Scam-Industrie in Asien – Kambodscha schliesst Betrugszentren – und jetzt?

Schluss mit der milliardenschweren Betrugsindustrie? Das sagt die Regierung in Kambodscha. Sie will ihr Image als Standort für Onlinebetrug loswerden. Behörden haben mehrere grosse Betrugszentren geschlossen und Aufnahmen der Razzien veröffentlicht. Was das Vorgehen bewirkt und wo seine Grenzen liegen, erklärt SRF-Südostasien-Korrespondent Martin Aldrovandi.
Martin Aldrovandi
Südostasien-Korrespondent
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Martin Aldrovandi berichtet seit Frühjahr 2023 als Korrespondent für Radio SRF aus Südostasien. Zuvor war er von 2016 bis Sommer 2022 Korrespondent für Radio SRF in Nordostasien mit Sitz in Schanghai. Davor hatte er mehrere Jahre lang als freier Journalist aus dem chinesischsprachigen Raum berichtet.
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Warum geht Kambodscha gerade jetzt gegen die Betrugszentren vor?
Der internationale Druck ist gestiegen, vor allem aus China und den USA. Die USA gehen inzwischen mit Sanktionen, Strafverfahren und Beschlagnahmungen gegen Betrugsnetzwerke vor. Die Industrie hat enorme Ausmasse angenommen: In manchen Anlagen arbeiteten Tausende Menschen, teils freiwillig, teils unter Zwang. Premierminister Hun Manet sagt, Kambodscha sei kein Ort für solche Machenschaften. Die Regierung will offensichtlich von diesem Image wegkommen.
Was ist auf den Aufnahmen aus den Zentren zu sehen?
Die Regierung hat Aufnahmen von den Razzien bei diesen Scam-Zentren veröffentlicht. Zu sehen sind riesige umzäunte Anlagen mit Grossraumbüros und Unterkünften. In den verlassenen Büros liegen Computer, Handys und SIM-Karten. Gefunden wurden auch falsche Identitätskarten aus aller Welt, FBI-Ausweise, Polizeiuniformen und Kulissen von Polizeiwachen. Damit täuschten die Banden vor, Strafverfolgungsbehörden zu sein. Allerdings wurden die Medien von den kambodschanischen Behörden zu diesen Anlagen geführt, um zu zeigen, dass die Regierung gegen diese Banden vorgeht.
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Bild 1 von 3. Kambodscha hat riesige Betrugszentren geschlossen. (22.9.2026). Bildquelle: Keystone/AP Photo/Heng Sinith.
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Bild 2 von 3. In den «Compounds» suchen Banden nach Opfern, denen sie übers Internet Geld abknöpfen können. (22.9.2026). Bildquelle: Keystone/EPA/KITH SEREY.
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Bild 3 von 3. Mit falschen Uniformen und nachgebauten Polizeiwachen sollen Betrügerinnen und Betrüger ihre Opfer eingeschüchtert haben. Bildquelle: Keystone/AP Photo/Heng Sinith.
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Wie glaubwürdig ist das Vorgehen der Regierung?
Das ist die entscheidende Frage. Die weitläufigen Zentren waren ja sichtbar. Es ist schwer vorstellbar, dass die Behörden davon nichts mitbekommen haben. Fachleute gehen davon aus, dass die Betrugsindustrie einen gewichtigen Teil der kambodschanischen Wirtschaft ausmacht. Zudem besteht die Vermutung, dass die Netzwerke bis in die höchsten Regierungskreise reichen und auch Behörden davon profitiert haben. Wie ernst es der Regierung mit den Razzien ist, bleibt deshalb offen.
Sind die Banden nun gestoppt?
Nicht unbedingt. Sie können in kleinere, unauffällige Orte ausweichen: Wohnungen, Häuser oder Hotelzimmer. Auch ein Wechsel in andere Länder ist möglich. Kürzlich wurde in Bangkok eine Bande in einer gemieteten Villa aufgespürt, die Menschen in Japan betrogen haben soll. Da sieht man, wie flexibel diese Banden und wie ausgeklügelt diese Maschen sind.
Warum ist diese Industrie so schwer zu bekämpfen?
Es ist ein grenzüberschreitendes Geschäft. Die Betreiber sind oft Hintermänner aus China. Sie können in einem Land sitzen und Arbeitskräfte aus einem zweiten rekrutieren. Und diese betrügen die Opfer in einem dritten Land, auch in der Schweiz. Das Geld wird meistens rasch über Kryptowährungen verschoben. Die Netzwerke sind unter anderem in Kambodscha, Myanmar und Laos aktiv – Länder mit schwachen Institutionen, wo man sie gewähren lässt oder meistens auch selbst davon profitiert. Wird der Druck an einem Ort zu gross, können sie sehr schnell auf einen anderen Ort ausweichen.
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