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Sunday, September 13, 2026

Trick für die Geschichte: Ein Sprung machte sie zur Weltmeisterin

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  • Die Lausannerin Camille Losserand wurde 2023 mit 19 Jahren zur Kitesurf-Weltmeisterin im Big Air.
  • Den Titel sicherte sie sich mit einem Trick, den zuvor noch keine Frau in einem Wettkampf gestanden hatte.
  • Mit 22 Jahren gehört Losserand bereits zur Weltspitze – 2024 belegte sie Rang drei der Weltwertung.

Vier Kitesurferinnen können noch Weltmeisterin werden, als Camille Losserand am 2. Juni 2023 im spanischen Tarifa in den entscheidenden Final geht. Die damals 19-jährige Schweizerin führt nach dem ersten Lauf.

Doch statt auf Sicherheit zu setzen, wagt sie etwas, das selbst für sie Neuland ist. Wie «The Red Bulletin» schreibt, will Losserand einen Front Roll Rodeo Contra Loop versuchen – einen Trick, den zuvor noch nie eine Frau erfolgreich absolviert hat.

Losserand klemmt dabei das Board zwischen die Beine und vollführt eine 360-Grad-Drehung, während sie gleichzeitig den Kite in die Gegenrichtung rotieren lässt. Keine Frau hatte diesen Trick zuvor in einem Wettkampf gestanden. Kurz vor dem Start gibt ihr Trainer den entscheidenden Impuls: «Versuch es. Du hast nichts zu verlieren.»

«Überall Gänsehaut»

Bei rund 25 Knoten Wind, umgerechnet etwa 46 km/h, geht die Lausannerin aufs Wasser. Und tatsächlich: Sie landet den Trick – und sichert sich erstmals den Big-Air-Weltmeistertitel. «Ich hatte überall Hühnerhaut», sagt Losserand rückblickend.

Dass es ausgerechnet in diesem Moment klappt, führt sie auch auf ihre mentale Vorbereitung zurück. Bevor sie neue Tricks ausprobiert, spielt sie die Bewegungsabläufe im Kopf durch. «Ich gehe den Trick Schritt für Schritt durch. Ich sehe mich selbst, wie ich in die Rotation gehe, wie ich lande.» Konsequent angewendet, könne diese Methode helfen, mentale Barrieren zu überwinden.

Das Wasser ist ihr Element.

Das Wasser ist ihr Element.Samuel Cardenas / The Red Bulletin

Losserands Weg an die Weltspitze beginnt fernab der perfekten Kitesurf-Bedingungen. Sie ist in Lausanne aufgewachsen, zwar am Genfersee, aber ohne konstante Winde und Wellen. Professionelles Training ist dort nur eingeschränkt möglich.

Umzug kurz vor Corona

Kurz vor der Corona-Pandemie zieht die Familie für ein Jahr nach Málaga. An den Wochenenden geht es regelmässig nach Tarifa, einen der bekanntesten Kitesurf-Orte Europas. Losserand ist damals 17, verbringt immer mehr Zeit auf dem Wasser und fährt erste Wettkämpfe. Weil es nur wenige Mädchen gibt, tritt sie zunächst teilweise auch gegen Jungs an. Später gewinnt sie bei den Frauen – und merkt, dass aus ihrer Leidenschaft eine Karriere werden kann.

Nach der Pandemie stellt sie deshalb auf ein Onlinestudium um und reist dorthin, wo Wind und Wellen passen. Ägypten, Tarifa und andere Spots werden zu ihrem Trainingsalltag. Heute verbringt sie ungefähr die Hälfte des Jahres ausserhalb der Schweiz, viel davon in Tarifa. Ihre Familie teilt die Leidenschaft für den Sport und hat dort ein Haus rund zehn Minuten vom Strand entfernt.

Der schnelle Aufstieg bringt aber auch schwierige Phasen mit sich. Losserand beginnt nach eigenen Angaben vor rund drei Jahren mit einer Schweizer Mentaltrainerin zu arbeiten. Entscheidend sei gewesen, den Fokus wieder stärker auf sich selbst zu richten – und auf den Grund, weshalb sie überhaupt kitet. «Wenn ein Wettkampf nicht gut läuft, dann ist der nächste eine neue Chance.»

Pause? Losserand will aufs Wasser

Der WM-Triumph 2023 bleibt nicht ihr einziger grosser Erfolg. 2024 wird Losserand Dritte der Kitesurf-Weltwertung, dazu kommen mehrere Siege bei spanischen Meisterschaften. Mit 22 Jahren gehört die Schweizerin damit bereits zur Weltspitze.

Stillstehen will sie trotzdem nicht. Sie möchte wieder Weltmeisterin werden, im Wave-Kiten dazulernen und Orte entdecken, an denen bisher kaum jemand auf dem Kiteboard unterwegs war. Dabei sollen Resultate nicht alles bestimmen.

«Ich will präsent sein und geniessen, was ich mache», sagt Losserand. Zeit mit ihrer Familie, geerdet bleiben und Freude am Sport behalten – das sei ihr ebenfalls wichtig. Ganz ohne Kitesurfen geht es aber nicht: «Immer, wenn ich eine kleine Pause einlege, merke ich: Ich muss zurück aufs Wasser. Es ist ein Bedürfnis.»

Den ganzen Artikel gibt’s in der neuesten Ausgabe von «The Red Bulletin».

Was denkst du über Camille Losserands Risikotrick im WM-Final?

Sven Forster

Sven Forster (fss) arbeitet seit 2018 für 20 Minuten. Er ist seit Anfang 2024 als Blattmacher im Einsatz. Dazu leitet er seit September 2024 das Sportressort.

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