Italien – Emma Bonino gestorben: Pionierin für Frauenrechte

Es ist das letzte Bild, das von Emma Bonino in Erinnerung bleiben wird: Sie und Papst Franziskus sassen vor zwei Jahren auf einer römischen Dachterrasse, beide im Rollstuhl. Der Papst und die antiklerikale Bonino im angeregten, vertrauten Gespräch. Franziskus hatte ihr Blumen und Pralinen mitgebracht. Es ist eine jener Szenen, die Italiens Politik mitunter so überraschend und menschlich machen.
Wer war Emma Bonino?
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Emma Bonino wuchs in der piemontesischen Provinz auf einem Bauernhof auf. Sie studierte in Mailand Sprachen und Literatur und legte danach in Rom und Brüssel eine steile Karriere hin: als EU-Kommissarin, mehrfache Ministerin und langjährige Parlamentarierin.
Dabei hatte Emma Bonino in jungen Jahren nach katholischer Lehre schwer gesündigt. Mit 26 Jahren wurde sie ungewollt schwanger und sie trieb in einer klandestinen, illegalen Klinik in Florenz ab.
Ein traumatisches Erlebnis, das ihr Leben und ihren Weg radikal veränderte: «Die Erniedrigung, die ich damals erlebte, war so tief, dass ich mir schwor: Keine Frau in Italien soll so etwas je wieder durchmachen müssen.»
Wegen dieser Abtreibung stellte sich Bonino demonstrativ der Polizei und ging ins Gefängnis. Daraus wurde ihr erster politischer Triumph. 1981 verteidigte Italien die Fristenlösung mit überwältigender Mehrheit in einem historischen Referendum. Es folgte ein jahrzehntelanges, hartnäckiges Engagement für mehr Bürgerrechte in einem konservativen Land: für das Scheidungsrecht, die Entkriminalisierung von Drogen, das Recht auf Sterbehilfe und für menschenwürdige Bedingungen in Italiens chronisch überfüllten Gefängnissen.
Zuletzt galt ihre Leidenschaft ganz dem europäischen Projekt. Während andere nach weniger Europa riefen, forderte sie vehement mehr Integration. Denn mehr Europa bedeutete für sie schlicht: Frieden. In Zeiten wachsender EU-Skepsis klingen solche Worte beinahe wie aus der Zeit gefallen.
Bonino war nie allein. Die Kettenraucherin war Teil einer Generation, die das Land ab den 1960er-Jahren modernisieren und befreien wollte. Oft stand Bonino dabei an der Seite Marco Pannellas, des charismatischen Gründers der Radikalen Partei, der den Kampf für mehr Bürgerrechte anführte. Sie habe von Pannella viel gelernt, vor allem den Mut zur politischen Fantasie, sagte sie nach dessen Tod 2016. Doch während Pannella der provokante Aussenseiter geblieben war, ging Bonino in die Institutionen und übernahm reale Macht.
Nur das höchste Amt blieb ihr verwehrt. 1999 kandidierte sie unter dem selbstbewussten Slogan «Der richtige Mann für das Quirinal ist eine Frau» für das Amt der Staatspräsidentin. Sie scheiterte.
Italien hatte bis heute nie eine Staatspräsidentin. Diese letzte Schlacht müssen nun Boninos Nachfolgerinnen schlagen.
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