Schweizer KI rüstet massiv auf

Mehr Code, mehr Mathe, mehr Selbständigkeit: Auf dem Supercomputer Alps in Lugano TI entsteht zurzeit die nächste Version des Schweizer KI-Modells Apertus. Co-Leiter Imanol Schlag hat jetzt in Zürich erste Details verraten.
Publiziert: vor 14 Minuten
- Apertus 2.0 wird auf Tausenden Grafikkarten in Lugano trainiert
- Release 2027 geplant, Fokus auf Code, Mathe und KI-Agenten
- Hackathon-Reihe «Hack Apertus» ist am 1. Oktober gestartet
Tobias BolzernRedaktor Digital
Vor gut einem Jahr war Apertus noch in den Kinderschuhen – ein reines Textmodell. Heute erkennt das Schweizer KI-Modell auch Bilder, versteht Audio und löst Aufgaben in mehreren Denkschritten. Version 1.5 ist im vergangenen Juli erschienen. Jetzt folgt der nächste grosse Sprung.
Apertus 2.0 werde das grösste Modell, das sich auf der eigenen Infrastruktur trainieren lasse, sagt Imanol Schlag Co-Lead von Apertus am Donnerstag am AI+X Summit in Zürich. Schlag forscht am ETH AI Center und leitet das Projekt zusammen mit EPFL-Professor Martin Jaggi. Das Training läuft bereits auf Tausenden Grafikkarten am Alps Supercomputer am CSCS in Lugano.
Das kann Apertus 2.0
Apertus 2.0 soll deutlich mehr können aber im Betrieb etwa gleich viel kosten wie anhin. Im Fokus stehen das Programmieren, die Mathematik und neue Agentenfähigkeiten, also das selbständige Abarbeiten mehrstufiger Aufgaben. Erscheinen soll das KI-Modell 2027, laut Projektseite im ersten Quartal. Ein noch weiter verbesserte Version ist laut der Roadmap für Ende 2027 in Planung.
Wieso entwickelt die Schweiz überhaupt eigene KI? Der Zugang zu internationaler KI sei nicht garantiert, erklärt Schlag auf der Bühne. In der Vergangenheit sind KI-Modelle bereits aus politischen Gründen gesperrt worden. Als prominentes Beispiel gilt Anthropics Sperre von Claude im Juni wegen US-Exportkontrollen. Apertus hingegen soll transparent und offen sein und europäische Rechte einhalten.
Chats für die Forschung
Offenen KI-Modellen wie Apertus fehlt etwas, das die grossen KI-Konzerne en masse haben: Feedback aus dem Alltag. Seit September hilft Proton aus. Im KI-Assistenten Lumo lässt sich Apertus 1.5 als Modell wählen. Wer ausdrücklich zustimmt, teilt seine Chats anonymisiert mit dem Forschungsteam. Über zehn Anbieter stellen Apertus bereits bereit, darunter Swisscom und Infomaniak.
Seit 1. Oktober läuft zudem «Hack Apertus», eine landesweite Hackathon-Reihe. Teams bauen dabei in kürzesters Zeit Prototypen auf Basis von Apertus, etwa für Verwaltung oder Firmen. Alle Ergebnisse werden Open Source. Auf die Onlinerunde bis 16. Oktober folgen Anlässe in mehreren Städten, das Finale steigt am 14. Mai 2027 in St. Gallen.
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