Erfolg im Schweizer Sport – Roger Schnegg: «Stillstand bedeutet, dass wir zurückfallen»

Der Schweizer Spitzensport erlebt ein Hoch. Allein an der Leichtathletik-EM gab es letzte Woche sieben Medaillen. Roger Schnegg, scheidender Direktor von Swiss Olympic, erklärt die Gründe für den Erfolg, warum mehr Geld tatsächlich mehr Medaillen bringt und weshalb er von Erfolgen nie genug bekommen kann.
Roger Schnegg
Direktor Swiss Olympic
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Roger Schnegg ist Direktor von Swiss Olympic. Der Dachverband vertritt den Schweizer Sport gegenüber dem IOC und verantwortet die Schweizer Delegationen an Olympischen Spielen.
SRF News: Roger Schnegg, einmal mehr waren Schweizer Leichtathletinnen und Leichtathleten erfolgreich an einem Grossanlass. Hat man sich fast schon daran gewöhnt?
Roger Schnegg: Es ist tatsächlich fast schon selbstverständlich geworden. Aber das ist gefährlich! Man vergisst, wie viel Arbeit dahintersteckt. Sei es von den Sportlerinnen und Sportlern selbst, aber auch vom ganzen System. Heute gewinnt nicht per Zufall mal eine Athletin eine Medaille, mittlerweile haben wir eine grosse Breite.
Der Schweizer Spitzensport hat sich super entwickelt und ist immer breiter aufgestellt.
In den letzten Wochen gab es auch WM- oder EM-Medaillen im Schwimmen, Fechten, Kanu, Turmspringen, BMX und Mountainbike. Ist der Schweizer Spitzensport momentan auf Erfolgskurs?
Er ist auf einem sehr guten Niveau, hat sich super entwickelt und ist immer breiter aufgestellt. Das ist sicher erstaunlich für ein kleines Land. Er hat sich auch in schwierigen Zeiten behauptet, etwa während der Pandemie: Da gab es im Vergleich mit dem Ausland gute Unterstützung vom Bund. Das hat enorm geholfen, die Athletinnen und Athleten, aber auch die Vereine, durch die Zeit zu tragen.
Swiss Olympic kann heute deutlich mehr Geld an die Verbände auszahlen als vor zehn Jahren. Bedeutet mehr Geld automatisch mehr Medaillen?
Ganz so einfach ist es nicht, aber es ist ein entscheidender Teil. Mehr Geld bedeutet professionellere Trainerinnen und Trainer sowie Betreuende. Es erlaubt Athletinnen und Athleten, nebst dem Training weniger oder gar nicht mehr zu arbeiten. Gute Rahmenbedingungen sind heute auf internationalem Niveau absolut notwendig.
Erfolgreiche Vorbilder zeigen dem Nachwuchs: Auch wir als kleines Land können es schaffen.
Was bringen gewonnene Medaillen uns als Gesellschaft?
Man sieht die Euphorie, die Erfolge auslösen. Wenn Mujinga Kambundji gewinnt, wollen plötzlich Hunderte Mädchen oder Jungs sprinten. Erfolgreiche Vorbilder zeigen dem Nachwuchs: Auch wir als kleines Land können es schaffen. Das hat eine enorme Wirkung. Aber auch die, die es nicht ganz an die Spitze schaffen, bringen dank ihrer Erfahrungen im Spitzensport der Gesellschaft, etwa am Arbeitsplatz, einen Mehrwert.
Sind es auch mal genügend Medaillen? Könnte man sagen, das aktuelle Niveau reicht?
Ich persönlich bekomme von Erfolgen nie genug. Aber es geht nicht nur darum. Die internationale Konkurrenz schläft nicht. Es wird massiv in den Sport investiert, auch in Ländern, die früher weniger sportaffin waren, etwa in Asien oder in der Golfregion. Wenn wir stehenbleiben, fallen wir im internationalen Vergleich zurück. Deshalb braucht es eine stetige Weiterentwicklung. Das heisst auch: mehr Geld.
Ende August verlassen Sie Swiss Olympic und werden Chef von Bernexpo, die in Bern Messen und Veranstaltungen durchführt. Heisst das für Sie in Zukunft: Säuli-Rennen an der BEA statt 100-Meter-Sprint im Letzigrund?
Ja, wahrscheinlich schon (lacht). Ich liebe Events und Veranstaltungen, das habe ich auch innerhalb des Sports sehr genossen. Ich freue mich darauf und finde es schön, dort, wo man aufgewachsen ist, hoffentlich etwas Gutes zu tun.
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