren Ländern der Welt, darunter auch Deutschland und die USA. Bild: Jaap Arriens/NurPhoto/picture alliance

Im Idealfall übernehmen Medienunternehmen die gegenteilige Rolle: Sie agieren als sogenannte “Watchdogs”, zu Deutsch Wachhunde, die Propaganda aufspüren und entlarven.

Dies gilt laut Medienforschungals eine der Hauptaufgaben des Journalismus. Journalisten könnten politische Propaganda bestenfalls einordnen, sagt Mihr von den Reportern ohne Grenzen. Zum Beispiel Politikern kritische Fragen stellen und unabhängige Experten zu einem Thema befragen. 

Und wie sieht es mit KI-generierter Propaganda aus? 

Künstliche Intelligenz verändert grundlegend die Art und Weise, wie Propaganda erstellt und verbreitet wird. 

Während es früher Stunden oder Tage dauerte, um KI zu produzieren, können KI-Tools heutzutage innerhalb von Sekunden oder Minuten Bilder, Videos und Audiodateien generieren. 

Dies ermöglicht es Regierungen und anderen Akteuren, Botschaften schnell anzupassen und auf unterschiedliche Zielgruppen, Plattformen und Sprachen zuzuschneiden.

UGC screenstill. Zu sehen ist eine Karikatur von Trump, daneben ein Chat über Beiträgen, was die US-Regierung im Iran erreicht bzw nicht erreicht hat.
Trump in Panik: KI-Karikatur des US-Präsidenten, die zeigt, dass der Krieg zwischen den USA und dem Iran im Jahr 2026 nicht nur auf dem Schlachtfeld ausgetragen, sondern auch in den sozialen Medien geführt wirdBild: instagram

Hier kommt der Begriff "Slopaganda"ins Spiel. Er setzt sich aus den Begriffen "Propaganda" und "Slop" zusammen. Als "Slop" wird häufig KI-generiertes Material in niedriger Qualität bezeichnet.

Ein Beispiel: Die oben erwähnten KI-generierten Videos zum US-Iran Krieg 2026. Ihre weitverbreitete Nutzung hat einige Beobachter dazu veranlasst, den Konflikt als "Slopaganda-Krieg" zu bezeichnen – eine neue Form der Online-Informationskriegsführung.  

Wie kann ich Propaganda erkennen?

Auch wenn Propaganda oft diskret und unauffällig ist, gibt es Möglichkeiten, sie zu erkennen. Eine der wirksamsten Methoden besteht darin, genau zu prüfen, woher die Informationen stammen. 

Wurde die Nachricht von einem Regierungsvertreter oder einer Behörde veröffentlicht? Stammt sie von einem staatlich finanzierten Medienunternehmen? Oder von einem damit verbundenen Account? 

Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um mehr über die Quelle zu erfahren. Wer steckt dahinter? Gibt es irgendwo einen Hinweis auf die Verantwortlichen? Kann ich Informationen darüber finden, wie die Quelle finanziert wird? Ist ihr Zweck klar? 

USA Nancy Pelosi Asienreise. Ein Mann hat eine Lupe in der rechten Hand und schaut auf einen Zeitungsbericht mit einem Foto von US-Politikerin Nancy Pelosi. Er ist von hinten zu sehen und trägt eine Baseballkappe.
Ein scheinbar ganz normales Foto der US-Politikerin Nancy Pelosi, die im Juli 2022 nach Peking und danach nach Taipeh fuhr....politische Berichterstattung kann zur Verbreitung von Propaganda genutzt werden, deshalb ist es wichtig zu überprüfen, was das Ziel hinter einer Aussage oder Behauptung sein könnteBild: Andy Wong/AP Photo/picture alliance

Je mehr Informationen Sie herausfinden können, desto besser können Sie eine Quelle bewerten. Mangelnde Transparenz ist oft ein Warnsignal. Sobald Sie analysiert haben, woher die Informationen stammen, schauen Sie sich den Inhalt genauer an. 

Seien Sie vorsichtig bei Informationen, die starke Emotionen hervorrufen, sowohl positive als auch negative. Propaganda und "Slopaganda" sind oft darauf ausgelegt, emotionale Reaktionen auszulösen, anstatt kritisches Denken zu fördern. 

Halten Sie einen Moment inne, wenn ein Beitrag bei Ihnen Wut, Angst oder Empörung auslöst. Oder wenn er stark an Ihre persönliche, religiöse, ethnische oder nationale Identität appelliert.

Mehrere Quellen vergleichen

Schauen Sie sich außerdem genau an, was in dem Beitrag tatsächlich steht. Wenn Sie sich über das Thema informieren, unabhängige Quellen konsultieren und verschiedene Perspektiven vergleichen, können Sie eine Botschaft kritischer beurteilen. 

Stellen Sie sich folgende Fragen: Wird in dem Beitrag komplexe Thematik vereinfacht und "schwarz-weiß" dargestellt? Wird behauptet, dass nur ein Standpunkt akzeptabel ist? Werden Gruppen oder Gegner verteufelt? Werden Fakten selektiv verwendet und wichtige Zusammenhänge ausgelassen? Werden Statistiken irreführend eingesetzt? 

Seien Sie auch skeptisch gegenüber der Menge an Posts oder Aussagen. Wie wir oben gesehen haben, setzt "Slopaganda" darauf, große Mengen an mangelhaften, emotional aufgeladenen Inhalten zu verbreiten. 

Eines ihrer Ziele ist es, den Eindruck eines Konsenses zu erwecken: Je öfter Menschen eine Botschaft sehen, desto eher neigen sie dazu, sie als allgemein akzeptiert wahrzunehmen. Wenn Sie also eine Botschaft wiederholt sehen oder immer wieder auf dieselbe Behauptung stoßen, nehmen Sie Abstand davon und recherchieren Sie weiter. 

Dieser Artikel wurde erstmals im Jahr 2022 veröffentlicht und am 23. Oktober 2026 überarbeitet, um neue Entwicklungen und Trends zu berücksichtigen. Mitarbeit: Wulf Wilde.

Der Artikel ist Teil einer DW-Faktencheck-Serie zum Thema digitale Kompetenz. Weitere Artikel sind:

• Wie erkenne ich manipulierte Bilder?

• Wie erkenne ich KI-generierte Bilder?

• Wie erkenne ich Deepfakes?

• Wie erkenne ich staatliche Propaganda?

• Wie erkenne ich Fake-Accounts, Bots und Trolle?

• Wie erkenne ich Audio-Deepfakes?

Und hier lesen Sie mehr darüber, wie die DW Fake News für ihre Faktenchecks überprüft.

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