«Echt süss»: Lehrer schickt Schülerin (14) Tausende Nachrichten

- Ein Lehrer eines Zürcher Gymnasiums schickte einer 14-jährigen Schülerin von Mai 2024 bis Weihnachten 2025 über 3000 Whatsapp-Nachrichten.
- Hinzu kamen 18 teils nächtliche Telefonate sowie Besuche in ihrem Hotelzimmer auf einer Schulreise.
- Der Lehrer ist weiterhin angestellt – die betroffene Schülerin (heute 16) fürchtet, ihm in ihrem letzten Gymi-Jahr zu begegnen.
Ein Lehrer eines Zürcher Gymnasiums hat von Mai 2024 bis Weihnachten 2025 über 3000 Whatsapp-Nachrichten an seine damals 14-jährige Schülerin Sina geschickt. Hinzu kamen 18 Telefonate, teils nachts, und Treffen, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.
01.11 Uhr nachts: «Freu mich, dich wieder zgseh»
Der zunächst fachliche Austausch wurde schnell privat: Der Lehrer fragte nach Sinas Beziehung und Menstruationsbeschwerden, verlangte Fotos und kommentierte eines mit «echt süss». Einmal schrieb er ihr um 1.11 Uhr nachts: «Ich freue mich, dich wieder zgseh.» Sexuelle Nachrichten enthalten die Chats, die dem «Tages-Anzeiger» vorliegen, laut der Zeitung nicht.
Sina, bei der eine Autismus-Spektrum-Störung diagnostiziert wurde, fühlte sich nach eigenen Angaben zum Antworten verpflichtet – auch, weil der Lehrer bestimmte, wer im Rahmen eines Freifachs an Auslandsreisen teilnehmen durfte. Auf einer solchen Reise habe er sie zweimal abends im Hotelzimmer besucht und sich auf ihr Bett gelegt, sagt Sina. Danach schrieb er: «Ich hoffe fest, dass du dich chli chasch usrueh und sorry nomal, dass ich dich gester so lang vom schlafe abghalte han.»
Eltern trafen Schülerin mit Lehrer im Wald an
Als Sina zum Schulschluss im Dezember 2025 nicht nach Hause kam, orteten ihre Eltern ihr Handy in einem Waldstück. Dort trafen sie ihre Tochter an, als sie mit dem Lehrer den Wald verliess. Die Eltern entdeckten daraufhin die Chats und meldeten den Fall am 5. Januar 2026 der Schule.
Erst sieben Tage später leitete die Schulleitung ein «schulinternes personalrechtliches Verfahren» ein. Ein Arealverbot erhielt der Lehrer erst, als die Eltern Anfang Februar mit einem Anwalt intervenierten, dann wurde er auch vorläufig vom Unterricht freigestellt. Zuvor hatten sie auch Strafanzeige erstattet, diese wird noch geprüft. Für den Lehrer gilt die Unschuldsvermutung.
«Davor habe ich echt Angst»
Inzwischen ist der Mann wieder an der Schule. Laut den Verantwortlichen wurden weitreichende Massnahmen zur Unterstützung der Schülerin ergriffen und eine externe Fachperson beigezogen. Im August teilte die Schule den Eltern mit, der Lehrer unterrichte «bis auf Weiteres» nicht, werde im neuen Schuljahr aber «gelegentlich wieder im Schulhaus anwesend» sein.
Welche Aufgaben er übernimmt, ist unklar. Den vollständigen Untersuchungsbericht erhalten die Eltern nicht; dagegen haben sie Rekurs eingelegt. Für die heute 16-Jährige bleibt die Situation belastend: Sie muss damit rechnen, dem Lehrer in ihrem letzten Gymi-Jahr zu begegnen – «und davor habe ich echt Angst», sagt Sina zum «Tages-Anzeiger».
*Name vom «Tages-Anzeiger» geändert
Benedikt Hollenstein (bho) ist seit 2021 bei 20 Minuten. Er schreibt für den Newsdesk und übernimmt dort auch Tagesleitungsschichten.
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