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Thursday, October 8, 2026

Schweizer Wirtschaft wächst deutlich – wie reagiert der SNB-Chef?

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  • Die Raiffeisenbank erhöht ihre BIP-Wachstumsprognose für die Schweiz von 0,8 auf 1,7 Prozent.
  • Der Pharmasektor trug rund die Hälfte zum starken Wachstum von 1,5 Prozent im zweiten Quartal bei.
  • Die Nullzinspolitik erscheint laut Raiffeisen-Ökonomen zunehmend unangemessen.

Die Schweizer Wirtschaft entwickelt sich besser als erwartet. Die Raiffeisenbank erhöht deshalb ihre Prognose für das Schweizer Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das Gesamtjahr deutlich. Die Raiffeisen-Ökonomen Alexander Koch und Domagoj Arapovic rechnen nun mit 1,7 Prozent Wachstum statt zuvor 0,8 Prozent, wie sie in einer Analyse schreiben.

Das ist besonders erstaunlich, weil die europäische Wirtschaft schwer unter den Folgen des Ukraine-Kriegs mit den Russland-Sanktionen gelitten hat. Deshalb war die Angst gross, dass der Iran-Krieg die Wirtschaftsentwicklung abwürgt. Doch die Konjunkturdaten zeigten sich im zweiten Quartal unbeeindruckt. Die Industrieproduktion und die Exporte konnten sogar an Fahrt aufnehmen, wie die Analyse der Raiffeisen-Bank zeigt. Das gilt speziell für die Schweiz.

Darum läuft es so gut für die Schweizer Wirtschaft

Die Unternehmensstimmung habe im September unerwartet der erneuten Intensivierung des Iran-Kriegs und der Trockenheit getrotzt. Die Schweiz profitiert dabei vor allem vom Pharmasektor, der rund die Hälfte zum laut Raiffeisen sehr starken Wachstum von 1,5 Prozent im vergangenen zweiten Quartal beigetragen hat.

Nächstes Jahr wächst BIP wohl weniger stark

Die Raiffeisen-Ökonomen warnen aber, dass ein Teil der Wachstumsstärke in diesem Jahr geborgt sein könnte. So sei fraglich, ob sich die starke Dynamik im Pharmasektor fortsetzen lässt. Bedenken hat er wegen Plänen der Pharmaindustrie für eine Verlagerung von Produktions- und Forschungskapazitäten in die USA als Reaktion auf Trumps Zollpolitik.

Zudem deuten Unternehmensaussagen darauf hin, dass die lebhaftere Geschäftstätigkeit nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs zumindest teilweise einer erhöhten Vorratsbeschaffung geschuldet sei, um Lieferkettenproblemen vorzubeugen. Diese Nachfrage könne künftig fehlen.

Worauf führst du das starke Wachstum der Schweizer Wirtschaft am ehesten zurück?

Schliesslich halte auch der Gegenwind der höheren Energiepreise mit dem ungelösten Iran-Krieg weiter an. Insbesondere der überproportionale Anstieg der Kraftstoffpreise belaste Unternehmen und Haushalte. Im September meldeten die Unternehmen wieder stärker steigende Einkaufs- und Verkaufspreise. Die Inflation dürfte deshalb von 0,7 Prozent im aktuellen Jahr auf 1,1 Prozent im nächsten Jahr steigen.

Folgt das Ende der Nullzinspolitik?

In der EU ist die Inflation wesentlich höher. Die Europäische Zentralbank hat deshalb bereits zum zweiten Mal mit einer Leitzinserhöhung reagiert. In der Schweiz ist die Inflation noch im Zielband der Schweizerischen Nationalbank (SNB) von bis zu zwei Prozent. Trotzdem könnte SNB-Chef Martin Schlegel bei der nächsten Lagebeurteilung im Dezember erstmals seit über einem Jahr den Leitzins verändern.

Weil sich die Wirtschaft so widerstandsfähig präsentiert, erscheint die unterstützende Nullzinspolitik laut den Ökonomen zunehmend unangemessen. Das Fenster für eine Zinserhöhung könne sich weit genug öffnen. Die Märkte hätten einen höheren Leitzins für 2027 bereits eingepreist. Für die Menschen in der Schweiz würde ein steigender Leitzins unter anderem bedeuten, dass auch die Zinsen für Hypotheken steigen. Dafür könnte es auch wieder Zinsen fürs Sparkonto geben.

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Fabian Pöschl

Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort Wirtschaft

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