Ebola-Patientin in Genf – das richtet das Virus im Körper an

- Eine mit Ebola infizierte Schweizerin wird in Genf behandelt. Ihr Zustand ist stabil.
- Sie hat sich mit der Ebola-Variante Bundibugyo angesteckt. Für diese gibt es weder eine Impfung noch ein Medikament.
- Das Virus schwächt die Immunabwehr und schädigt die Blutgefässe. Im schlimmsten Fall versagen lebenswichtige Organe.
Eine Schweizerin ist offenbar nach einer Reise nach Uganda an Ebola erkrankt und wird nun im Universitätsspital Genf behandelt. Die Krankheit war bereits am 20. Oktober 2026 in Nigeria nachgewiesen worden. In dem afrikanischen Land arbeitet ihr Ehemann bei der Schweizer Botschaft.
Seit der Diagnose wurde die Frau in einer Privatklinik behandelt. Weil sich ihr Zustand seither deutlich verbessert hatte, wurde sie unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen von der Rega in die Schweiz geflogen. Mit an Bord: ihr Mann, der bis heute keine Symptome zeigt. Die beiden hatten damit Glück im Unglück.
Mit welchem Virusstamm hat sich die Frau infiziert?
Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO hat sich die Schweizerin mit dem Bundibugyo-Virus, kurz BDBV, infiziert. Dieses ist für den seit Monaten anhaltenden Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo verantwortlich. Für diese Ebola-Variante gibt es weder ein spezifisches Medikament noch eine Impfung (siehe Box).
Bundibugyo: Kein Impfstoff, aber weniger tödlich
Der Bundibugyo-Stamm ist 2007 erstmals in Uganda aufgetreten, dann 2012 im Kongo. Aufgrund seiner Seltenheit gibt es laut der WHO für diese Variante keinen zugelassenen Impfstoff und keine Therapie. Die Bundibugyo-Variante hat nach Angaben des US-amerikanischen Gesundheitsinstitutes NIH eine Sterblichkeitsrate von etwa 37 Prozent. Das ist deutlich tiefer als beim Zaire-Stamm, wo diese bei bis zu 90 Prozent liegt.
Uganda gilt eigentlich als Ebola-frei: Wo hat sich die Frau angesteckt?
Das ist weiterhin unklar. Wo und wie sich die Schweizerin infiziert hat, wird laut Africa CDC noch untersucht. Eigentlich war Uganda Ende August als frei von Ebola erklärt worden. Laut ugandischen Behörden soll die Frau vor ihrem Uganda-Aufenthalt jedoch noch in der Demokratischen Republik Kongo (siehe Box) gewesen sein. Das schreibt «The Guardian». Laut WHO und dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA war sie dies aber nicht.
Die aktuelle Ebola-Epidemie in Zahlen
Die Schweizerin ist die erste Person seit 2014, die in Nigeria an Ebola erkrankt ist. Ihren Ursprung hat die aktuelle Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo. In dem zentralafrikanischen Land starben seit Mitte Mai nach Angaben der nationalen Gesundheitsbehörde bereits gegen 4700 Menschen. Insgesamt wurden mehr als 9700 Ebola-Fälle gemeldet. Für den Kongo ist es der 17. Ebola-Ausbruch seit der Entdeckung des Virus vor 50 Jahren.
In Uganda, das im Westen an die Demokratische Republik Kongo grenzt, gab es seit Beginn des aktuellen Ausbruchs insgesamt 20 bestätigte Ebola-Fälle, die auf einen Patienten aus dem Kongo zurückgeführt wurden. Zwei Patienten starben. Uganda verkündete Ende August jedoch das Ende seines Ebola-Ausbruchs, nachdem über 42 Tage kein neuer Fall erfasst wurde.
Auch im ostafrikanischen Kenia, das ebenfalls an Uganda grenzt, gibt es aktive Ebola-Fälle. Der erste Patient war aus dem Kongo via Uganda nach Kenia gereist. In der Hauptstadt Nairobi sind aktuell neun Ebola-Fälle, darunter zwei Todesfälle, registriert. Hinweise auf eine Ausbreitung in der Bevölkerung gebe es bislang nicht, so das kenianische Gesundheitsministerium.
Die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC spricht von dem am schnellsten wachsenden Ebola-Ausbruch der Geschichte. In den vergangenen 50 Jahren starben auf dem afrikanischen Kontinent mehr als 15'000 Menschen an dem Virus.
Eine Besonderheit des Bundibugyo-Virus ist, dass die durch dieses ausgelöste Krankheit sich langsam im Körper ausbreitet. «Dann können zwar erste Symptome auftreten, aber nicht so stark, dass man sich elend fühlt und sich nicht mehr bewegen kann», erklärte die auf die Bundibugyo-Variante die spezialisierte Virologin Corri Levine von der University of Texas (Medical Branch) im Juli 2026.
Das heisst: Infizierte könnten ohne ihr Wissen bereits infektiös sein und das Virus weiterverbeiten. Das brachte ihm den Spitznamen «wandelndes Ebola» ein. «Die Erkenntnis, dass Ebola im Gehen vorkommt, war für mich ein echter Aha-Moment», sagte Levine damals.
So kommt es zur Infektion
Ebola ist von Mensch zu Mensch nur durch direkten Körperkontakt mit infektiösen Körperflüssigkeiten übertragbar. Dazu gehören Blut, Speichel, Erbrochenes und Exkremente. Allerdings ist auch eine Ansteckung durch Berührung von infizierten Objekten möglich, wie das Bundesamt für Gesundheit BAG festhält. Auch infizierte Tiere können das Virus übertragen. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis 21 Tage. Im Regelfall vergehen sechs bis zehn Tage bis zu den ersten Anzeichen.
Wie macht sich die Infektion bemerkbar?
Das hängt von dem Virustyp ab. Im Kongo, wo das Bundibugyo-Virus wütet, hielten die ersten infizierten Personen ihre Symptome für die einer Grippe oder die von Malaria. Laut Africa CDC zählen zu den frühen Symptomen des Stamms Fieber, starke Kopfschmerzen, Schwäche, Erbrechen, wässriger Durchfall, Muskelschmerzen und in manchen Fällen unerklärliche Blutungen oder Blutergüsse. «Bei einem schweren Verlauf kommen starke Blutungen (daher die Bezeichnung ‹hämorrhagisches Fieber›) sowie das Versagen von lebenswichtigen Organen, zum Beispiel Leber und Nieren, oder ein Herz-Lungen-Schock», so das BAG.
Wieso eskaliert die Ebola-Erkrankung?
Ebolaviren befallen zunächst vor allem die Immunzellen und vermehren sich stark. Sie schwächen die koordinierte Immunabwehr. Über die Immunzellen verteilt sich der Erreger dann schnell im gesamten Organismus. Die Erreger können sich in fast allen Zellen im Körper vermehren, auch in den sogenannten Endothelzellen, die sich innen an den Blutgefässen befinden. Zu den Blutungen kommt es, wenn die Blutgefässe zunehmend zerstört und durchlässig werden. Auch schwere Gerinnungsstörungen sind die Folge davon. Durch den massiven Verlust von Blut und Gewebeflüssigkeit fällt der Blutdruck rapide ab. Im Endstadium kommt es unter anderem durch Störungen der Flüssigkeitsverteilung zum Multiorganversagen.
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